Schmerzmittel, Nieren

Schmerzmittel und Nieren: 64,7 Prozent der Betroffenen hatten NSAR genommen

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 14:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien belegen den Herz-Kreislauf-Nutzen der Blutdrucksenkung; NSAR können NierenschĂ€den begĂŒnstigen, besonders bei Dehydratation.
Ein minimalistischer, heller Behandlungsraum in einer medizinischen Praxis mit natĂŒrlichem Tageslicht ohne Personen. Illustration mit AI erstellt.

Medizinische Fachkreise treten verbreiteten Fehlannahmen ĂŒber angebliche NierenschĂ€den durch notwendige medikamentöse Langzeittherapien entgegen. Gleichzeitig mahnen Fachgesellschaften und aktuelle Untersuchungen zur konsequenten Beachtung von Warnsignalen sowie zu einer vorsichtigen Handhabung bestimmter Schmerzmittel, um kardiovaskulĂ€re und renale FolgeschĂ€den zu verhindern.

Blutdrucksenkung senkt kardiovaskulÀre Risiken

Laut medizinischen Leitlinien verdoppelt bereits ein Anstieg des systolischen Blutdrucks um 20 mmHg oder des diastolischen Wertes um 10 mmHg das Risiko fĂŒr einen kardiovaskulĂ€ren Tod. Bei einem unbehandelten Blutdruck von ĂŒber 160/100 mmHg steigt die Wahrscheinlichkeit fĂŒr schwere Ereignisse wie Hirnblutungen, Aortendissektionen und akute Herzinsuffizienz deutlich an.

Patienten mit kontrollierten Werten um 130/80 mmHg weisen hingegen ein um etwa 50 Prozent geringeres Risiko fĂŒr kardiovaskulĂ€re Ereignisse auf als Personen mit unzureichender Einstellung.

Diesen Nutzen untermauert eine am 7. Oktober 2026 in der Fachzeitschrift JAMA Cardiology veröffentlichte Metaanalyse von 27 randomisierten klinischen Studien mit 88.830 Teilnehmern. Demnach fĂŒhrte jede Verringerung des systolischen Drucks um 10 mmHg zu einem um rund 15 Prozent niedrigeren relativen Risiko fĂŒr schwerwiegende kardiovaskulĂ€re Ereignisse.

Bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung entsprach dies etwa vier schwerwiegenden Ereignissen weniger pro 1.000 Patienten und Jahr, ohne dass ein signifikanter Unterschied beim Risiko fĂŒr ein Nierenversagen auftrat.

Zwar kam es unter intensiverer Drucksenkung hĂ€ufiger zu einem vorĂŒbergehenden RĂŒckgang der geschĂ€tzten glomerulĂ€ren Filtrationsrate (eGFR), dies bedeutet jedoch nicht zwangslĂ€ufig eine dauerhafte SchĂ€digung. Erforderlich seien hierbei engmaschige Kontrollen von Blutdruck, Kreatinin, eGFR und Elektrolyten wie Kalium.

Bei hypertensiven Krisen mit Blutdruckwerten von ĂŒber 180/110 mmHg und Begleitsymptomen wird eine sofortige Alarmierung des Notrufs angeraten. Zur PrĂ€vention gelten ein Salzkonsum von maximal 5 Gramm pro Tag – ein Esslöffel Sojasauce mit etwa 10 Millilitern enthĂ€lt bereits fast 2 Gramm Salz –, eine Begrenzung der Alkoholzufuhr auf maximal 25 Gramm bei MĂ€nnern und 15 Gramm bei Frauen sowie mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche und sieben bis acht Stunden Schlaf als Richtwerte.

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Mythen zur Nierengesundheit und Gefahren durch Schmerzmittel

Dass eine Nierenerkrankung zwangslĂ€ufig in die Dialysepflicht fĂŒhre, trifft laut Yao Yanhong nicht zu. WĂ€hrend sich akute NierenschĂ€den nach einer gezielten Behandlung wieder erholen können, sind chronische SchĂ€digungen meist nicht vollstĂ€ndig reversibel.

