Sehprobleme im Alter: Bis zu 2,2 Prozent der DemenzfÀlle hÀngen damit zusammen
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 15:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Informationskampagne zur FrĂŒherkennung von Netzhauterkrankungen rĂŒckt ein zentrales Problem der Augenheilkunde in den Mittelpunkt: Sehverlust tritt bei den meisten Betroffenen nicht plötzlich ein, sondern entwickelt sich schleichend ĂŒber Jahre hinweg. Bleiben SchĂ€den an der Netzhaut unbemerkt, drohen irreversible BeeintrĂ€chtigungen, die im Alter weitreichende gesundheitliche Folgen nach sich ziehen können.
Weitreichende Folgen fĂŒr die kognitive Gesundheit
Die Notwendigkeit einer frĂŒhzeitigen Diagnose wird durch wissenschaftliche Untersuchungen unterstrichen. Zwei im Jahr 2024 veröffentlichte Bevölkerungsstudien aus GroĂbritannien und Australien deuten auf einen engen Zusammenhang zwischen nachlassendem Sehvermögen und kognitivem Abbau hin.
In der britischen Untersuchung mit ĂŒber 8.000 Teilnehmenden ging eine langsamere visuelle Verarbeitungsgeschwindigkeit in den nachfolgenden zwölf Jahren hĂ€ufiger mit Demenzerkrankungen einher.
Die australische Studie mit 2.281 Beteiligten identifizierte eine abnehmende SehschĂ€rfe ĂŒber denselben Zeitraum als bedeutsamen PrĂ€diktor fĂŒr geistigen Abbau, was teilweise durch verringerte soziale Teilhabe vermittelt werde.
Laut der Lancet-Demenz-Kommission von 2024 kann Sehverlust im höheren Alter zu bis zu 2,2 Prozent der DemenzfĂ€lle beitragen. Zudem sei einer von fĂŒnf DemenzfĂ€llen bei Ă€lteren Menschen mit verbreiteten Sehproblemen verbunden.
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VersorgungsengpÀsse und Streit um Screening-Verfahren
Gleichzeitig steht die augenĂ€rztliche Versorgung vor erheblichen KapazitĂ€tsproblemen. Auf dem von Mirantus Health am 8. Oktober 2026 erstmals in Berlin ausgerichteten Hauptstadt-Forum âAugenversorgung von Morgenâ mit rund 100 Vertretern aus Fachkreisen wurden mancherorts Wartezeiten von sechs bis zwölf Monaten bestĂ€tigt.
Das WeiĂbuch der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) aus dem Jahr 2023 belegt, dass der wöchentliche Versorgungsumfang pro Facharzt seit 2000 praktisch unverĂ€ndert blieb, wĂ€hrend Teilzeitarbeit zunimmt und die Zahl selbststĂ€ndiger FachĂ€rzte sinkt. Durch den demografischen Wandel wird bis 2050 jedoch ein Anstieg von Augenerkrankungen um rund 25 Prozent erwartet.
Um EngpĂ€sse abzufedern, rĂŒcken alternative Screening-AnsĂ€tze in den Fokus, die jedoch berufspolitische Konflikte auslösen. Auf der ZVA-Obermeistertagung am 10. Oktober 2026 in Berlin, die erstmals gemeinsam mit VDCO und IVBS eröffnet wurde, bildeten Screening-Verfahren einen Schwerpunkt. ZVA-PrĂ€sident Kai Jaeger betonte dort, dass qualifizierte FachkrĂ€fte notwendig seien, um Untersuchungsergebnisse fachgerecht einzuordnen.
Seit Anfang September klagt der Berufsverband der AugenĂ€rzte Deutschland gegen eine Drogeriemarktkette wegen Netzhaut-Screenings in deren Filialen, zu denen Dr. Alex Hein von Skleo Health eine Kooperation vorstellte. Zugleich zeigte Peter Gumpelmayer fĂŒr die ECOO das Forschungsprojekt iScreen zur FrĂŒherkennung der altersabhĂ€ngigen Makuladegeneration (AMD).
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Medizinischer Aufwand bei fortgeschrittenen SchÀden
Dass eine rechtzeitige Erkennung entscheidend ist, zeigen die Behandlungsmethoden bei bereits manifesten SchĂ€den. Allein in Deutschland sind laut Angaben des UniversitĂ€tsklinikums Schleswig-Holstein ĂŒber eine Million Menschen von AMD betroffen; bei Personen ĂŒber 65 Jahren gilt die Erkrankung als hĂ€ufigste Ursache schwerer SehbeeintrĂ€chtigungen.
Wird eine feuchte AMD zu spĂ€t gestoppt, sind aufwendige Interventionen nötig. Am 6. Oktober 2026 implantierte Priv.-Doz. Dr. Raffael Liegl an der Augenklinik des Klinikums Dortmund erstmals ein zugelassenes Medikamentenreservoir mit den MaĂen 8,4 mal 2,6 Millimeter in die Sklera. Das System ersetzt hĂ€ufige Injektionen und versorgt 95 Prozent der Patienten mit zwei BefĂŒllungen pro Jahr ĂŒber jeweils sechs Monate.
Bei vollstĂ€ndigem Sehverlust greifen Mediziner auf Sehchips zurĂŒck: Am UKSH LĂŒbeck setzte ein Ărzteteam um Prof. Dr. Salvatore Grisanti am 8. Oktober 2026 einer 80-jĂ€hrigen erblindeten Patientin erstmals nach EU-Zulassung einen zwei mal zwei Millimeter groĂen PRIMA-Chip unter die Netzhaut ein. Die aufwendigen Eingriffe verdeutlichen den Stellenwert regelmĂ€Ăiger Vorsorge vor dem Eintritt irreparabler SchĂ€den.
