Robotik-Boom: Prometheus sammelt 11 Milliarden Euro ein
17.06.2026 - 01:01:26 | boerse-global.de
Im Kampf gegen die globale Arbeitskrise beschleunigen Großkonzerne und Tech-Startups den Einsatz von physischer Künstlicher Intelligenz. Eine neue Studie der Unternehmensberatung PwC zeigt: Firmen, die auf KI setzen, verzeichnen deutlich höhere Produktivität und stellen mehr Mitarbeiter ein als ihre weniger digitalisierten Wettbewerber.
Wachsende Personalnot treibt Automatisierung voran
Der Fachkräftemangel erreicht weltweit neue Dimensionen. Bereits zu Jahresbeginn meldeten 72 Prozent der Arbeitgeber Schwierigkeiten bei der Personalsuche, wie eine Erhebung von ManpowerGroup ergab. Besonders dramatisch ist die Lage in der US-Industrie: Bis 2030 könnten dort 2,1 Millionen Stellen unbesetzt bleiben – mit potenziellen wirtschaftlichen Verlusten von umgerechnet rund 920 Milliarden Euro.
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Die demografische Entwicklung verschärft den Trend. In Japan liegt der Anteil der Erwerbsfähigen an der Gesamtbevölkerung bei nur noch 59,6 Prozent – und soll in den nächsten zwei Jahrzehnten um 15 Millionen Menschen schrumpfen. In den USA erreichen mehr als 30 Millionen Babyboomer bis 2030 das Rentenalter. Der Anteil der über 65-Jährigen wird dort bis 2035 auf 21,2 Prozent steigen.
In der Luftfahrt- und Rüstungsindustrie ist die Lage besonders prekär. Rund ein Drittel der Beschäftigten ist dort älter als 55 Jahre. Unternehmen wie Voyager Technologies setzen daher auf sogenannte „agentische KI" in Großfabriken, um Produktionszeiten für Verteidigungselektronik von Jahren auf Wochen zu verkürzen.
Vom Pilotprojekt zum Dauerbetrieb
Mehrere Robotik-Unternehmen haben die Testphase hinter sich gelassen und arbeiten inzwischen im industriellen Dauerbetrieb. Figure AI demonstrierte die Ausdauer seiner Systeme bei BMW: Die Roboter absolvierten Zehn-Stunden-Schichten und verarbeiteten über 90.000 Blechteile. Das neuere Modell Helix-02 schaffte sogar 200 Stunden autonomen Betrieb und sortierte dabei mehr als 149.000 Pakete ohne menschlichen Eingriff.
Auch Agility Robotics hat hochgefahren. Sein Roboter „Digit" bewegte über 100.000 Transportbehälter in realen Logistik-Umgebungen – unter anderem für Amazon, GXO und den deutschen Automobilzulieferer Schaeffler. In China hat die Regierung das Programm „Work Mode" gestartet, das den kommerziellen Einsatz von 10.000 humanoiden Robotern bis Ende 2026 vorschreibt.
Die technologische Entwicklung verlagert sich zunehmend auf nicht-menschliche Designs. Genesis AI präsentierte kürzlich „Eno" – einen Roboter auf Rädern mit menschlichen Händen, der für Logistik und Fertigung konzipiert ist. Mit Finanzmitteln von umgerechnet rund 97 Millionen Euro will das Unternehmen noch 2026 erste Kunden beliefern. Auch Alibaba Cloud hat neue KI-Modelle für die Robotik vorgestellt, die auf der hauseigenen Qwen-Familie basieren und Arbeitskräftelücken in Chinas Industrie und Gesundheitswesen schließen sollen.
Milliardenschwere Investitionen in die Zukunft
Die Finanzbranche reagiert mit gewaltigen Kapitalspritzen. Am 11. Juni 2026 gab das Startup Prometheus bekannt, in einer Series-B-Runde umgerechnet rund 11 Milliarden Euro eingesammelt zu haben – das Gesamtkapital beläuft sich damit auf über 16,5 Milliarden Euro. Das Unternehmen entwickelt einen „künstlichen Generalingenieur" für Branchen wie Luftfahrt und Automobilbau und wird trotz fehlender Umsätze und Produkte mit rund 38 Milliarden Euro bewertet.
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Die Marktprognosen sind ambitioniert. Goldman Sachs erwartet, dass der Markt für humanoide Roboter bis 2035 auf umgerechnet rund 35 Milliarden Euro wächst – unterstützt durch einen Kostendeckung von 40 Prozent bei der Fertigung zwischen 2023 und 2024. Morgan Stanley schätzt den gesamten Markt für physische KI bis 2050 auf umgerechnet rund 4,6 Billionen Euro.
Zweigeteilter Arbeitsmarkt entsteht
Der PwC Global AI Jobs Barometer 2026 zeichnet das Bild eines „zweigeteilten" Arbeitsmarktes. Jobs mit KI-Bezug sind seit 2019 um 69 Prozent gewachsen – fast achtmal schneller als der Gesamtmarkt. Diese Positionen zahlen im Schnitt 62 Prozent höhere Gehälter, in bestimmten Konsumgütermärkten sogar 118 Prozent mehr.
Die Studie zeigt zudem: Die 20 Prozent der Unternehmen mit der stärksten KI-Integration steigerten ihre Arbeitsproduktivität um 163 Prozent im Vergleich zu 2018. Sie verzeichneten auch ein stärkeres Beschäftigungswachstum (52 Prozent) als Firmen mit geringer KI-Nutzung (36 Prozent).
Während KI Routineaufgaben übernimmt, gewinnen menschliche Fähigkeiten wie Führung, Kreativität und Urteilsvermögen an Wert. Das treibt Investitionen in die Weiterbildung. Meta etwa stellte 2026 umgerechnet rund 106 Millionen Euro für ein Programm bereit, das Schweißer, Elektriker und Techniker ausbildet – um kritische Lücken im US-Bausektor zu schließen, der 2026 zusätzlich 349.000 Arbeitskräfte benötigte.
