Schwangerschaft, Folsäure

Schwangerschaft: 86 Prozent unterversorgt mit Folsäure

Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 12:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Viele Schwangere in Deutschland sind mit Folsäure und Jod unterversorgt. WHO warnt vor Risiken durch hochdosierte Vitamin-D-Präparate.

Schwangerschaft: Nährstoffmängel und Risiken durch Supplemente
Eine schwangere Frau hält sanft ihren Bauch, symbolisch für die Zufuhr von Vitaminen und Nährstoffen während der Schwangerschaft. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Trotz gestiegenem Bewusstsein klaffen erhebliche Lücken – und unkontrollierte Supplemente bergen eigene Risiken.

Folsäure und Jod: Zwei kritische Nährstoffe

86 Prozent der Frauen in Deutschland sind mit Folsäure unterversorgt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Schwangeren daher täglich 400 µg Folsäure als Nahrungsergänzung. Das Vitamin ist entscheidend für die gesunde Entwicklung des Kindes.

Ähnlich sieht es bei Jod aus: Rund 30 Prozent der Frauen erreichen den Bedarf nicht. Die DGE rät zu zusätzlichen 100 µg Jod pro Tag über Präparate. Der Gesamttagesbedarf in der Schwangerschaft liegt bei 230 µg. Während der Bedarf an den meisten Vitaminen steigt, bilden Vitamin D und K eine Ausnahme – hier gibt es keinen spezifisch erhöhten Bedarf durch die Schwangerschaft.

Vitamin D: Nutzen und Risiken genau abwägen

29,7 Prozent der Frauen haben einen Vitamin-D-Mangel. Doch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt in aktuellen Leitlinien vor Hochdosis-Präparaten. Mehr als 10.000 IE täglich erhöhen das Risiko für Hyperkalzämie und Nierensteine. Bei extremen Dosen über 40.000 IE steigt zudem die Gefahr von Herzrhythmusstörungen. Als gesunder Zielwert gelten 50 bis 70 ng/ml im Blut.

Gleichzeitig zeigt eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ): Eine gute Vitamin-D-Versorgung könnte die Krebssterblichkeit um etwa 12 Prozent senken. Eine klinische Untersuchung vom Juli 2026 fand zudem einen Zusammenhang mit dem Schmerzempfinden: Patientinnen mit Werten unter 30 nmol/l hatten ein dreifach höheres Risiko für starke postoperative Schmerzen.

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Mineralstoffe: Eisen und Zink im Fokus

Der Eisenbedarf steigt in der Schwangerschaft auf 30 mg pro Tag. Bei Zink variieren die Empfehlungen zwischen 7 und 13 mg täglich – abhängig von der individuellen Phytatzufuhr über die Nahrung, die die Aufnahme beeinflusst.

Parallel zu den Supplement-Empfehlungen identifizierte ein Projekt der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) im Juli 2026 Risiken bei bestimmten Inhaltsstoffen. Auf Basis von 130 dokumentierten schweren Nebenwirkungsfällen wurden Stoffe wie Ginseng, Schwarzer Rettich, Guggul, Coleus, Toothed clubmoss und Bifidobacterium als potenziell risikobehaftet eingestuft. In pflanzlichen Präparaten fanden sich zudem häufig Furfural, Emodin und Chrysophanol.

„100% Liebe – 0% Alkohol“: Neue Kampagne in Sachsen

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Die Bedeutung einer schadstofffreien Schwangerschaft unterstreicht eine neue Initiative. Seit dem 19. Juli 2026 läuft in Sachsen die Kampagne „100% Liebe – 0% Alkohol“. Sie klärt bis September über die Gefahren von Alkoholkonsum auf. Schätzungsweise 20 Prozent der Schwangeren trinken Alkohol – mit gravierenden Folgen: Jährlich kommen in Deutschland rund 10.000 Neugeborene mit Fetalen Alkoholspektrumstörungen (FASD) zur Welt. Fachleute betonen: Bereits geringe Mengen können irreversible Schäden verursachen. Ein vollständiger Verzicht ist die einzige sichere Prävention.

Auch die WHO rät in ihren Leitlinien zur Demenzprävention von einer pauschalen Einnahme von Vitamin-B- oder Vitamin-E-Präparaten ab – sofern kein klinisch nachgewiesener Mangel vorliegt. Der Trend in der Ernährungsmedizin geht weg von genereller Supplementierung hin zu gezielter, bedarfsorientierter Zufuhr.

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