Schmerzmittel, Nieren

Schmerzmittel und Nieren: Krankenhausaufnahmen steigen um 82 Prozent

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 16:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Langfristige Schmerzmitteleinnahme kann Magen, Nieren und Kreislauf belasten; Fachleute empfehlen niedrige Dosen und kurze Anwendungszeiten.
Ein minimalistisch eingerichteter, steriler medizinischer Untersuchungsraum mit weichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Bei der Behandlung von Gelenkerkrankungen wie der Osteoarthrose greifen viele Betroffene auf bewĂ€hrte Schmerzmittel zurĂŒck. Typischerweise kommen dabei Paracetamol oder nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, Naproxen und Diklofenak zum Einsatz.

Fachleute einer Apotheke des RSUD SSMA Pontianak weisen jedoch darauf hin, dass eine langfristige und unkontrollierte Einnahme von NSAR erhebliche gesundheitliche Gefahren birgt. Dazu zÀhlen Magenprobleme, Magen-Darm-Blutungen, Nierenfunktionsstörungen sowie Herz-Kreislauf-Komplikationen.

Vor allem Risikopatienten mit Vorerkrankungen der Nieren, des Herzens oder des Magen-Darm-Trakts mĂŒssen achtsam sein, wĂ€hrend Überdosierungen und eigenmĂ€chtige Wirkstoffkombinationen zwingend vermieden werden sollten.

Gefahren fĂŒr Magen, Darm und Nieren

Die unerwĂŒnschten Wirkungen nichtselektiver NSAR wie Ibuprofen, Naproxen oder Ketoprofen beruhen weitgehend auf der gleichzeitigen Hemmung der Enzyme COX-1 und COX-2. Durch diese Hemmung steigt das Risiko fĂŒr SchleimhautschĂ€den, Magenulzera und gastrointestinale Blutungen.

Warnzeichen eines Magen-Darm-Schadens sind teerartiger Stuhl, sichtbare Blutbeimengungen, kaffeesatzartiges Erbrechen sowie plötzliche Atemnot oder SchwĂ€che. GefĂ€hrdet sind laut Experten insbesondere Personen ab einem Alter von 60 Jahren, Patienten mit frĂŒheren GeschwĂŒren oder Personen, die gleichzeitig gerinnungshemmende Medikamente oder Steroide einnehmen.

Besondere Risiken bestehen zudem fĂŒr die Nierenfunktion. Der Arzt Mihail Pautov erlĂ€utert, dass die zusĂ€tzliche Gabe von NSAR zu Blutdrucksenkern wie ACE-Hemmern, Sartanen und Diuretika ein akutes Nierenversagen begĂŒnstigen kann.

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Eine Untersuchung an 487.000 Personen unter blutdrucksenkender Medikation belegt diese Gefahr: Bei gleichzeitiger Einnahme von NSAR traten Krankenhausaufnahmen infolge von Nierenversagen um 31 Prozent hÀufiger auf, in den ersten 30 Tagen der Anwendung lag der Anstieg sogar bei 82 Prozent.

Eine spanische Untersuchung an Personen mit einem Durchschnittsalter von 79 Jahren zeigte bei der Gabe von Metamizol einen vergleichbaren Zuwachs an Hospitalisierungen durch Nierenversagen, wobei Dehydrierung und ein Alter ab 75 Jahren das Risiko weiter verstÀrkten.

KardiovaskulÀre Auswirkungen und Blutdruckanstieg

Neben den Magen- und Nierenrisiken beeinflussen Schmerzmittel auch das Herz-Kreislauf-System. Emilija Trbovi? von der Serbischen Apothekerkammer betont, dass NSAR zu Blutdrucksteigerungen und kardiovaskulĂ€ren Problemen fĂŒhren können. Eine langfristige Anwendung ohne UrsachenklĂ€rung verzögere oft die notwendige Diagnostik. Selektive COX-2-Hemmer wie Celecoxib schonen zwar den Magen, erhöhen jedoch das Risiko fĂŒr Herzinfarkte und SchlaganfĂ€lle.

Auch Paracetamol ist bei dauerhafter Anwendung nicht frei von Gefahren fĂŒr den Kreislauf. In der an der University of Edinburgh durchgefĂŒhrten PATH-BP-Studie mit 110 Hypertonie-Patienten fĂŒhrte die tĂ€gliche Gabe von viermal 1 Gramm Paracetamol ĂŒber zwei Wochen zu einem statistisch signifikanten Anstieg des mittleren tĂ€glichen systolischen Blutdrucks um 4,7 mmHg sowie des diastolischen Werts um 1,6 mmHg gegenĂŒber Placebo. Die Studienautoren ordnen einen solchen Anstieg bei dauerhafter Therapie einem um etwa 20 Prozent erhöhten kardiovaskulĂ€ren Risiko zu.

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Dosierungsgrenzen und alternative Optionen

Um SchĂ€den zu vermeiden, mahnen Pharmazeuten zur Einhaltung strikter Obergrenzen. Die US-Arzneimittelbehörde FDA verweist darauf, dass Paracetamol in ĂŒber 600 rezeptfreien und verschreibungspflichtigen PrĂ€paraten enthalten ist, was die Gefahr einer unbeabsichtigten Überdosierung steigert.

Die maximale Tagesdosis fĂŒr Erwachsene liegt bei 4.000 mg aus sĂ€mtlichen Quellen. Bei chronischer Anwendung empfehlen FachbeitrĂ€ge eine Begrenzung auf höchstens 2,5 Gramm tĂ€glich, wĂ€hrend Mihail Pautov bei Ă€lteren Personen zu maximal 3 Gramm tĂ€glich rĂ€t. Eine Überdosierung kann zu schweren LeberschĂ€den fĂŒhren.

FĂŒr Ibuprofen liegt die typische Einzeldosis bei Erwachsenen bei 400 mg bis zu dreimal tĂ€glich, mit einer Höchstdosis von 1.200 mg pro Tag in der Selbstmedikation.

Zur lokalen Schmerzlinderung bei Osteoarthritis bieten topische Formulierungen wie NSAR-Gele eine Alternative: Sie wirken lokal und weisen eine geringere systemische Aufnahme sowie weniger Magen-Darm- und Herz-Kreislauf-Nebenwirkungen auf. UnabhĂ€ngig von der Darreichungsform raten Fachleute dazu, Schmerzmittel in der niedrigsten wirksamen Dosis und ĂŒber den kĂŒrzest möglichen Zeitraum anzuwenden.

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