SchwangerschaftsprÀparate, Produkten

SchwangerschaftsprĂ€parate: Öko-Test findet 15 von 19 Produkten mangelhaft

Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 11:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Foodwatch kritisiert Ashwagandha-Werbung, Tests zeigen MÀngel bei Supplements und Vitamin D; Behörden warnen vor Gesundheitsrisiken.

NahrungsergĂ€nzung im Check: Abmahnungen und Überdosierungen
Verschiedene ApothekerglĂ€ser und Braunglasflaschen mit NahrungsergĂ€nzungsmitteln auf einer weißen MarmoroberflĂ€che. Illustration mit AI erstellt.

Die Vermarktung von NahrungsergÀnzungsmitteln steht zunehmend unter der Beobachtung von Verbraucherschutzorganisationen und Behörden. Im Zentrum der aktuellen Auseinandersetzungen stehen Produkte mit Ashwagandha sowie die Dosierung von Vitamin- und MineralstoffprÀparaten. Berichten vom August 2026 zufolge hat die Organisation Foodwatch mehrere namhafte Anbieter aufgrund ihrer Werbepraktiken abgemahnt.

Fehlende Zulassungen fĂŒr Gesundheitsversprechen

Die Abmahnungen von Foodwatch richten sich gegen die Unternehmen More Nutrition, Naturally You und ESN. Der Vorwurf lautet, dass diese Anbieter fĂŒr ihre Ashwagandha-Produkte mit gesundheitsbezogenen Aussagen werben, fĂŒr die keine entsprechende Zulassung im Rahmen der europĂ€ischen Health-Claims-Verordnung vorliegt. Konkret geht es um Versprechen in den Bereichen Stressabbau, Schlafverbesserung und Muskelwachstum.

WÀhrend Foodwatch diese Praktiken als rechtswidrig einstuft, verwies das Unternehmen ESN in diesem Zusammenhang auf ein Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) vom Juli 2026. Die rechtliche Bewertung derartiger "Health Claims" bleibt ein zentraler Streitpunkt zwischen der Industrie und den MarktwÀchtern.

Auch die Verbraucherzentrale kritisierte in Berichten vom Ende August 2026 Àhnliche Werbeaussagen bei anderen Produkten, etwa den "Bill Pills Recovery-Kapseln", und verwies auf vorangegangene Gerichtsurteile des OLG Frankfurt vom November 2024 sowie des Landgerichts Mainz vom Oktober 2024.

Wissenschaftliche Warnungen vor Gesundheitsrisiken

Neben den rechtlichen Aspekten rĂŒcken die gesundheitlichen Risiken von Ashwagandha-PrĂ€paraten in den Fokus der Forschung. Das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung (BfR) warnte im August 2026 vor der Einnahme solcher Produkte. Besonders gefĂ€hrdet seien Kinder, Schwangere sowie Personen mit Lebererkrankungen.

Auch bei klassischen VitaminprÀparaten mahnen Experten zur Vorsicht. Die Deutsche Krebsgesellschaft verwies auf eine Studie aus dem Jahr 2019, wonach hohe Dosen von Vitamin B12 das Wachstum bereits vorhandener Krebszellen fördern könnten.

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Eine weitere Untersuchung aus dem Jahr 2023 deutet zudem darauf hin, dass Antioxidantien wie die Vitamine A, C und E Mechanismen aktivieren können, die Tumoren nĂŒtzen. WĂ€hrend eine normale ErnĂ€hrung als unbedenklich gilt, wird von einer unkontrollierten Supplementierung abgeraten.

Systematische QualitÀtsdefizite bei KombinationsprÀparaten

Aktuelle Untersuchungen von Verbrauchermagazinen zeigen erhebliche MĂ€ngel in der Zusammensetzung vieler PrĂ€parate. Öko-Test untersuchte fĂŒr die Ausgabe 09/2026 insgesamt 19 NahrungsergĂ€nzungsmittel fĂŒr Schwangere. Davon wurden 15 Produkte mit den Noten „mangelhaft“ oder „ungenĂŒgend“ bewertet.

Hauptkritikpunkte waren ĂŒberdosierte NĂ€hrstoffe – teils bis zu sechs verschiedene Stoffe pro Produkt – sowie Abweichungen bei den Gehalten an Jod und FolsĂ€ure. Nur zwei der getesteten Produkte erhielten die Bewertung „gut“.

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Das BfR beobachtet zudem, dass Höchstmengenempfehlungen in PrĂ€paraten fĂŒr Schwangere hĂ€ufig ĂŒberschritten werden, insbesondere bei Eisen und Vitamin B6. Ähnliche Tendenzen zeigen sich im Bereich der Vitamin-D-Versorgung. Laut Robert Koch-Institut (RKI) sind 44 Prozent der Erwachsenen gut mit Vitamin D versorgt. Dennoch drĂ€ngen zahlreiche hochdosierte PrĂ€parate auf den Markt.

Überdosierung bei Vitamin-D-PrĂ€paraten

In der Ausgabe 01/2026 testete die Stiftung Warentest 25 Vitamin-D-PrĂ€parate und stufte lediglich zwei als geeignet ein: GSE „Vitamin D compact“ mit 200 I.E. sowie RotkĂ€ppchen „Vital Vitamin D“ mit 400 I.E. FĂŒnf Produkte wurden aufgrund von Überdosierungen, die potenziell NierenschĂ€den verursachen können, als „nicht geeignet“ bewertet. Das BfR empfiehlt eine tĂ€gliche Höchstmenge von maximal 20 ”g, was 800 I.E. entspricht.

ErgĂ€nzende Tests von Öko-Test bei 23 Vitamin-D-PrĂ€paraten bestĂ€tigten dieses Bild. WĂ€hrend Produkte wie die HĂŒbner Vitamin-D3-Tropfen (800 I.E.) als „gut“ bewertet wurden, fielen PrĂ€parate von Doppelherz (2000 I.E.) und Vigantolvit (4000 I.E.) aufgrund der deutlichen Überschreitung der BfR-Empfehlungen durch.

Gleichzeitig gibt es jedoch auch positive Befunde: Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) wies darauf hin, dass eine angemessene Supplementierung von Vitamin D die Krebssterblichkeit um 12 Prozent senken kann.

Fachleute der Apothekerkammer raten Verbrauchern angesichts dieser komplexen Datenlage zur Vorsicht bei Online-Angeboten und betonen die Bedeutung fachlicher Beratung, um gesundheitliche Risiken durch Fehl- oder Überdosierungen zu vermeiden.

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