Schmerzmittel: Fast 60 Prozent der Sportler greifen beim Sport zu Tabletten
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 14:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deAnlĂ€sslich des Welttages des Schmerzes warnen medizinische Experten vor gravierenden Gefahren bei der unkontrollierten Einnahme von Schmerzmitteln. Neben der Gefahr einer MedikamentenabhĂ€ngigkeit bergen insbesondere Mehrfacheinnahmen erhebliche Risiken fĂŒr lebensbedrohliche Wechselwirkungen sowie dauerhafte SchĂ€den an Leber, Nieren und Herz-Kreislauf-System.
Risiken fĂŒr Nieren und Magen-Darm-Trakt
Ein zentraler Risikofaktor ist der unsachgemĂ€Ăe Gebrauch nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR). Ein Nephrologe warnt, dass langfristiger NSAR-Missbrauch die Prostaglandinsynthese hemmt und die Durchblutung der Nieren drosselt. Dies könne ein akutes Nierenversagen und eine dauerhafte Dialysepflicht zur Folge haben; so benötigte ein Mann Anfang 40 infolge des Fehlgebrauchs eine lebenslange Dialyse.
Auch ĂŒber die Haut aufgetragene Schmerzpflaster und Gele mit NSAR schĂ€digen bei groĂflĂ€chiger oder langfristiger Anwendung das Organ. Bei vorliegender Niereninsuffizienz empfiehlt der Facharzt stattdessen Paracetamol mit einer maximalen Tagesdosis von 4000 mg fĂŒr Erwachsene. Zu den besonderen Risikogruppen zĂ€hlen Senioren sowie Menschen mit chronischer Nierenerkrankung, Diabetes, Bluthochdruck oder Dehydrierung.
DarĂŒber hinaus schĂ€digt eine NSAR-Ăberdosierung den Magen-Darm-Trakt, die Leber und das Herz-Kreislauf-System. PrĂ€parate wie Ibuprofen oder Diclofenac sollten maximal sieben Tage lang und in zwei bis drei Einzeldosen tĂ€glich eingenommen werden.
GefĂ€hrliche Warnsignale sind schwarzer Stuhl, eine sinkende Urinmenge oder anhaltende Ăbelkeit, die ein sofortiges Absetzen der Mittel und einen Arztbesuch erfordern.
AcetylsalicylsĂ€ure (Aspirin) hemmt wiederum die Thrombozytenaggregation; die Kombination mit anderen NSAR verstĂ€rkt die gastrointestinale Blutungsgefahr erheblich, wĂ€hrend typische Nebenwirkungen von Sodbrennen und AufstoĂen bis zu Magenulzera reichen.
Bei Kindern und Jugendlichen mit viralen Infekten darf Aspirin wegen des Risikos eines Reye-Syndroms nicht angewendet werden. Bei einer bestehenden Lithium-Therapie dĂŒrfen NSAR zudem nicht ohne Kontrolle des Lithium-Spiegels eingesetzt werden, da Lithium zu ĂŒber 95 Prozent unverĂ€ndert renal eliminiert wird und die Clearance direkt mit der Nierenfunktion korreliert.
GefÀhrliche Wechselwirkungen und LeberschÀden
Auch Pharmazeuten mahnen zur Vorsicht bei Kombinationstherapien. Eine Pharmazeutin der UniversitÀtsklinik Chiang Mai weist darauf hin, dass Kombinations-ErkÀltungsmittel oft bereits Paracetamol enthalten.
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Eine unbedachte zusĂ€tzliche Einnahme kann zu Ăberdosierungen und schweren LeberschĂ€den fĂŒhren, wobei eine zeitversetzte Einnahme nicht zwingend vor Wechselwirkungen schĂŒtzt. Generell erhöht eine Ăberdosis von Paracetamol ab 4 g tĂ€glich das Lebernekrose-Risiko; bei gleichzeitigem Alkoholkonsum liegt die Höchstgrenze bei tĂ€glich maximal 2 g.
