Rückenschmerz, Ursache

Rückenschmerz: 85% haben keine strukturelle Ursache – Krafttraining hilft

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 10:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien und Fachleute zeigen: Regelmäßige Aktivität kann Beschwerden vorbeugen, die Rückengesundheit fördern und das Herz-Kreislauf-Risiko senken.

Gezielte Bewegung stärkt Rücken, Herz und Muskulatur
Ein heller, minimalistischer Übungsraum mit Holzboden und Sportgeräten in einer ruhigen, lichtdurchfluteten Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle medizinische Berichte und wissenschaftliche Untersuchungen unterstreichen die zentrale Bedeutung von strukturierter Gymnastik und gezielten Bewegungsabläufen. Sie gelten als unverzichtbare Grundlagen, um Schmerzen vorzubeugen und die Funktionalität des Bewegungsapparats sowie der Muskulatur langfristig zu sichern.

Während Bewegungsmangel Risiken begünstigt, zeigt sich in der therapeutischen Praxis, dass körperliche Aktivität oft wirksamer ist als reine Schonung.

Unspezifische Beschwerden und die Rolle von Kraftübungen

Wie die ZDF-Dokumentation „Nie wieder Rücken!“ aus dem Jahr 2026 aufzeigt, liegt bei über 85 Prozent der Betroffenen mit Rückenschmerzen keine eindeutige strukturelle Ursache vor.

Schmerz-Physiotherapeut Stefan Lindner vom Universitätsklinikum Würzburg hält Kraftübungen und kontinuierliche Bewegung für unabdingbar. Auch Prof. Heike Rittner vom Zentrum für interdisziplinäre Schmerzmedizin Würzburg weist darauf hin, dass chronischer Rückenschmerz integrativ betrachtet werden müsse.

Ergänzend dazu betont der biokinematische Ansatz nach Walter Packi, dass ein bildgebender MRT-Befund bei einem Bandscheibenvorfall den Schmerz nicht automatisch erkläre, da derartige Veränderungen auch bei beschwerdefreien Menschen auftreten. Unter konservativer Behandlung bilden sich lumbale Herniationen nicht selten zurück.

Aus mehr als 20 Jahren klinischer Praxis wird berichtet, dass rund 80 Prozent der auf diese Weise behandelten Patienten nach einer sorgfältigen Ausschlussdiagnostik sowie gezieltem Üben im Durchschnitt innerhalb von etwa einer Woche weitgehend bis vollständig symptomfrei wurden.

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Alltagsbewegung und Krafttraining im wissenschaftlichen Fokus

Systematische Übersichtsarbeiten belegen zudem den weitreichenden Nutzen scheinbar einfacher Bewegungsmuster. Eine Forschungsarbeit des Norfolk and Norwich University Hospital und der University of East Anglia unter der Leitung von Sophie Paddock, die Daten von 480.479 Personen aus neun Studien analysierte, verknüpft regelmäßiges Treppensteigen mit einer Senkung des Risikos für tödliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 39 Prozent sowie einer Reduktion des Gesamtsterberisikos um rund 24 Prozent.

Studienleiter Vassilios Vassiliou hob hervor, dass Treppensteigen eine praktische Möglichkeit für mehr Aktivität darstelle; kurze Intervalle an drei Tagen pro Woche könnten die Ausdauerleistung bereits innerhalb von sechs Wochen messbar steigern.

Eine im American Journal of Cardiovascular Drugs erfasste Auswertung deutet zudem darauf hin, dass sechs Stockwerke pro Tag einen erheblichen Nutzen entfalten können. Dies deckt sich mit den allgemeinen Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation, die Erwachsenen mindestens 150 Minuten moderate Bewegung sowie an mindestens zwei Tagen pro Woche ein Krafttraining für alle großen Muskelgruppen nahelegt.

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Spezifische Anforderungen an das Training

Gezielte Bewegung erfordert jedoch oft eine Anpassung an individuelle körperliche Voraussetzungen. Bei Fehlstellungen wie einer Skoliose sollten asymmetrische Rumpfbelastungen gemieden werden, da einseitige Bewegungen eine Körperhälfte bis zu dreimal stärker belasten und den mechanischen Druck um bis zu 40 Prozent erhöhen können. Stattdessen gelten kontrollierte Methoden wie Pilates, spezifisches Yoga oder die Schroth-Therapie als vorteilhaft.

Auch für spezielle Muskelgruppen sind strukturierte Abläufe entscheidend. So empfiehlt die Frankfurter Frauenärztin Dr. med. Rieke Hermann zur Vorbeugung von Beckenbodendysfunktionen frühe funktionelle Übungen, zu denen neben der Stärkung der tiefen Bauchmuskulatur auch eine fundierte Bauchatmung sowie gezieltes Training für Beine und Gesäß gehören.

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