Schwangerschaftsdiabetes, Screening

Schwangerschaftsdiabetes: Screening meist zwischen der 24. und 28. Woche

Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 06:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Screening erfolgt meist zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche; frühere Tests richten sich nach individuellen Risikofaktoren.
Ein minimalistischer, heller Untersuchungsraum in einer Arztpraxis mit einer medizinischen Liege und einem Stethoskop. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle medizinische Ratgeber und Fachgesellschaften beschreiben detailliert die Vorgehensweise beim Glukosetoleranztest sowie die empfohlenen Zeitfenster für das Screening auf Schwangerschaftsdiabetes.

Gestationsdiabetes betrifft schätzungsweise etwa 6 bis 7 Prozent aller Schwangeren. Eine strukturierte Diagnostik zielt darauf ab, Störungen des Glukosestoffwechsels frühzeitig zu erkennen, um potenzielle Risiken für Mutter und Kind zu minimieren.

Empfohlene Zeitfenster und Risikogruppen

Das standardmäßige Screening auf Gestationsdiabetes (GDM) wird in der Regel im Zeitraum der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche durchgeführt. In einzelnen Untersuchungsplänen wird die Durchführung auch im Zeitfenster der Schwangerschaftswochen 21 bis 24 verortet, meist jedoch in der 24. Woche.

Liegen definierte Risikofaktoren vor, empfehlen Fachleute eine vorgezogene Untersuchung bereits bei der Erstvorstellung oder bei Hochrisiko-Schwangerschaften ab der 20. Schwangerschaftswoche.

Zu den relevanten Risikofaktoren zählen:
- eine familiäre Vorbelastung mit Diabetes
- ein Body-Mass-Index (BMI) von über 24 bzw. ein generell hoher BMI
- ein Lebensalter von über 25 Jahren
- das Vorliegen einer Hypertonie oder eines polyzystischen Ovarsyndroms (PCOS)
- eine frühere Gestationsdiabetes-Diagnose oder ein früheres Kind mit einem Geburtsgewicht von über 4,1 Kilogramm (Makrosomie)
- der Nachweis von Zucker im Urin

Fällt ein früher test bei Vorliegen von Risikofaktoren unauffällig aus, wird eine Wiederholung des Tests empfohlen. Je nach Richtlinie ist dieser Folgetest für die Schwangerschaftswochen 30 bis 32 oder 32 bis 34 vorgesehen. Auch im dritten Trimester bleibt eine Wiederholung des Glukose-Screenings möglich. Laborergebnisse liegen in den meisten Fällen innerhalb von ein bis zwei Tagen vor.

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Zweistufige Testverfahren und Schwellenwerte

In der Praxis kommt häufig ein zweistufiges Vorgehen zum Einsatz. Den ersten Schritt bildet ein Glukose-Screening (Glukose-Challenge-Test, GCT), das ohne vorheriges Fasten erfolgt. Dabei trinken Patientinnen eine Glukoselösung; nach einer Stunde erfolgt die Blutabnahme.

Üblich ist hierbei ein Belastungstest mit 50 Gramm Glukose, aufgelöst in 200 Millilitern oder in 250 bis 300 Millilitern Wasser. Liegt der 1-Stunden-Wert bei mindestens 7,8 mmol/L, gilt das Screening als positiv bzw. auffällig.

Bei einem auffälligen Befund schließt sich ein oraler Glukosetoleranztest (OGTT bzw. GTT) an, der eine Nüchternphase voraussetzt.

Kriterien für den 75-g-OGTT

Für den Test mit 75 Gramm Glukose gelten nach einer Fastenzeit von 8 bis 10, 12 oder 8 bis 14 Stunden differenzierte Schwellenwerte:
- Bei einer Fastendauer von 12 Stunden liegen die Normgrenzen bei 5,6 mmol/L nüchtern, 10,3 mmol/L nach einer Stunde, 8,6 mmol/L nach zwei Stunden und 6,7 mmol/L nach drei Stunden. Werden zwei oder mehr dieser Werte überschritten, liegt ein GDM vor; ist lediglich ein Wert erhöht, wird von einer gestörten Glukosetoleranz gesprochen.
- Ein alternativer Referenzrahmen (nach 8 bis 14 Stunden Fasten) definiert Schwellenwerte von 5,8 mmol/L (105 mg/dL) nüchtern, 10,6 mmol/L (190 mg/dL) nach einer Stunde, 9,2 mmol/L (165 mg/dL) nach zwei Stunden und 8,1 mmol/L (145 mg/dL) nach drei Stunden. Auch hier führen zwei überschrittene Werte zur GDM-Diagnose.
- Die Japanische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe wendet demgegenüber strengere Kriterien an: Demnach wird Gestationsdiabetes bereits diagnostiziert, wenn mindestens einer der drei Werte im 75-g-Glukosetoleranztest den Grenzwert überschreitet.

Als allgemeine Normwerte bei Schwangeren gelten nüchtern höchstens 5,1 mmol/L, eine Stunde nach einer Mahlzeit höchstens 10,0 mmol/L sowie zwei Stunden nach dem Essen höchstens 8,5 mmol/L. Unabhängig vom Belastungstest wird ein Diabetes festgestellt, wenn zwei oder mehr Nüchternblutzuckerwerte bei mindestens 5,8 mmol/L liegen.

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Testung mit 100 Gramm Glukose

Bei einem weiteren etablierten Verfahren werden 100 Gramm Glukose in 300 Millilitern Wasser innerhalb von fünf Minuten getrunken. Die Auswertung erfolgt anhand venösen Blutes mit stündlichen Blutabnahmen über drei Stunden (insgesamt vier Blutentnahmen). Nach den NDDG-Diagnosekriterien gelten folgende Schwellenwerte:
- nüchtern: 5,8 mmol/L
- nach 1 Stunde: 10,6 mmol/L
- nach 2 Stunden: 9,2 mmol/L
- nach 3 Stunden: 8,1 mmol/L

Ein Gestationsdiabetes wird diagnostiziert, wenn zwei oder mehr Werte die Standards erreichen oder überschreiten. Bei einer einzelnen Grenzwertüberschreitung wird eine gestörte Glukosetoleranz (IGT) festgestellt.

Langfristige Bedeutung für die Stoffwechselgesundheit

Das Screening besitzt nicht nur Bedeutung für den Verlauf der aktuellen Schwangerschaft. Ein früherer Gestationsdiabetes gilt medizinisch zugleich als wichtiger Indikator für ein langfristig erhöhtes Risiko, später an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Fachkreise verweisen daher darauf, dass eine gezielte Stoffwechselkontrolle bei betroffenen Frauen spätestens im Zeitraum der Perimenopause erfolgen sollte.

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