Schulleistung: Mentale Gesundheit entscheidend für Lernerfolg
Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 16:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Ergebnisse der Pisa-Studie 2025 verdeutlichen eine besorgniserregende Entwicklung im deutschen Bildungssystem. Mit der Veröffentlichung der Daten am 8. September 2026 wurde bekannt, dass 15-jährige Schülerinnen und Schüler in Deutschland die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der Erhebungen erreicht haben.
Die Untersuchung, an der weltweit rund 760.000 Jugendliche aus 91 Staaten teilnahmen, zeigt signifikante Defizite in den Kernbereichen Naturwissenschaften, Lesen und Mathematik auf.
Rückgang der Basiskompetenzen und internationale Vergleiche
In den aktuellen Erhebungen erzielten deutsche Jugendliche in den Naturwissenschaften einen Wert von 486 Punkten. Im Bereich Lesen wurden 465 Punkte und in der Mathematik 464 Punkte verzeichnet. Besonders kritisch bewerten Experten den hohen Anteil an Jugendlichen, die grundlegende Anforderungen nicht erfüllen.
Demnach verfehlt ein Drittel der Schüler in Deutschland die Basiskompetenzen im Lesen und in der Mathematik, während in den Naturwissenschaften ein Viertel der Teilnehmer unter den Mindeststandards bleibt.
Ein Blick auf die Nachbarstaaten zeigt gemischte Tendenzen. Die Schweiz liegt mit 501 Punkten in den Naturwissenschaften, 470 im Lesen und 499 in der Mathematik zwar über dem OECD-Durchschnitt, verzeichnet jedoch ebenfalls rückläufige Trends.
Seit dem Jahr 2015 sanken die Werte in der Mathematik von 521 auf 499 Punkte und im Lesen von 492 auf 470 Punkte. Beim modellbasierten Problemlösen erreichten Schweizer Schüler 520 Punkte. In Deutschland zeigt sich zudem eine deutliche Kluft bei der Geschlechterverteilung im Bereich Lesekompetenz, in dem Mädchen bessere Ergebnisse als Jungen erzielten.
Soziale Ungleichheit und strukturelle Ursachen
Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung betrifft die soziale Mobilität im Bildungswesen. Die Abhängigkeit des schulischen Erfolgs vom Elternhaus ist in Deutschland dreimal so stark ausgeprägt wie in Kanada. Dies spiegelt sich auch in den Ergebnissen von Jugendlichen mit Migrationsgeschichte wider, die in den Naturwissenschaften 438 Punkte erreichten, während Jugendliche ohne Migrationsgeschichte auf 521 Punkte kamen.
PISA-Koordinator Andreas Schleicher kritisierte in diesem Zusammenhang eine mangelnde Anstrengungsbereitschaft sowie zu geringe Herausforderungen im System. Er empfahl eine Orientierung an Ländern wie Kanada und Großbritannien, um soziale Ungleichheiten wirksamer zu reduzieren.
Der Bildungswissenschaftler Samuel Greiff identifizierte als Ursachen für den historischen Tiefpunkt einen Reformstau, mangelnde Sprachförderung und soziale Ungleichheit. Er wies darauf hin, dass die Corona-Pandemie den Abwärtstrend nur teilweise erkläre; auch der weltweite Smartphone-Konsum spiele eine Rolle. Nach Einschätzung von Greiff sei finanzielle Ausstattung allein nicht ausreichend, um die Probleme zu lösen.
Wer sich mit dem Thema kognitiver Entwicklung befasst, weiß, wie wichtig kontinuierliches Training für die geistige Leistungsfähigkeit ist. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt, mit welchen 11 Alltagsübungen man die Konzentration und das Gedächtnis nachhaltig stärken kann. Diese 11 Alltagsübungen halten Ihr Gehirn bis ins hohe Alter fit
Mentale Gesundheit und pädagogische Perspektiven
Im Fokus der Fachdiskussion steht zunehmend die Verbindung zwischen dem Wohlbefinden der Lernenden und ihrem schulischen Erfolg. Der Berliner Lehrer Jotam Felmy betonte die Relevanz des Zusammenhangs zwischen mentaler Gesundheit und schulischer Leistung. Er forderte, die Förderung der mentalen Gesundheit als feste schulische Aufgabe zu verankern.
Die Pädagogikprofessorin Katja Scharenberg von der LMU wies darauf hin, dass die PISA-Studie selbst keine Ursachenanalyse biete, aber verdeutliche, wie soziale Ungleichheiten verstärkt würden. Sie plädierte für eine frühe Förderung und eine gezielte Unterstützung für benachteiligte Schulen.
Neben der schulischen Förderung spielt die geistige Fitness in jedem Lebensabschnitt eine zentrale Rolle für das allgemeine Wohlbefinden. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche Methoden Experten wirklich empfehlen, um die Merkfähigkeit zu erhalten und die mentale Vitalität zu steigern. Kostenlosen Gehirntraining-Ratgeber jetzt sichern
Erste Maßnahmen auf Landesebene sind bereits erkennbar: So hat Nordrhein-Westfalen seit dem Herbst 2023 eine verbindliche Lesezeit von dreimal 20 Minuten pro Woche an Grundschulen eingeführt, um den Basiskompetenzen entgegenzuwirken.
Bereits bei der vorangegangenen Erhebung hatten rund 30 Prozent der deutschen Schüler die Kompetenzstufe 2 in Mathematik nicht erreicht, was den langfristigen Trend der aktuellen Ergebnisse untermauert.
Mehr zum Thema bei Süddeutsche Zeitung: „Pisa-Studie - Lehrer: Mentale Gesundheit entscheidend für Schulleistungen - Bildung“
