Schrittziel: 7.000 Schritte senken Sterblichkeitsrisiko um 47 Prozent
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 10:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deWissenschaftliche Neubewertungen stellen etablierte Standards in der Trainings- und Bewegungsempfehlung infrage. Ein im Oktober 2026 im Journal of the American College of Cardiology veröffentlichter Konsens des American College of Cardiology zeigt, dass rund 7.000 Schritte am Tag bereits erhebliche kardiovaskulÀre Vorteile mit sich bringen.
Die weit verbreitete Vorgabe von 10.000 tĂ€glichen Schritten ist demnach keine notwendige Voraussetzung, um die eigene Gesundheit wirksam zu schĂŒtzen. Zugleich spricht sich das Gremium gegen pauschale medizinische Belastungstests vor dem Beginn von Freizeitsport aus.
Deutliche Risikosenkung schon ab 5.000 Schritten
Die Arbeitsgruppe unter Leitung von Jonathan Myers von der Stanford University stĂŒtzt ihre Neubewertung unter anderem auf eine Metaanalyse, die im Juli 2025 in The Lancet Public Health erschienen ist.
Diese Untersuchung von 35 Kohorten mit ĂŒber 160.000 Teilnehmenden ergab, dass ein Pensum von 7.000 Schritten im Vergleich zu 2.000 Schritten pro Tag mit einem um 47 Prozent geringeren Risiko fĂŒr die Gesamtsterblichkeit sowie einem um 25 Prozent niedrigeren Risiko fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden ist.
Myers unterstrich im ACC-Konsens den Grundsatz, dass etwas AktivitÀt besser sei als keine. Ein Bereich von 5.000 bis 7.000 Schritten tÀglich gehe bereits mit einer verringerten Sterblichkeit einher, sodass ein Ziel von 10.000 Schritten nicht zwingend erforderlich sei.
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Dass die bekannte 10.000-Schritte-Marke keinen sportwissenschaftlichen Ursprung hat, bekrĂ€ftigte Ingo Froböse, Professor fĂŒr PrĂ€vention und Rehabilitation im Sport an der Deutschen Sporthochschule Köln. Der Wert gehe auf einen Werbeslogan fĂŒr den ersten SchrittzĂ€hler des japanischen Unternehmens Yamasa aus dem Jahr 1964 zurĂŒck.
Froböse verwies ebenfalls auf die Resultate aus The Lancet Public Health, wonach 7.000 Schritte die Gesamtsterblichkeit fast um die HĂ€lfte mindern, das Herz-Kreislauf-Risiko um 25 Prozent senken und Demenzerkrankungen um ĂŒber ein Drittel vorbeugen können. Er empfahl, im Alltag schlicht 3.000 Schritte mehr als gewohnt zu gehen, anstatt die Marke von 10.000 anzustreben.
Mindestanforderungen an Ausdauer und Kraft
Neben der Neubewertung von Schrittzahlen empfiehlt das American College of Cardiology ein wöchentliches Pensum von mindestens 150 Minuten moderater oder 75 Minuten intensiver AusdaueraktivitÀt. ErgÀnzend dazu rÀt das Gremium zu Krafttraining an mindestens zwei Tagen pro Woche.
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Die Bedeutung des Gesamtvolumens unterstreicht auch eine Studie des Corrigan Minehan Heart Center am Massachusetts General Hospital, die in Circulation publiziert wurde.
Anhand der Daten von knapp 90.000 Personen mit Beschleunigungsmessern stellten die Forschenden fest, dass intensiver Sport an nur zwei Tagen â oft als Wochenend-Muster bezeichnet â das Risiko fĂŒr ĂŒber 200 Krankheiten Ă€hnlich stark senken kann wie eine gleichmĂ€Ăige Verteilung ĂŒber die Woche, sofern die Vorgaben von mindestens 150 Minuten moderater oder 75 Minuten intensiver Bewegung erfĂŒllt werden.
Die stĂ€rksten Effekte traten bei herzmetabolischen Leiden wie Bluthochdruck und Diabetes auf. FĂŒr die Schutzwirkung sei vor allem das wöchentliche Gesamtvolumen maĂgeblich.
Weniger HĂŒrden vor dem Sporteinstieg
Ein weiterer Schwerpunkt des ACC-Konsensdokuments vom 15. Oktober 2026 betrifft die sportĂ€rztliche Voruntersuchung. Die meisten Personen, die symptomfrei oder klinisch stabil sind, benötigen vor der Aufnahme von Freizeitsport keine routinemĂ€Ăige Ergometrie. Stattdessen empfiehlt das Dokument eine gezielte Bewertung der individuellen Vorgeschichte, möglicher Symptome, der funktionellen KapazitĂ€t sowie der geplanten TrainingsintensitĂ€t.
Der ehemalige PrĂ€sident der FundaciĂłn CardiolĂłgica Argentina, Jorge Tartaglione, fĂŒhrte vier Argumente gegen ungezielte Ergometrien an: das geringe absolute Risiko, das Auftreten falsch-positiver Befunde, die begrenzte Vorhersagekraft solcher Tests und die abschreckende Wirkung auf Menschen, die sportlich aktiv werden wollen.
Bereits im Jahr 2021 hatte die Sociedad Argentina de CardiologĂa empfohlen, leichte bis moderate Bewegung bei gesunden Personen nicht durch vorgeschaltete Untersuchungen zu verzögern.