Wie sensibel das Thema behandelt wird, zeigte sich unlĂ€ngst in Taiwan: Dort stufte die Gesundheitsbehörde die Werbung fĂŒr ein Probiotikum, die unter Verwendung eines Arztprofils eine angebliche Umkehr von Nierenerkrankungen versprach, als unzulĂ€ssige Heilaussage ein und leitete ein Disziplinarverfahren gegen den Mediziner ein.

TatsĂ€chliche Gefahren drohen hĂ€ufig durch den unbedachten Konsum frei verkĂ€uflicher Schmerzmittel. Die Urologin Jennifer Linehan vom Saint John’s Medical Center warnt vor der regelmĂ€ĂŸigen Einnahme von Ibuprofen ohne Ă€rztliche Absprache. Das nichtsteroidale Antirheumatikum (NSAR) verengt renale GefĂ€ĂŸe und kann ohne vorherige Warnzeichen akute oder bleibende SchĂ€den hervorrufen.

Eine Erhebung in JAMA Network Open an 200 stationÀr behandelten Personen mit Belastungsrhabdomyolyse belegt dieses Problem: 64,7 Prozent der Patienten mit akutem Nierenschaden hatten zuvor NSAR eingenommen, verglichen mit 21,9 Prozent in der Gruppe ohne entsprechende Komplikation (Irrtumswahrscheinlichkeit unter 0,1 Prozent).

Ohne diesen Risikofaktor könnte die Inzidenz akuter NierenschÀden Berechnungen zufolge um bis zu 81,3 Prozent sinken, in Kombination mit Dehydratation sogar um bis zu 92,6 Prozent.

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Das Fachjournal Mathematical Biosciences weist zudem darauf hin, dass eine Dreifachkombination aus NSAR, Diuretika und ACE-Hemmern oder Angiotensin-Rezeptor-Blockern das Risiko fĂŒr ein akute Nierenversagen um bis zu 31 Prozent steigert. Der Nephrologe Koshy Abraham fĂŒhrt neben Medikamenten auch stark verarbeitete Lebensmittel und hohe Salzmengen als erhebliche Belastungsfaktoren fĂŒr die Nieren an.

VersorgungslĂŒcken und zielgerichtete Therapien

In Polen stellen Herz-Kreislauf-Erkrankungen seit Jahren die fĂŒhrende Todesursache dar und zeichnen fĂŒr jeden zehnten Todesfall verantwortlich; etwa die HĂ€lfte der Patienten mit Herzinsuffizienz verstirbt innerhalb von fĂŒnf Jahren nach der Diagnose.

Trotz der Relevanz moderner Renin-Angiotensin-Aldosteron-System-Inhibitoren (RAASI) verringern Behandler die Dosierung bei bis zu jedem zweiten Patienten, um erhöhte Kaliumwerte abzufangen. Eine Dosisreduktion um 25 Prozent kann jedoch mit einem Sterblichkeitsrisiko einhergehen, das dem vollstÀndigen Absetzen der Behandlung nahekommt.

Dr. Marta Ka?u?na von der Polnischen Gesellschaft fĂŒr Herzinsuffizienz und Agnieszka Wo?czenko von der Organisation EcoSerce fordern daher fĂŒr kardiologische Patienten denselben Zugang zu modernen Kaliumbindern wie in der Nephrologie.

Moderne medikamentöse AnsĂ€tze kombinieren indes den Schutz von Herz und Niere: Der SGLT2-Inhibitor Dapagliflozin, ursprĂŒnglich fĂŒr Typ-2-Diabetes konzipiert, verringert laut Studien auch bei Herzinsuffizienz und chronischer Nierenerkrankung kardiovaskulĂ€re TodesfĂ€lle und Klinikaufenthalte, verlangsamt den Funktionsverlust des Organs und senkt das Dialyserisiko.

Als Nebenwirkungen treten hierbei mitunter Genitalmykosen und Harnwegsinfekte auf. Angiotensin-Rezeptor-Blocker wie Irbesartan hemmen wiederum das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System, senken den Blutdruck ĂŒber Vasodilatation und tragen bei Diabetikern mit entsprechendem Risiko zum Erhalt der Nierenfunktion bei, wobei Begleiterscheinungen wie Schwindel oder MĂŒdigkeit auftreten können.

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