Schlaganfall-Reha, DAPS

Schlaganfall-Reha: DAPS misst Fortschritte zu Hause mit 52 bis 58 Prozent weniger Fehler

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 20:35 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Handgelenksensor verringerte den Messfehler gegenüber Kliniktests um 52 bis 58 Prozent; ein Praxiseinsatz liegt noch Jahre entfernt.
Ein minimalistischer Raum für Physiotherapie mit einer leeren Behandlungsliege und einem Barren in natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Ein am Handgelenk getragener Beschleunigungssensor kann die Fortschritte von Patienten bei der Schlaganfall-Rehabilitation im häuslichen Umfeld genauer erfassen als etablierte klinische Standarduntersuchungen. Das System namens DAPS (Digital Arm Performance Scale) erreichte im Alltag der Betroffenen einen um 52 bis 58 Prozent niedrigeren Messfehler als herkömmliche Tests in der Klinik.

Die zugrundeliegende Untersuchung wurde am 30. September 2026 in der Fachzeitschrift Science Translational Medicine veröffentlicht und durch die National Institutes of Health (NIH) finanziert.

Deutlich reduzierter Messfehler im häuslichen Umfeld

Die wissenschaftliche Datenbasis des Systems umfasst rund 23.000 Stunden an Handgelenksaufzeichnungen von insgesamt 215 Personen. Die Kohorte setzte sich aus 61 Schlaganfallpatienten zusammen, deren Akutereignis weniger als sechs Monate zurücklag, 79 Patienten mit einem mehr als sechs Monate zurückliegenden Ereignis sowie 75 gesunden Kontrollpersonen.

DAPS erkannte motorische Verbesserungen auf einem mit klinischen Tests vergleichbaren Niveau. Zudem gelang es dem System, gesunde Personen zuverlässig von Schlaganfallpatienten zu unterscheiden. Selbst solche Patienten, die in herkömmlichen klinischen Tests die maximal erreichbare Punktzahl erzielten, grenzte der Sensor messbar von gesunden Teilnehmern ab.

Studienleiter Sunghoon Ivan Lee von der University of Massachusetts Amherst (UMass Amherst), der das Projekt gemeinsam mit Ryan Wang leitete, ordnete den digitalen Biomarker als fast doppelt so präzise wie den gegenwärtigen klinischen Standard ein.

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Potenzial für klinische Studien und Medikamententests

Die höhere Messgenauigkeit könnte künftig den Aufwand für wissenschaftliche Untersuchungen im Bereich der Schlaganfallforschung erheblich verringern. In einer Simulationsanalyse zweier früherer Studien sank die für statistisch aussagekräftige Ergebnisse erforderliche Teilnehmerzahl pro Gruppe bei einer statistischen Power von 80 Prozent von 8 auf 3 beziehungsweise von 26 auf 7 Personen. Den Autoren zufolge könnte der Einsatz von DAPS den Probandenbedarf in künftigen Studien um über 60 Prozent reduzieren.

Einschränkungen und offene Hürden bis zur Praxisreife

Trotz der gemessenen Präzision weisen die Daten auch methodische Limitationen auf. So zeigte die Gruppe der Langzeitpatienten während der Erfassung kaum noch messbare Veränderungen.

Die gesunden Probanden der Kontrollgruppe waren im Durchschnitt jünger als die Patienten und wurden selbst keinen klinischen Tests unterzogen. Zudem beruhen die Messungen jeweils nur auf einem einzelnen Tag pro Erhebungszeitpunkt und greifen ausschließlich auf die Daten eines Beschleunigungssensors zurück.

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Aktuell liegt kein wissenschaftlicher Nachweis vor, dass der Einsatz von DAPS die Therapieergebnisse der Betroffenen unmittelbar verbessert. Das System besitzt keine Zulassung als Medizinprodukt, erfasst ausschließlich die Motorik der oberen Extremität, und der zugrundeliegende Algorithmus bleibt von den jeweiligen Trainingsdaten abhängig.

Die Verwertung der Technologie wird derzeit vorangetrieben: Die Kommerzialisierung erfolgt über das Startup Lumid Health, wofür ein Patent angemeldet wurde. Die Studienautoren Ryan Wang und Sunghoon Ivan Lee sind als Erfinder in der Patentanmeldung benannt.

Die Universität berichtet über die laufenden Schritte zur wirtschaftlichen Nutzung; bis zu einem tatsächlichen Einsatz in der regulären klinischen Praxis dürften nach derzeitigem Stand jedoch noch Jahre vergehen.

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