Schottland stoppt KI-Rechenzentren: 12-Monats-Pause für Genehmigungen
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 22:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das schottische Parlament hat am 16. September 2026 beschlossen, neue Planungs- und Genehmigungsentscheidungen für Hyperscale-KI-Rechenzentren für einen Zeitraum von bis zu zwölf Monaten auszusetzen. Der vorübergehende Stopp gilt so lange, bis eine umfassende nationale Leitlinie für die Ansiedlung und den Betrieb solcher Großanlagen vorliegt.
Parlamentarischer Kompromiss statt formalem Moratorium
Die Abgeordneten in Edinburgh stimmten mit 80 zu 26 Stimmen bei 15 Enthaltungen für einen entsprechend geänderten Antrag. Ein formales Moratorium, das von Patrick Harvie im Namen der schottischen Grünen eingebracht worden war, fand im Parlament keine Mehrheit und wurde abgelehnt.
Stattdessen fand ein Änderungsantrag von Scottish Labour Zustimmung. Zudem nahm das Parlament ein Regierungsamendment von Planungsministerin Hannah Mary Goodlad mit 72 zu 32 Stimmen bei 16 Enthaltungen an.
Die daraus resultierende Regelung sieht zwar kein formelles Moratorium vor, setzt Genehmigungsentscheidungen faktisch jedoch bis zum Vorliegen der neuen Richtlinien aus. Für die abgeschwächte Beschlussvorlage stimmten die Scottish National Party (SNP), Labour und die Liberal Democrats.
Die Konservativen sowie die Partei Reform votierten dagegen, während sich die Grünen der Stimme enthielten. Wirtschaftssprecher Daniel Johnson von Scottish Labour warf der SNP-Regierung vor, die notwendigen planerischen Vorarbeiten verschleppt zu haben, und mahnte eine zügige Veröffentlichung der Leitlinien an.
Verschärfte Prüfpflichten und Zeitplan der Regierung
Bereits am Vormittag des 16. September 2026 hatte Planungsministerin Goodlad angekündigt, dass künftig jedes Rechenzentrum mit einer Leistung von über 50 Megawatt (MW) verpflichtend eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchlaufen muss. Bei Vorhaben unterhalb dieser Schwelle ist eine Einzelfallprüfung vorgesehen.
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Die schottische Regierung setzte diese Vorgaben unmittelbar in Kraft. Zudem gilt seit dem 17. August 2026 eine Vorgabe an die Planungsbehörden, die Minister binnen sieben Tagen über jeden Neuantrag mit mehr als 50 MW Leistung zu informieren.
Minister Tom Arthur erklärte im Zuge der Parlamentsdebatte, dass gegenwärtig keine unmittelbaren Entscheidungen über anstehende Anträge zu erwarten seien. Bis Ende 2026 will die schottische Regierung neue Prüfmechanismen für Hyperscale-Anlagen etablieren. Zudem sagte die Regierung zu, bis Weihnachten erste neue Leitlinien vorzulegen, gefolgt von einem Bericht bis Ende 2026 und der finalen Veröffentlichung innerhalb von zwölf Monaten.
Wachsende Projektpipeline schürt Sorgen um das Stromnetz
Der parlamentarische Kurswechsel erfolgte vor dem Hintergrund wachsenden öffentlichen Drucks: Hunderte Menschen demonstrierten am 16. September vor dem Parlament in Holyrood gegen den unkontrollierten Ausbau.
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Laut Erhebungen von Computer Weekly und Barbour ABI umfasst die Projektpipeline in Schottland derzeit 14 Vorhaben mit einem Gesamtvolumen von 2,4 Gigawatt (GW) – im März waren es noch vier Projekte mit 0,9 GW. Landesweit im gesamten Vereinigten Königreich beläuft sich das Volumen auf 173 Vorhaben mit über 14,6 GW.
Insgesamt stehen in Schottland mehr als 20 Großprojekte im Raum, darunter eine Anlage in Auchtertool in der Region Fife, die nach Angaben der Entwickler potenziell die zweitgrößte weltweit werden könnte.
Umweltkampagnen und die Grünen warnten im Parlament vor drastischen Folgen für die Infrastruktur: Mindestens 24 aktive Vorhaben im Planungssystem könnten zwischen 4,5 und 6 GW Leistung beanspruchen. Dies entspräche mehr als dem 1,5-Fachen der aktuellen schottischen Spitzenlast und würde die gesamte Stromnachfrage des Landes mehr als verdoppeln.
Kat Jones von der Organisation Action to Protect Rural Scotland wies darauf hin, dass allein die ersten vier beantragten Anlagen so viel Energie benötigen würden wie die Gesamtleistung des Kernkraftwerks Torness, dessen Stilllegung für 2030 geplant ist. Sie bezeichnete das Votum als bedeutsamen Meilenstein und forderte die Regierung auf, Anträge mit nahenden Entscheidungsfristen an sich zu ziehen.
Das Bündnis Stop Climate Chaos Scotland, dem über 70 Organisationen angehören, warnte davor, dass die massiven Kosten für den notwendigen Netzausbau letztlich bei den Verbrauchern landen könnten. Bis zum Jahr 2045 strebt Schottland das Erreichen von Netto-Null-Emissionen an.