Zudem verstĂ€rkt die Kombination von NSAR mit BlutverdĂŒnnern wie Warfarin das Blutungsrisiko, was ebenso fĂŒr die gleichzeitige Einnahme von AcetylsalicylsĂ€ure mit Warfarin oder Clopidogrel gilt.
Auch Wechselwirkungen mit Nahrungsmitteln bergen Risiken: Milch hemmt die Aufnahme bestimmter Antibiotika, Koffein in Verbindung mit Asthmamitteln kann Herzrasen und Bluthochdruck verursachen, und Alkohol erhöht in Kombination mit Schlafmitteln oder Paracetamol die gesundheitlichen Gefahren. NahrungsergÀnzungsmittel wie Fischöl, Ginkgo oder Knoblauch steigern zusammen mit Warfarin oder Aspirin ebenfalls das Blutungsrisiko.
Herz-Kreislauf-Belastung und Blutdruck
Erhebliche Auswirkungen zeigen Schmerzmittel zudem auf das Herz-Kreislauf-System. Das Portal Herzmedizin berichtet ĂŒber eine 100-prozentige Risikozunahme fĂŒr einen Herzinfarkt bei regelmĂ€Ăiger Einnahme von Ibuprofen ĂŒber einen Zeitraum von einem bis sieben Tagen.
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Bei unbehandeltem Bluthochdruck sowie schwerer HerzschwĂ€che ist der Wirkstoff kontraindiziert. Auch die Hochdruckliga verweist auf Untersuchungen, wonach Paracetamol bei Bluthochdruck-Patienten zu einer Blutdrucksteigerung fĂŒhren kann.
Dass unterschiedliche Wirkstoffe differenzierte Effekte zeigen, belegt eine Studie des UniversitĂ€tsspitals ZĂŒrich aus dem Jahr 2017 an 444 Patienten mit Arthrose oder rheumatoider Arthritis, die zugleich an einer HerzkranzgefĂ€Ă-Erkrankung litten oder entsprechende Risikofaktoren aufwiesen.
Die tĂ€gliche Gabe von zweimal 100 bis 200 mg Celecoxib senkte den Blutdruck nach vier Monaten um 0,3 mmHg. Dagegen fĂŒhrte Ibuprofen bei einer Dosierung von dreimal 600 bis 800 mg tĂ€glich zu einem Blutdruckanstieg von 3,7 mmHg, wĂ€hrend Naproxen bei zweimal 375 bis 500 mg tĂ€glich den Blutdruck um 1,6 mmHg erhöhte.
MedikamentenabhÀngigkeit und leichtfertiger Konsum
Ein weiteres Risiko stellt das Potenzial zur MedikamentenabhÀngigkeit dar. Behördenangaben zufolge besteht diese Gefahr keineswegs nur bei starken Opioiden wie Morphin, Pethidin, Oxycodon oder Fentanyl, sondern auch bei frei verkÀuflichen PrÀparaten.
Dazu zÀhlen codeinhaltige Kombinationen wie Paracetamol oder Ibuprofen mit Codein, Schmerztabletten mit Phenobarbital und Koffein sowie Substanzen wie Tramadol, Pregabalin und Gabapentin. Typische Warnzeichen sind Toleranzentwicklung, Entzugssymptome und psychische AbhÀngigkeit. Werden mehrere Schmerzmittel kombiniert, steigt zudem die Gefahr von Atemdepressionen.
Klassische NSAR wie Ibuprofen, Diclofenac, Celecoxib oder Etoricoxib sowie Paracetamol enthalten zwar keine suchtauslösenden Stoffe, können bei einer Langzeitanwendung jedoch Dosissteigerungen erfordern.
Langfristiger Missbrauch fĂŒhrt neben OrganlĂ€sionen mitunter zu AngstzustĂ€nden und Depressionen; nichtsteroidale Schmerzmittel eignen sich daher ausschlieĂlich zur Akutbehandlung und nicht zur Vorbeugung. Dennoch ist der unbedarfte Konsum weit verbreitet: Fast 60 Prozent der Sportler greifen beim Sport zu Schmerzmitteln, und jeder Sechste nimmt die PrĂ€parate sogar ganz ohne Beschwerden ein.
