Senioren, Ehrenamt

Senioren im Ehrenamt: 1.500 Freiwillige leisten 175.000 Stunden

Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 13:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ehrenamt, Bildung und persönliche Projekte prĂ€gen den Alltag vieler Senioren – mit Rikscha-Ausfahrten, Digitalkursen, Reisen und Musik.

Senioren engagieren sich: Von Rikscha-Fahrten bis Rockchor
Ein sonniger, leerer Parkweg mit einer hölzernen Parkbank in einer grĂŒnen Gartenanlage. Illustration mit AI erstellt.

Die Bereitschaft zur gesellschaftlichen Mitwirkung im fortgeschrittenen Lebensalter zeigt sich in vielfĂ€ltigen Projekten und individuellen Initiativen. Ein Beispiel fĂŒr dieses langjĂ€hrige Engagement findet sich in Mössingen, wo ein 69-jĂ€hriger Freiwilliger namens Eberhard seit vier Jahren die Bewohner des Pflegeheims Haus an der Steinlach unterstĂŒtzt.

Jeweils donnerstags fĂŒhrt er drei tĂ€gliche Fahrten mit einer Fahrrad-Rikscha durch, um den Senioren MobilitĂ€t und Abwechslung zu ermöglichen. Laut Berichten vom September 2026 wird das Angebot von den Bewohnern positiv aufgenommen; so betonte der 83-jĂ€hrige Peter den Wert dieser gemeinsamen Ausfahrten.

Ehrenamtliches Engagement in Pflege- und Betreuungseinrichtungen

Die Einbindung von Freiwilligen in den Alltag von Pflegeeinrichtungen ist ein wesentlicher Faktor fĂŒr die soziale LebensqualitĂ€t. In den NÖ Pflegezentren in Österreich wurde dieser Trend im Jahr 2025 statistisch erfasst: Über 1.500 Ehrenamtliche leisteten dort in diesem Zeitraum mehr als 175.000 Einsatzstunden. Das Spektrum der TĂ€tigkeiten umfasst neben Tandemfahrten auch Leserunden, BusausflĂŒge und individuelle Betreuungsangebote.

In anderen Regionen, wie in Villingen-Schwenningen, koordinieren die Stadt, die Diakonie und das Deutsche Rote Kreuz (DRK) gemeinschaftliche Angebote. Dazu gehören Seniorennachmittage, Treffs und Essensangebote.

Eine spezialisierte Fachstelle fĂŒr Ehrenamt ĂŒbernimmt hierbei die Beratung fĂŒr Interessierte, um passgenaue Einsatzmöglichkeiten zu vermitteln. Langfristige Strukturen zeigen sich auch in Roding, wo sich im Rahmen eines BRK-Seniorennachmittags eine Gruppe von neun Personen seit ĂŒber 40 Jahren regelmĂ€ĂŸig zum Austausch und zum gemeinsamen Spiel trifft.

Bildung, Wissenstransfer und digitale Kompetenz

Neben physischer MobilitĂ€t rĂŒckt die Vermittlung von Wissen in den Fokus des senioralen Engagements. Am Beruflichen Schulzentrum „Friedrich Siemens“ in Pirna unterrichten zwei Ehrenamtliche des Senior Experten Service (SES) jugendliche Migranten in der deutschen Sprache.

Der 81-jĂ€hrige Eberhard KĂŒhne, der 40 Jahre lang im Brandschutz tĂ€tig war, und der 72-jĂ€hrige Peter Esche, ein ehemaliger Verkaufsleiter, gestalten den Unterricht ohne festen Lehrplan.

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Parallel dazu investieren Kommunen in die digitale Teilhabe. Das Senioren-Netzwerk Kaiserslautern fĂŒhrt unter der Leitung von Horst Hamacher Schulungen zur Smartphone-Nutzung fĂŒr Personen ab 60 Jahren durch.

Das Projekt mit dem Titel „Digitale IdentitĂ€t“ wird finanziell massiv unterstĂŒtzt: Die Fernsehlotterie stellte 102.500 Euro bereit, wĂ€hrend die BĂŒrgerhospitalstiftung weitere 25.000 Euro beisteuerte. Die hohe Nachfrage fĂŒhrt dazu, dass AnfĂ€ngerkurse in der lokalen VerkaufsstĂ€tte bereits vollstĂ€ndig ausgebucht sind.

Gesellschaftliche Integration durch spezialisierte Angebote

ZusĂ€tzlich zu Bildungsangeboten fördern Vereine die kulturelle Teilhabe. In Melle bietet die Malteser Kulturbegleitung seit etwa zwei Jahren AusflĂŒge fĂŒr Senioren an. Mit zwei Kleinbussen werden etwa 15 Teilnehmer ein- bis zweimal monatlich zu Zielen in der Region gefahren. WĂ€hrend der Abholservice kostenfrei ist, tragen die Senioren die Kosten fĂŒr Eintritt und Verpflegung selbst.

In Altenburg hat sich zudem seit etwa einem Jahr die sogenannte „Dorfladen-Gang“ etabliert. Eine Gruppe von bis zu 15 MĂ€nnern trifft sich regelmĂ€ĂŸig donnerstags vormittags im örtlichen Dorfladen zum sozialen Austausch. FĂŒr das Jahr 2027 ist eine Erweiterung dieses Treffpunkts durch ein geplantes TagescafĂ© vorgesehen.

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Aktive Lebensgestaltung und persönliche Projekte

Einige Senioren entscheiden sich im Ruhestand fĂŒr eine FortfĂŒhrung ihrer beruflichen TĂ€tigkeit oder den Beginn neuer Herausforderungen. In Augsburg betreibt die 90-jĂ€hrige Anneliese Hartung weiterhin tĂ€glich ihren Hutsalon im Domviertel. Sie fertigt einen Großteil ihrer Ware selbst an und erklĂ€rte, dass die aktive Arbeit im Laden fĂŒr ihre Gesundheit wesentlich sei.

Andere nutzen die gewonnene Zeit fĂŒr sportliche Höchstleistungen oder akademische Bildung. Zwei MĂ€nner aus Lindau im Alter von 69 und 71 Jahren legten innerhalb von 42 Tagen rund 2.410 Kilometer auf der Donau zurĂŒck, wobei sie von Regensburg bis zum Donaudelta reisten.

In Bielefeld nahm die 70-jÀhrige Lydia Angelike im September 2026 ein Studium an der dortigen UniversitÀt auf. In Essen wiederum widmen sich Senioren im Chor RuhrRockSixties der Interpretation von Rockmusik aus ihrer Jugend und traten damit bereits öffentlich auf.

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