Schlaganfall, Risiken

Schlaganfall: Zehn beeinflussbare Risiken hÀngen mit 90 Prozent der FÀlle zusammen

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 18:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Neurologische Leiden verursachen jĂ€hrlich 64,86 Milliarden Euro Kosten; die DGN drĂ€ngt auf stĂ€rkere Vorbeugung und FrĂŒherkennung.
Ein minimalistischer, heller Untersuchungsraum mit weichem Tageslicht, das durch ein Fenster fÀllt. Illustration mit AI erstellt.

Neurologische Erkrankungen stellen das Gesundheitssystem vor immense Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund fordert die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Neurologie (DGN) anlĂ€sslich der Neurowoche 2026, der PrĂ€vention von Schlaganfall, Demenz und Parkinson einen deutlich höheren Stellenwert einzurĂ€umen.

Nach Angaben der DGN ist inzwischen jeder zweite Mensch im Laufe seines Lebens von einer neurologischen Krankheit betroffen. Mit jÀhrlich 64,86 Mrd. Euro verursachen diese Leiden in Deutschland zudem die höchsten Krankheitskosten aller Krankheitsgruppen.

Gleichzeitig offenbart der internationale Vergleich deutliche Defizite: Im Public Health Index belegt Deutschland unter 18 untersuchten Staaten Nord- und Zentraleuropas lediglich Rang 17.

Beeinflussbare Risiken und die Last der Folgeerkrankungen

Dabei besteht ein erhebliches Vermeidungspotenzial. Wie die DGN unter Verweis auf die INTERSTROKE-Studie mit rund 27.000 Teilnehmenden aus 32 LĂ€ndern hervorhebt, sind zehn beeinflussbare Risikofaktoren mit etwa 90 % des bevölkerungsbezogenen Schlaganfallrisikos assoziiert. Trotz dieser Erkenntnisse bleibt die RĂŒckfallrate hoch.

Eine Analyse deutscher Krankenkassendaten belegt, dass 7,4 % der Betroffenen innerhalb eines Jahres einen weiteren Schlaganfall erleiden; innerhalb von fĂŒnf Jahren liegt dieser Anteil bei 19,4 %. Nach Erhebungen der Deutschen Schlaganfallbegleitung (DSB) ereignen sich hierzulande jedes Jahr 200.000 erstmalige und 70.000 wiederholte SchlaganfĂ€lle.

Ein zentraler Ansatzpunkt liegt in der FrĂŒherkennung. Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) ruft anlĂ€sslich des WeltmĂ€nnertags insbesondere MĂ€nner in der Lebensmitte dazu auf, ihren Blutdruck regelmĂ€ĂŸig zu kontrollieren, da Hypertonie der wichtigste beeinflussbare Risikofaktor sei.

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FĂŒr eine zuverlĂ€ssige Selbstmessung rĂ€t die Fachgesellschaft zu einem geprĂŒften OberarmgerĂ€t: Betroffene sollten nach fĂŒnf Minuten Ruhe morgens und abends je zwei Messungen durchfĂŒhren, die Werte ĂŒber sieben Tage notieren und daraus den Durchschnitt bilden. Liegt dieser ab 135/85 mmHg, sei der Gang in die Hausarztpraxis geboten.

Prof. Waltraud Pfeilschifter, erste Vorsitzende der DSG und ChefĂ€rztin fĂŒr Neurologie am StĂ€dtischen Klinikum LĂŒneburg, hob hervor, dass bereits 2,5 Stunden Sport pro Woche den Blutdruck deutlich senken können, andernfalls kĂ€men meist Medikamente zum Einsatz.

Forschungsschwerpunkte und medikamentöse Therapien

Auf dem 99. DGN-Kongress, der ab dem 4. November 2026 im Rahmen der Neurowoche 2026 in Berlin stattfindet, widmet sich die Fachwelt unter dem Motto „VaskulĂ€re Neurologie – Innovation, PrĂ€zision, PrĂ€vention“ neuen Behandlungs- und Vorbeugungsstrategien.

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Zu den Schwerpunkten zÀhlen neben der mechanischen Thrombektomie, modernen Bildgebungsverfahren, Neurointerventionen und immunologischen Folgen auch zerebrale Small-Vessel-Erkrankungen als wesentliche Ursache von Demenzen.

Um die klinische Forschung zu stĂ€rken und eine große prospektive Kohorte aufzubauen, wurde zudem das Fachnetzwerk Schlaganfall (SN Stroke) innerhalb des Netzwerks UniversitĂ€tsmedizin (NUM) etabliert.

Besondere Aufmerksamkeit gilt weiterhin dem Vorhofflimmern, das zu den bedeutendsten Auslösern ischÀmischer SchlaganfÀlle gehört. Bereits eine randomisierte Studie aus dem Jahr 1993 wies nach, dass eine orale Antikoagulation die jÀhrliche Rate von 12 % auf 4 % senken kann, was einer relativen Risikoreduktion von 66 % entspricht.

Aktuell richtet sich das Augenmerk auf Hemmstoffe der Gerinnungsfaktoren XI und XII. FĂŒr Faktor XI liegen laut DGN bereits Daten großer klinischer Studien vor, wĂ€hrend weitere Untersuchungen laufen.

Begrenzte Rolle von NahrungsergÀnzungsmitteln

ZurĂŒckhaltend bewerten Fachgremien hingegen den Nutzen von VitaminprĂ€paraten. Die AWMF-Leitlinien sprechen sich gegen eine routinemĂ€ĂŸige Supplementierung aus; sinnvoll sei eine gezielte Gabe lediglich bei nachgewiesenem Mangel an FolsĂ€ure oder Vitamin B12. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2018, die 18 hochwertige Arbeiten aus dem Zeitraum 1970 bis 2016 mit mehr als zwei Millionen Teilnehmenden untersuchte, zeigte keine Senkung des Sterberisikos durch Vitamin- oder MineralstoffprĂ€parate.

Ein Umbrella Review aus dem Jahr 2019 an 13 Studien fand lediglich eine schwache Assoziation zwischen FolsÀure und einem geringeren Risiko, wies jedoch darauf hin, dass Kombinationen aus Calcium und Vitamin D das Risiko leicht erhöhen könnten.

WĂ€hrend eine Meta-Analyse von 2012 bei GefĂ€ĂŸpatienten durch B-Vitamine noch eine Risikosenkung um 12 % feststellte, differenzierte eine Netzwerk-Meta-Analyse aus dem Jahr 2015 deutlicher: Die Kombination von FolsĂ€ure mit Vitamin B6 erwies sich als effektivste Option, wĂ€hrend FolsĂ€ure zusammen mit B12 schlechter abschnitt als ein Placebo.

Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2017 an ĂŒber 82.000 Teilnehmenden ergab zwar eine Gesamtreduktion des Risikos um 11 %, ein signifikanter Vorteil zeigte sich jedoch primĂ€r in Asien mit 22 % und bei niedrigen Dosierungen bis 0,8 mg pro Tag, wĂ€hrend in Amerika kein messbarer Nutzen nachgewiesen wurde.

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