Schmerz, Venenpunktion

Schmerz bei Venenpunktion: Lieblingsmusik senkt Werte nach 30 Sekunden

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 06:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Zürcher Untersuchung zeigt geringere Schmerzwerte durch persönliche Musik; die Klinik prüft häufigere Musikangebote bei Venenpunktionen.

Zürcher Studie: Lieblingsmusik senkt Schmerzen bei Venenpunktionen
Ein minimalistischer, heller Behandlungsraum in einer Klinik mit einem weißen Behandlungsstuhl in ruhiger Atmosphäre. Illustration mit AI erstellt.

Akustische Reize können das menschliche Schmerzempfinden bei medizinischen Eingriffen beeinflussen. Eine am 8. Oktober 2026 in der Fachzeitschrift Frontiers in Pain Research veröffentlichte Untersuchung des Universitätsklinikums Zürich und der Universität Zürich liefert differenzierte Einblicke in diesen Mechanismus.

Das Forschungsteam untersuchte, wie sich unterschiedliche Musikstücke auf das Schmerzerleben während einer routinemäßigen Venenpunktion zur Kontrastmittelgabe auswirken. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass insbesondere individuell ausgewählte Lieblingslieder das Schmerzniveau senken können, während generische Entspannungsmusik wirkungslos blieb.

Vergleich verschiedener Musikstile im klinischen Test

An der Untersuchung nahmen 204 ambulante Patientinnen und Patienten im Alter von 17 bis 83 Jahren teil, die vor einer nicht-notfallmäßigen Magnetresonanztomografie des Gehirns, der Wirbelsäule oder des Kopf-Hals-Bereichs standen.

Zur Vorbereitung der Kontrastmittelgabe erhielten die Teilnehmenden eine intravenöse Kanüle. Sie wurden auf vier Gruppen aufgeteilt: Eine Gruppe hörte während des Eingriffs keine Musik, eine zweite ihren persönlichen Lieblingssong, eine dritte den langsamen, monotonen Entspannungstrack „Source of the I Am“ und eine vierte Gruppe die Mozartsonate KV 448 in einer Aufnahme von Brendel und Klien. Das Spektrum der ausgewählten Lieblingsstücke reichte dabei von Adele und Michael Jackson bis hin zu Rockbands wie AC/DC und Tool.

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Die Schmerzintensität wurde auf einer Skala von 0 bis 10 vor der Punktion, unmittelbar danach sowie nach 30 Sekunden und nach 2 Minuten erfasst. Während sich direkt beim Einstich kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen zeigte, wies die Gruppe mit der individuellen Musikauswahl nach 30 Sekunden und nach 2 Minuten messbar geringere Schmerzwerte auf als die Kontrollgruppe in Stille.

Die standardisierte Entspannungsmusik zeigte hingegen keinen Unterschied im Vergleich zur Gruppe ohne Musik. Bei der Mozartsonate beobachteten die Forschenden insgesamt lediglich eine schwache Tendenz nach 2 Minuten.

Differenzierte Effekte bei vorbestehenden Beschwerden

Besondere Effekte traten bei einer Teilgruppe von 71 Patientinnen und Patienten zutage, die bereits seit mindestens zwei Tagen vor dem Einstich unter Schmerzen litten. In dieser Gruppe bewirkte das Hören der eigenen Lieblingsmusik bei allen Messungen niedrigere Schmerzwerte, einschließlich der Erfassung direkt nach der Punktion.

Bei der klassischen Musik zeigte sich ein spezifisches Bild: Die Mozartsonate entfaltete nur bei den 71 Personen mit vorbestehenden Beschwerden eine signifikante Wirkung und führte nach 2 Minuten zu niedrigeren Schmerzwerten im Vergleich zur Kontrollgruppe.

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Hauptautor Andrei Cristinel Dragnea und Seniorautorin Meritxell Garcia Alzamora hielten fest, dass von den ver Versuchsbedingungen ausschließlich die Lieblingsmusik und das Stück von Mozart einen positiven Effekt verzeichneten.

Methodische Einschränkungen und praktischer Nutzen

Das Forschungsteam ordnet die Untersuchung als explorativ ein und verweist auf mehrere methodische Limitationen. Die Zuteilung der Patientinnen und Patienten erfolgte über eine feste Rotation nach der Reihenfolge der Termine und nicht über eine vollständige Zufallsverteilung.

Zudem handelte es sich um vergleichsweise kleine Fallzahlen – der erfasste Effekt bei Mozart basierte auf lediglich 15 Hörerinnen und Hörern innerhalb der Gruppe mit Vorbelastung. Ferner erfasste die Studie lediglich einen kurzen, leichten Einstichschmerz, und der zuständige Laborant erhob die Schmerzwerte selbst.

Trotz des Bedarfs an weiteren Bestätigungsstudien zieht das Universitätsspital praktische Konsequenzen in Betracht. Die Klinik erwägt, Musikangebote bei Venenpunktionen in der Radiologie künftig häufiger bereitzustellen. Ein solches Vorgehen könnte insbesondere für ängstliche oder klaustrophobische Patientinnen und Patienten eine risikoarme Unterstützung im Behandlungsalltag darstellen.

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de | wissenschaft | 70295768 |