Salzersatz, Kaliumangereicherte

Salzersatz: Kaliumangereicherte Varianten könnten jährlich 2,96 Millionen Leben retten

Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 13:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine globale Modellrechnung beziffert mögliche Gesundheitsgewinne und zeigt zugleich Hürden bei Produktion und Anwendung von Kaliumsalz.
Eine Nahaufnahme von grobem Meersalz in einer kleinen Keramikschale auf einem Holztisch bei natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Eine globale Modellrechnung des George Institute for Global Health für 193 Länder verdeutlicht das erhebliche Präventionspotenzial von kaliumangereichertem Salzersatz.

Die in der Fachzeitschrift „Nature Health“ veröffentlichte Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass ein vollständiger weltweiter Umstieg von herkömmlichem Speisesalz auf kaliumangereicherte Varianten jährlich rund 2,96 Millionen Todesfälle verhindern könnte.

Zudem ließen sich dadurch jedes Jahr etwa 10,17 Millionen Neuerkrankungen an Herz-Kreislauf- und chronischen Nierenleiden abwenden. Diese Zahl von 2,96 Millionen vermeidbaren Todesfällen entspricht knapp 15 Prozent aller weltweiten jährlichen Todesfälle, die auf Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen zurückzuführen sind.

Szenarien für Haushalte, Gastronomie und Risikogruppen

Die Forscher des George Institute for Global Health analysierten unterschiedliche Umsetzungsszenarien. Würde die Umstellung ausschließlich in privaten Haushalten erfolgen, könnten demnach 1,85 Millionen Todesfälle und 6,19 Millionen Krankheitsfälle pro Jahr vermieden werden.

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Eine zusätzliche Einführung in verarbeiteten Lebensmitteln sowie in Restaurants brächte eine weitere Reduktion um 1,56 Millionen Todesfälle und 5,46 Millionen Erkrankungen. Beschränkte sich die Maßnahme dagegen rein auf Personen mit bereits ärztlich diagnostiziertem Bluthochdruck, läge die Zahl der jährlich vermeidbaren Todesfälle bei etwa 590.000.

Den größten absoluten Nutzen berechnete das Institut für bevölkerungsreiche Staaten: In China könnten jährlich über 1 Million Todesfälle verhindert werden, in Indien knapp 400.000 und in den USA rund 105.000. Bruce Neal vom George Institute for Global Health wies darauf hin, dass ein Austausch in Fertigprodukten mehr als 1 Million weitere Todesfälle verhindern könnte. Dies sei besonders für Regionen wie Europa und Nordamerika relevant, in denen mehr als 70 Prozent der täglichen Salzaufnahme aus industriell verarbeiteten Lebensmitteln und Restaurantgerichten stammen.

Gleichzeitig verdeutlicht die Modellrechnung des Instituts, dass für eine flächendeckende Umsetzung die globale Produktion von Kaliumchlorid deutlich gesteigert werden müsste.

Klinische Belege und ernährungsphysiologische Hintergründe

Die Modellierung stützt sich auf vorangegangene Interventionsstudien. So zeigte eine chinesische Untersuchung des George Institute for Global Health, dass ein Salzersatz aus 75 Prozent Natriumchlorid und 25 Prozent Kaliumchlorid das Schlaganfallrisiko um 14 Prozent sowie die kardiovaskuläre Sterblichkeit um 12 Prozent senkte.

Eine weitere Untersuchung des Instituts in Peru verzeichnete eine Halbierung neuer Hypertoniefälle innerhalb von drei Jahren. Daniel W. Jones von der University of Mississippi erklärte, dass kaliumangereicherte Substitute den Blutdruck um 5 bis 8 mm Hg senken können, und verwies auf eine Studie aus dem Jahr 2021, die Rückgänge bei Schlaganfällen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der Gesamtmortalität belegt.

Allerdings mahnen Fachleute zur Differenzierung: Sowohl das George Institute for Global Health als auch Jones betonen das Risiko einer Hyperkaliämie bei Patienten mit fortgeschrittener chronischer Nierenerkrankung oder bei Einnahme bestimmter Medikamente, weshalb in diesen Fällen eine ärztliche Rücksprache erforderlich ist.

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Globale Initiativen und regulatorische Rahmenbedingungen

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt bereits seit 2025 den Einsatz von kaliumangereichertem Salzersatz. Weltweit leiden schätzungsweise 1,4 Milliarden Menschen an Bluthochdruck, was rund jedem dritten Erwachsenen im Alter zwischen 30 und 79 Jahren entspricht.

Im Jahr 2023 forderten Herz-Kreislauf-Erkrankungen weltweit 19,2 Millionen Menschenleben. Laut dem aktualisierten SHAKE-Paket der WHO liegt die globale Natriumaufnahme mehr als doppelt so hoch wie der empfohlene Höchstwert von 2.000 Milligramm Natrium pro Tag, was rund 5 Gramm Salz entspricht.

Übermäßiger Salzkonsum trug 2023 zu schätzungsweise 1,7 Millionen Todesfällen bei. Das Ziel der WHO sieht eine Reduktion der weltweiten Natriumaufnahme um 30 Prozent bis 2030 vor, bislang leben jedoch nur 28 Prozent der Weltbevölkerung in Ländern mit verpflichtenden Regulierungsmaßnahmen.

Auch regulatorische Schritte werden international eingeleitet: Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) veröffentlichte eine Richtlinie, nach der Kaliumchlorid herkömmliches Salz in standardisierten Lebensmitteln ersetzen darf, darunter Backwaren, Salatdressings und Cheddar.

Die Regelung, die ab dem 14. Dezember 2026 wirksam wird, betrifft 139 von über 250 Rezepturstandards. Sie sieht keine Reformulierungspflicht vor und verlangt die Nennung von Kaliumchlorid im Zutatenverzeichnis.

Mehr zum Thema bei Frankfurter Rundschau: „Kaliumsalz statt Kochsalz könnte jährlich Millionen Leben retten“

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