Schizophrenie, Darmflora

Schizophrenie und Darmflora: Mikrobiom löst bei Mäusen Hirnentzündung aus

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 07:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Mikrobiota von Betroffenen veränderte im Mausmodell Darmbarriere, Immunwerte und Verhalten; Hirngewebeanalysen zeigten ähnliche Entzündungsmerkmale.

Schizophrenie-Forschung: Darmmikrobiota löst Entzündungsreaktionen bei Mäusen aus
Eine leere Petrischale auf einem sauberen Labortisch in einer medizinischen Forschungsumgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die Wechselwirkungen zwischen dem Darmmikrobiom, dem Immunsystem und dem zentralen Nervensystem rücken zunehmend in den Mittelpunkt der neurologischen und psychiatrischen Forschung. Aktuelle Untersuchungen an Tiermodellen zeigen, dass die Übertragung von Darmmikrobiota von Schizophrenie-Patienten auf Mäuse entzündliche Prozesse im Gehirn auslösen kann.

Weltweit ist etwa ein von 100 Menschen von Schizophrenie betroffen. Die neuen Befunde liefern weitere Hinweise darauf, wie Veränderungen der Darmflora über die sogenannte Darm-Hirn-Achse zu neuroinflammatorischen Prozessen und Verhaltensänderungen beitragen können.

Darmbarriere und Immunverschiebung im Modellversuch

In experimentellen Reihen führte die Besiedlung von Mäusen mit Mikrobiota von Schizophrenie-Betroffenen zu einer ilealen Dysbiose und einer Beeinträchtigung der Darmbarriere. In der Folge ließen sich signifikante systemische Immunreaktionen nachweisen: Die Werte der Zytokine Interleukin-17 sowie Interferon-gamma stiegen an. Zugleich sanken die CD4-T-Zell-Zahlen und das CD4/CD8-Verhältnis, was einem Th17/Th1-Profil entspricht.

Diese entzündlichen Signale blieben nicht auf den Verdauungstrakt beschränkt. Im präfrontalen Cortex der Tiere wurde eine Aktivierung der Mikroglia festgestellt, begleitet von Defiziten bei synaptischen Proteinen. Auf der Verhaltensebene zeigten die Tiere Auffälligkeiten wie Hyperaktivität, ein beeinträchtigtes Arbeitsgedächtnis sowie eine reduzierte soziale Interaktion.

Untersuchungen an menschlichem Post-mortem-Hirngewebe von Schizophrenie-Patienten stützen diese Beobachtungen: Auch dort ließen sich eine Aktivierung der Mikroglia sowie erhöhte Zytokinspiegel im präfrontalen Cortex nachweisen.

Biologische Parallelen bei psychiatrischen Erkrankungen

Die Rolle von Entzündungsprozessen und Immunzellen im Gehirn wird auch über einzelne Krankheitsbilder hinaus erforscht. Eine systematische Übersichtsarbeit der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Magdeburg legt nahe, dass Depression, Schizophrenie und bipolare Störungen biologisch enger verwandt sein könnten als bisherige diagnostische Kategorien vermuten lassen. Die Autoren heben dabei die Funktion der Mikroglia und des Kynurenin-Stoffwechselwegs beim Abbau von Tryptophan hervor.

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Während bei Depressionen konsistent eine erhöhte Immunaktivität in Hirnregionen für emotionale Prozesse und Stressverarbeitung dokumentiert ist, weisen Gewebe- und Flüssigkeitsanalysen bei Schizophrenie auf eine funktionelle Verschiebung im Kynurenin-Stoffwechsel hin. Bei bipolaren Störungen deuten vorliegende Daten insbesondere bei Untergruppen mit psychotischen Symptomen auf stärkere biologische Veränderungen hin.

Ansätze zur Regulierung aktivierter Mikroglia

Da fehlgesteuerte Mikroglia-Aktivierungen bei zahlreichen neurologischen Störungen eine Schlüsselrolle einnehmen, werden neue therapeutische Wege zur Dämpfung lokaler Entzündungen erprobt.

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Eine im Fachjournal Materials Today Bio veröffentlichte Arbeit beschreibt etwa den Einsatz von Liposomen mit speziellem Zielpeptid, um den Wirkstoff AT-RvD1 gezielt an aktivierte Mikroglia heranzuführen. Im Tiermodell führte die Intervention zu einer Linderung von Überempfindlichkeiten und senkte die Botenstoffe IL-6, IL-1? und TNF im Rückenmark.

Die Gesamtheit der Befunde unterstreicht, dass Entzündungssignale aus der Peripherie und lokale Immunreaktionen im Nervengewebe eng verknüpft sind. Ein besseres Verständnis dieser Signalwege könnte künftig neue Anknüpfungspunkte für gezielte Interventionen eröffnen.

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