Schlaf-Biomarker: Speichel verrÀt Schlafmangel prÀzise
13.06.2026 - 07:10:57 | boerse-global.de
Laut einem Bericht des Robert Koch-Instituts vom 3. Juni leiden 32 Prozent der Bevölkerung unter Durchschlafproblemen, 16 Prozent haben Schwierigkeiten beim Einschlafen. 13 Prozent der Befragten sind von beiden Problemen gleichzeitig betroffen. Frauen klagen hĂ€ufiger ĂŒber schlechten Schlaf als MĂ€nner.
Atemtechniken gegen schlaflose NĂ€chte
Im Kampf gegen Schlafstörungen setzen Ărzte zunehmend auf alternative Methoden. Besonders vielversprechend: spezielle Atemtechniken, die den Vagusnerv stimulieren.
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Die Physiotherapeutin Friederike Reumann erklĂ€rte kĂŒrzlich, dass eine verlĂ€ngerte Ausatmung den Parasympathikus aktiviert â ein natĂŒrlicher Regulationsmechanismus des Körpers.
Die sogenannte 4-7-8-Methode gilt als besonders effektiv: Vier Sekunden einatmen, sieben Sekunden anhalten, acht Sekunden krĂ€ftig ausatmen. Experten empfehlen, diesen Zyklus viermal zu wiederholen. FĂŒr Einsteiger eignen sich einfachere Methoden wie die bewusste Atemwahrnehmung oder die Ujjayi-Atmung, die durch eine Verengung der Stimmritze ein beruhigendes Meeresrauschen erzeugt.
Wenn die Atmung zum Problem wird
Bei Asthma-Patienten kommen Buteyko-AtemĂŒbungen zum Einsatz. Ziel ist es, das Atemvolumen zu reduzieren und die Ausatmung zu verlĂ€ngern. Als Fortschrittsmesser dient die Kontrollpause â die Zeit, die man nach dem Ausatmen die Luft anhalten kann. Klinische Studien zeigen eine Verbesserung der LebensqualitĂ€t und weniger Bedarfsmedikation. Der Zielwert liegt bei 40 bis 50 Sekunden.
Zungenschrittmacher als letzte Hoffnung
Bei schweren Störungen wie obstruktiver Schlafapnoe helfen Atemtechniken allein nicht mehr. In Schleswig-Holstein stiegen die Diagnosen fĂŒr Schlafstörungen 2024 um 67 Prozent auf rund 219.000 FĂ€lle. Hauptursache: Ăbergewicht.
Ein innovativer Ansatz ist der Zungenschrittmacher. Einem aktuellen Bericht zufolge wurde einer Patientin ein solches System implantiert. Es stimuliert wÀhrend des Schlafs den Zungennerv und hÀlt die Atemwege frei. Die Folge: deutliche Verbesserung der LebensqualitÀt und weniger chronische Erschöpfung.
Biomarker verraten Schlafmangel
Die Forschung sucht nach objektiven Methoden, Schlafmangel nachzuweisen. Forscher der UniversitĂ€t ZĂŒrich identifizierten in einer Studie vom 12. Juni erstmals Biomarker im Speichel, die Schlafentzug prĂ€zise anzeigen. Bei Tests mit 20 gesunden MĂ€nnern stellten sie fest: Rund 10 Prozent der BiomolekĂŒle im Speichel verĂ€ndern sich durch Schlafmangel. Die Erkenntnisse sollen zur Entwicklung von Schnelltests fĂŒr sicherheitsrelevante Berufe und zur Unfallrekonstruktion im StraĂenverkehr beitragen.
Sieben bis acht Stunden Schlaf schĂŒtzen die Psyche
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Eine chinesische Studie mit ĂŒber 12.000 Teilnehmern ĂŒber 65 Jahren liefert weitere Erkenntnisse. Die am 12. Juni im Fachjournal âFrontiers in Psychiatryâ veröffentlichte Arbeit zeigt: Das Risiko fĂŒr depressive Symptome sinkt signifikant mit der Schlafdauer. Bei sieben bis acht Stunden Schlaf verringerte sich das Risiko um 60 Prozent im Vergleich zu kĂŒrzeren Schlafzeiten.
Lange Wartezeiten im Schlaflabor
Bei Symptomen wie ausgeprĂ€gter TagesmĂŒdigkeit, Sekundenschlaf oder starkem Schnarchen raten Mediziner zur klinischen AbklĂ€rung. Der Schlafmediziner Dr. Michael Saletu empfiehlt bei Verdacht auf Schlafapnoe zunĂ€chst eine Polygrafie â ein mobiles TestgerĂ€t fĂŒr zu Hause. Ein stationĂ€rer Aufenthalt im Schlaflabor bleibt komplexen FĂ€llen wie Schlafwandeln oder nĂ€chtlichen AnfĂ€llen vorbehalten. Die Versorgungslage ist angespannt: Patienten warten derzeit mehrere Monate bis zu einem Jahr.
