Berlin, Deutschland

Ameisen in der Stadt sind weniger pingelig als auf dem Land

Veröffentlicht am: 12.03.2026 um 05:00 Uhr | dpa.de

Schwarze Wegameisen mögen Zucker. WÀhrend manche sich mit geringerer QualitÀt abgeben, sind andere quasi kleine Gourmets, wie eine neue Studie zeigt. Forscher haben eine Vermutung, woran das liegt.

  • Ameisen melken BlattlĂ€use und ernĂ€hren sich von ihren Ausscheidungen, dem Honigtau. (Symbolbild). - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
    Ameisen melken BlattlÀuse und ernÀhren sich von ihren Ausscheidungen, dem Honigtau. (Symbolbild). - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Ameisen melken BlattlĂ€use und ernĂ€hren sich von ihren Ausscheidungen, dem Honigtau. - Bild: Tomer Czaczke/dpa
    Ameisen melken BlattlÀuse und ernÀhren sich von ihren Ausscheidungen, dem Honigtau. - Bild: Tomer Czaczke/dpa
Ameisen melken BlattlÀuse und ernÀhren sich von ihren Ausscheidungen, dem Honigtau. (Symbolbild). - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa Ameisen melken BlattlÀuse und ernÀhren sich von ihren Ausscheidungen, dem Honigtau. - Bild: Tomer Czaczke/dpa

Ameisen in GroßstĂ€dten sind kulinarisch weniger anspruchsvoll als Ameisen auf dem Land. In der Stadt akzeptieren die Tiere deutlich hĂ€ufiger zuckerarme Nahrung als Artgenossinnen auf dem Land, wie eine neue Studie zeigt, die in der Fachzeitschrift «Urban Ecosystems» erschienen ist. Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte das Verhalten der Ameisen ein Hinweis darauf sein, dass das Ökosystem in der Stadt unter Druck steht und die Stadtameisen deshalb Nahrung von geringerer QualitĂ€t gewöhnt sind.

Zu dem internationalen Forschungsteam aus Deutschland, der Ukraine und Polen gehört auch der Berliner Verhaltensbiologe Tomer Czaczkes von der Freien UniversitĂ€t Berlin. FĂŒr die Untersuchung wĂ€hlten die Wissenschaftler die Schwarze Wegameise (Lasius niger) aus. «Sie ist die hĂ€ufigste Ameise in Deutschland und Europa», wie Czaczkes der Deutschen Presse-Agentur sagt.

Landameisen lassen Zuckergemisch links liegen

Im Sommer 2024 suchten die Forscher Ameisenstraßen an fĂŒnf verschiedenen Orten in der Ukraine auf und schauten sich jeweils ein lĂ€ndliches und ein stĂ€dtisches Gebiet an. AusgewĂ€hlt wurden Orte, an denen die Tiere zwischen BaumstĂ€mmen hin- und herliefen. Ameisen ernĂ€hren sich von Honigtau – der Ausscheidung von BlattlĂ€usen –, den sie auf BlĂ€ttern finden. Auf dem Weg zur Nahrungsbeschaffung auf dem Baum boten die Wissenschaftler den hungrigen Tieren Zuckerlösungen in unterschiedlicher Konzentration an. Die Frage sei gewesen: «Sind sie bereit, das zu trinken oder nicht?», sagt Czaczkes. 

«Wenn die meinen, hey, das Zeug, was ich hier finde, ist besser als was ich auf dem Baum finden werde, dann wĂŒrden sie es trinken. Und wenn sie meinen, es ist nicht so gut, dann lassen sie es einfach stehen.» Den lĂ€ndlichen Ameisen war das Zuckergemisch offenbar nicht fein genug – in der Regel lehnten sie es ab und setzten ihren Weg zum Baum fort. Die Stadtameisen nahmen es viel hĂ€ufiger an.

Weniger NÀhrstoffe, weniger BlattlÀuse, weniger Futter?

Wie erklÀren sich die Wissenschaftler das unterschiedliche Verhalten? Das Forscherteam nimmt an, dass Ameisen in der Stadt möglicherweise an minderwertigere Nahrung gewöhnt seien, weil die Stadtnatur unter Stress stehe. In StÀdten sei es wÀrmer und trockener, die Umweltverschmutzung sei höher und auch die Versiegelung sei ein riesiges Problem, erklÀrt Czaczkes.

«Wenn ein Baum nicht genug NĂ€hrstoffe bekommt, können die BlattlĂ€use nicht so gut wachsen. Es gibt dann weniger davon, also auch weniger Honigtau fĂŒr die Ameisen, und die Ameisen werden hungriger und verzweifelter.» Sie seien dann viel motivierter, Nahrung zu finden und wĂŒrden weniger pingelig. Es sei auch möglich, dass BlĂ€tter durch den Stress der BĂ€ume weniger Zucker produzierten und dadurch die Ausscheidung der BlattlĂ€use weniger sĂŒĂŸ sei. Bislang seien das aber nur Hypothesen, betont Czaczkes, eine genaue ErklĂ€rung fĂŒr das unterschiedliche Verhalten der Tiere habe man nicht. 

Gutes Experiment fĂŒr Schulklassen

Die von den Forschern entwickelte Methode sei schnell, einfach und mache Spaß. Sie könne leicht ausprobiert werden, um die Umwelt besser zu verstehen, erklĂ€rte er. Schulklassen könnten es zum Beispiel als Experiment durchfĂŒhren. 

Die meisten Insekten seien viel schlauer und hÀtten eine viel komplexere Denkweise als viele Menschen dÀchten, so der Verhaltensbiologe. Ameisen könnten gut lernen und hÀtten ein gutes GedÀchtnis.

RĂŒhrende FĂŒrsorge fĂŒr BlattlĂ€use

Interessant ist auch, wie sie sich um BlattlĂ€use kĂŒmmern. «Sie sind bekannt dafĂŒr, dass sie sehr gute ViehzĂŒchter sind. Sie schĂŒtzen sie vor Feinden. Sie nehmen die Blattlaus-Eier im Winter rein ins Nest, um sie sicher zu halten, und bringen sie im FrĂŒhling wieder raus.» Mit ihren Antennen streichelten Ameisen die BlattlĂ€use, die den Ameisen dann ein Tröpfchen der sehr sĂŒĂŸen FlĂŒssigkeit hinterließen.

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