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Schweizer Medien verabschieden verbindlichen AI-Verhaltenskodex

07.05.2026 - 07:13:50 | boerse-global.de

Medienhäuser verpflichten sich zu Transparenz und menschlicher Kontrolle bei KI-generierten Inhalten. Ein neues Regelwerk soll das Vertrauen stärken.

Schweizer Medien verabschieden verbindlichen AI-Verhaltenskodex - Foto: über boerse-global.de
Schweizer Medien verabschieden verbindlichen AI-Verhaltenskodex - Foto: über boerse-global.de

Die führenden Köpfe der Schweizer Medienbranche haben heute auf dem Swiss Media Forum in Luzern einen umfassenden Verhaltenskodex für den Einsatz Künstlicher Intelligenz verabschiedet. Das neue Regelwerk, getragen von öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern sowie Verlagen, schreibt verbindliche Transparenzregeln vor und stellt die redaktionelle Verantwortung des Menschen in den Mittelpunkt.

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Menschliche Kontrolle und Kennzeichnungspflicht

Der Kern des neuen Kodex ist eindeutig: Journalisten und Redakteure bleiben voll verantwortlich für alle veröffentlichten Inhalte – unabhängig davon, welche Werkzeuge bei der Erstellung zum Einsatz kamen. Die Medienhäuser dürfen die redaktionelle Verantwortung nicht an automatisierte Systeme delegieren. Jeder AI-generierte oder wesentlich veränderte Inhalt muss eine strenge menschliche Prüfung durchlaufen, bevor er veröffentlicht wird.

Eine zentrale Neuerung ist die verbindliche Kennzeichnungspflicht. Die Unterzeichner verpflichten sich, die Öffentlichkeit transparent über den Einsatz von KI zu informieren. AI-generierte Texte, Bilder und Audios müssen klar gekennzeichnet werden, damit das Publikum nie im Zweifel über die Authentizität der konsumierten Inhalte ist. Die Medienhäuser werden auf ihren Websites detailliert darlegen, wo und wie KI-Tools in ihren Redaktionsabläufen integriert sind.

Darüber hinaus regelt der Kodex den Schutz von Daten und geistigem Eigentum. Redakteure dürfen keine sensiblen personenbezogenen Daten, Geschäftsgeheimnisse oder vertrauliche Quelleninformationen in KI-Programme eingeben, es sei denn, die Kontrolle über diese Daten ist strikt gewährleistet. Die Branche verpflichtet sich zudem zur Einhaltung der Urheberrechte.

Breiter Branchenkonsens

Der Verhaltenskodex genießt beispiellose Unterstützung über die gesamte Schweizer Medienlandschaft hinweg. Neben dem Verband Schweizer Medien (VSM), der die deutschsprachigen Verlage vertritt, haben auch die regionalen Verbände Médias Suisses für die Romandie und Stampa Svizzera für das italienischsprachige Tessin zugestimmt. Private Radio- und Fernsehsender haben sich ebenfalls angeschlossen.

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Andrea Masüger, Präsident des VSM, betonte bei der Vorstellung, dass Vertrauen in einer digitalen Zeit das wertvollste Gut der Medien bleibe. Der Kodex schaffe die nötige Klarheit, um dieses Vertrauen zu bewahren, während man die Effizienzgewinne neuer Technologien erkunde. Susanne Wille, Generaldirektorin der SRG SSR, bezeichnete die Vereinbarung als gemeinsame Grundlage, die den Einsatz Künstlicher Intelligenz für die Schweizer Bevölkerung transparent und nachvollziehbar mache.

Hanspeter Kellermüller, CEO von Keystone-SDA, hob die Rolle des Kodex bei der Stärkung des gesamten Kommunikationsmarktes hervor. Der Schweizer Presserat, der bereits Anfang 2024 vorläufige Richtlinien veröffentlicht hatte, begrüßt die neue Brancheninitiative.

Rechtliche Grundlage und internationale Rahmenbedingungen

Der Kodex ist als Selbstregulierungsinstrument konzipiert, aber in internationalen Rechtsstandards verankert. Das Dokument bezieht sich ausdrücklich auf das Rahmenübereinkommen des Europarats zu KI und Menschenrechten. Diesen internationalen Vertrag hatte Medienminister Albert Rösti Ende März 2025 in Straßburg für die Schweiz unterzeichnet. Mit der Ausrichtung an dieser Konvention positionieren sich die Schweizer Verlage innerhalb einer breiteren europäischen Anstrengung zum Schutz demokratischer Prozesse vor KI-bedingten Risiken.

Der Kodex schreibt zudem konkrete Maßnahmen zur Verhinderung von Falschinformationen vor. Die Unterzeichner verpflichten sich zu internen Sicherungsmechanismen und Schulungsprogrammen, die Redaktionen helfen sollen, systematische Verzerrungen und sachliche Fehler in KI-Modellen zu erkennen.

Zur Sicherstellung der Einhaltung werden neue Kontrollmechanismen eingeführt. Ein Ombudsmann-Büro wird jährlich einen Bericht über die Umsetzung des Kodex veröffentlichen. Die WEMF (Werbe Medien Forschung) hat zudem ein neues KI-Zertifikat und ein Qualitätssiegel entwickelt, das allen Schweizer Medienhäusern offensteht, die die Transparenz- und Verantwortungsstandards nachweislich einhalten.

Ausblick: Integration in nationales Recht

Die Verabschiedung des freiwilligen Verhaltenskodex gilt als Vorbote für formellere rechtliche Entwicklungen. Die Schweizer Behörden arbeiten derzeit an gezielten Gesetzesanpassungen zur Umsetzung der Europarats-KI-Konvention in nationales Recht. Ein Konsultationsentwurf mit Maßnahmen zu Transparenz, Nichtdiskriminierung und Aufsicht wird bis Ende 2026 erwartet.

Branchenanalysten sehen in der proaktiven Haltung der Medienbranche ein mögliches Vorbild für andere Sektoren. Indem die Medien einen verbindlichen Rahmen geschaffen haben, bevor die Bundesgesetzgebung abgeschlossen ist, haben sie eine Blaupause für sektorspezifische Regulierung vorgelegt. Die Herausforderung wird nun in der praktischen Umsetzung in den Redaktionen liegen: die Geschwindigkeit und Kosteneinsparungen der KI mit den arbeitsintensiven Anforderungen menschlicher Überprüfung und ethischer Kontrolle in Einklang zu bringen.

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