Schüttelfrost bei Fieber: Zwei Signalwege steuern Temperatur und Verhalten
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 02:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Fieber geht häufig mit Kältegefühl und Schüttelfrost einher, obwohl die Körpertemperatur bereits ansteigt. Eine am 10. Februar 2026 im Journal of Physiology veröffentlichte Untersuchung von Yahiro et al. liefert detaillierte Einblicke in die zugrunde liegenden Mechanismen.
Die Forscher zeigten, dass der Botenstoff Prostaglandin E2 nicht nur Schüttelfrost auslöst, sondern auch das Kälteempfinden sowie wärmesuchendes Verhalten bei Fieber gezielt steuert.
Zwei Signalwege steuern Temperatur und Verhalten
Nach den Erkenntnissen von Yahiro et al. entfaltet Prostaglandin E2 seine Wirkung im zentralen Nervensystem über zwei unterschiedliche Signalwege. Im Zwischenhirn beeinflusst der Botenstoff direkt die Temperaturregulation, die Gefäßverengung sowie die Fettverbrennung, um Wärme im Körper zu generieren und zu speichern.
Parallel dazu greift ein zweiter Mechanismus im Hirnstamm ein: Dort aktiviert Prostaglandin E2 über den Rezeptor EP3R eine Signalkaskade, die bis zur Amygdala reicht. Dieser Pfad beeinflusst die Wahrnehmung und das Verhalten. Im Experiment belegten die Forscher diese Verhaltenssteuerung direkt: Ratten, denen Prostaglandin E2 in den lateralen parabrachialen Nukleus injiziert worden war, suchten gezielt eine angewärmte Bodenplatte auf.
Regulierung des Sollwerts im Hypothalamus
Die Erkenntnisse fügen sich in das grundlegende Verständnis von Entzündungsreaktionen und Fieber ein. Im Zuge einer Immunantwort sorgen Immun-Botenstoffe über das Prostaglandin PGE2 dafür, dass der Sollwert für die Körpertemperatur im Hypothalamus angehoben wird.
Dass bei Fieber erst Kältegefühl und Schüttelfrost auftreten und später Schwitzen einsetzt, hat einen klaren Grund: Der Körper hebt seinen Temperatur-Sollwert an und hält danach Wärme zurück. Wer diese Phase richtig deutet, reagiert bei Fieber ruhiger und gezielter. Unser kostenloser Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie Fieber sauber messen, welche Werte wann zählen und wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten. Jetzt kostenlosen Fieber-Ratgeber anfordern
Um diesen neuen Zielwert zu erreichen, hält der Organismus Wärme zurück und erzeugt aktiv zusätzliche Energie. Genau während dieser Phase des Temperaturanstiegs tritt der typische Schüttelfrost auf.
Sobald die Immunreaktion abklingt und der Sollwert wieder sinkt, leitet der Körper Maßnahmen zur Wärmeabgabe ein: Eine verstärkte Durchblutung der Haut sowie Schwitzen kühlen den Organismus ab. Dieser regulierte höhere Sollwert unterscheidet Fieber grundlegend von einer Hyperthermie, bei der die Temperatur unkontrolliert ansteigt, ohne dass der Sollwert im Gehirn verstellt ist.
Schwellenwerte und klinische Bedeutung von Fieber
Bei Erwachsenen gilt eine Körpertemperatur von 100,4 °F (38 °C) oder mehr häufig als Schwelle für Fieber. Die genaue Feststellung hängt dabei von der gewählten Messmethode sowie der jeweiligen Tageszeit ab, da die Körpertemperatur natürlichen Schwankungen unterliegt.
Bei Säuglingen unter 3 Monaten gilt eine Temperatur von 38 °C oder mehr als Anlass für eine umgehende medizinische Abklärung — hier zählt jede Stunde. Unser kostenloser Ratgeber führt Sie mit einer klaren Warnzeichen-Checkliste und einem einfachen Fieber-Tagebuch durch die ersten unsicheren Stunden. Warnzeichen-Checkliste jetzt sichern
Besondere Vorsicht ist bei sehr jungen Patienten geboten: Säuglinge unter 3 Monaten mit einer Temperatur von mindestens 100,4 °F (38 °C) sollen umgehend medizinisch untersucht werden, um die Ursache der Temperaturerhöhung abzuklären.
