Rosenheim: Sechs Sozialraumlotsinnen sollen Pflege zu Hause länger ermöglichen
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 07:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die demografische Entwicklung stellt Kommunen und Pflegesysteme vor erhebliche strukturelle Herausforderungen. Um älteren Bürgern ein möglichst langes Verbleiben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen und vollstationäre Heimeinzüge hinauszuzögern, setzt die Stadt Rosenheim auf ein konkretes Präventionsmodell: Sechs sogenannte Sozialraumlotsinnen unterstützen Senioren dabei, passende Angebote zur Alltagsunterstützung im vertrauten Umfeld zu finden. Das entsprechende Pilotprojekt ist bis März 2028 angelegt und zielt darauf ab, pflegende Angehörige zu entlasten und präventive Versorgungsstrukturen zu stärken.
Finanzierung und wissenschaftliche Begleitung
Die Finanzierung des Modellprojekts teilen sich Land und Kommune. Rund 70 % der Mittel stammen aus dem bayerischen Förderprogramm „Gute Pflege in Bayern“, während die Stadt Rosenheim die verbleibenden 30 % der Kosten übernimmt.
Begleitet wird die Initiative von der Technischen Hochschule Rosenheim, die das Projekt wissenschaftlich evaluiert. Diese fundierte Auswertung bildet die Grundlage für eine mögliche Weiterführung nach Ablauf der Pilotphase. Wie die Pflegebevollmächtigte Katrin Staffler darlegte, hängt eine künftige Anschlussfinanzierung maßgeblich von dem empirischen Nachweis ab, dass ein derartiges Modell tatsächlich Kosten im Gesamtsystem einspart.
Gesetzliche Rahmenbedingungen und das geplante Sozialraumbudget
Auf Bundesebene gibt es Bestrebungen, derartige Konzepte rechtlich und finanziell neu zu verankern. Im Ende September beschlossenen Gesetz zur Pflegepersonalbemessung und zur Stärkung der pflegerischen Versorgung (PNOG) ist die Einführung eines Sozialraumbudgets vorgesehen. Dieses neue Budget soll den bisherigen Entlastungsbetrag ersetzen und die Finanzierung von Angeboten zur Alltagsunterstützung zweckgebunden ermöglichen, um quartiersnahe Hilfsangebote verlässlicher zu finanzieren.
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Steigender Bedarf im Pflegestützpunkt Rosenheim
Der Handlungsdruck in der Region wächst stetig. Die Stadt Rosenheim rechnet bis zum Jahr 2040 mit einem Zuwachs von rund 10.000 zusätzlichen Einwohnern, was auch den Bedarf an Unterstützung und Pflege weiter erhöhen dürfte.
Pflegende Angehörige sind oft chronisch überlastet, bevor sie Unterstützung suchen. Dieser Leitfaden hilft Ihnen, frühzeitig die richtigen Entlastungsangebote zu finden und die Finanzierung von Alltagshilfen zu klären — mit einer klaren Checkliste und einer Schritt-für-Schritt-Anfrage beim Pflegestützpunkt. Checkliste für pflegende Angehörige sichern
Die wachsende Inanspruchnahme von Beratungsleistungen zeigt sich bereits in den Kennzahlen der bestehenden Anlaufstellen. Der Pflegestützpunkt Rosenheim, der kostenlose, neutrale und individuelle Beratung rund um Pflege, Betreuung und barrierefreies Wohnen offeriert, feiert sein fünfjähriges Bestehen. Wie das Landratsamt Rosenheim berichtete, stieg die Nachfrage nach diesen Beratungen stark an.
Verzeichnete die Beratungsstelle im Jahr 2022 noch rund 650 Anfragen, stieg dieser Wert im Jahr 2025 bereits auf über 2.500 Beratungsanfragen an. Dieser Trend setzte sich fort, da in den ersten acht Monaten des Jahres 2026 bereits über 1.350 Kontakte gezählt wurden. Der Einsatz der Sozialraumlotsinnen ergänzt diesen Ausbau der Beratungs- und Versorgungslandschaft vor Ort.
