Cannabis-Importe im Jahr 2024 sprunghaft angestiegen
27.02.2025 - 04:00:45 | dpa.deDer Import von Cannabis nach Deutschland fĂŒr medizinische und wissenschaftliche Zwecke hat im Laufe des Jahres 2024 sprunghaft zugenommen: Die Menge stieg von 8,1 Tonnen im 1. Quartal des Jahres ĂŒber 11,6 Tonnen im 2. Quartal und 20,7 Tonnen im 3. Quartal auf 31,7 Tonnen im 4. Quartal. Das berichtete das Bundesinstitut fĂŒr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Damit habe sich die Importmenge im 4. Quartal gegenĂŒber dem 1. Quartal fast vervierfacht.Â
Insgesamt wurden demnach im Gesamtjahr 2024 mehr als 72 Tonnen getrocknete Cannabis-BlĂŒten fĂŒr medizinische und wissenschaftliche Zwecke eingefĂŒhrt. Zum Vergleich: In Deutschland selbst produziert wurden fĂŒr diese Zwecke in dem Zeitraum rund 2,6 Tonnen, wie das BfArM auf Anfrage mitteilte. Diese Jahresmenge sei vor einigen Jahren durch ein Vergabeverfahren fĂŒr die Dauer von vier Jahren festgelegt worden, hieĂ es weiter.
Der gröĂte Anteil kommt aus Kanada
Mit mehr als 33 Tonnen stammte der GroĂteil des fĂŒr medizinische und wissenschaftliche Zwecke importierten Cannabis laut BfArM aus Kanada, gefolgt von Portugal mit gut 17 Tonnen. Danach folgen DĂ€nemark (knapp 7,4 Tonnen), Nordmazedonien (2,7 Tonnen) und Spanien (2,2 Tonnen).
GrĂŒnde fĂŒr den starken Anstieg nannte das BfArM nicht. Seit April vergangenen Jahres ist in Deutschland der nicht-medizinische Cannabis-Konsum fĂŒr VolljĂ€hrige mit zahlreichen BeschrĂ€nkungen legal. Erlaubt ist der Anbau von bis zu drei Pflanzen in Privatwohnungen, aufbewahren darf man bis zu 50 Gramm Cannabis. Zudem ist es nicht-kommerziellen «Anbauvereinigungen» mit Lizenz erlaubt, gemeinschaftlich Cannabis anzubauen.Â
HausĂ€rzteverband: Online-Anbieter werben zum Teil aggressivÂ
Markus Beier, Bundesvorsitzender des HausĂ€rztinnen- und HausĂ€rzteverbandes, verweist angesichts des gestiegenen Imports auf Online-Anbieter. «Bei der starken Zunahme der Importmenge ist davon auszugehen, dass der GroĂteil davon nicht von niedergelassenen Ărztinnen und Ărzten zu medizinischen Zwecken im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherungen verschrieben wurde, sondern durch Online-Anbieter, die zum Teil aggressiv mit der einfachen Verschreibung von Medizinalcannabis auf Privatrezepten als privatĂ€rztliche Leistung werben», sagte er der Deutschen Presse-Agentur.
FĂŒr die Verschreibung von Medizinalcannabis komme aus fachlicher Sicht nur ein relativ enger Kreis infrage, darunter Patientinnen und Patienten mit Multipler Sklerose sowie bei der Palliativversorgung, sagte Beier.Â
Es sei richtig und sinnvoll, dass die Versorgung mit Medizinalcannabis durch niedergelassene Ărztinnen und Ărzte fĂŒr die klar umrissene Gruppe, fĂŒr die eine medizinische Indikation besteht, in der Vergangenheit entbĂŒrokratisiert worden sei, ergĂ€nzte Beier. «So ist der Genehmigungsvorbehalt der Krankenkassen bei Verschreibung durch Ărztinnen und Ărzte bestimmter Fachrichtungen gestrichen worden.» Dies sei sinnvoll, denn es habe die Versorgung der betroffenen Patientinnen und Patienten, bei denen wirklich eine medizinische Indikation vorliege, unnötigerweise erschwert.
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