Senioren und KI: Südkorea startet August-Programm für 100 Haushalte
Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 22:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Weltbevölkerung wird immer älter – und digitaler. Kommunen und internationale Organisationen treiben die digitale Transformation voran, um ältere Menschen nicht abzuhängen. Denn bis 2050 wird sich die Zahl der über 65-Jährigen fast verdoppeln: von 530 Millionen im Jahr 2026 auf rund eine Milliarde.
Südkorea setzt auf KI für Senioren
In Südkorea startet der Bezirk Jongno-gu im August 2026 das Programm „Jongno 365 AI Safety Guardian". Bis Dezember erhalten 100 besonders gefährdete Seniorenhaushalte KI-gesteuerte Lautsprecher. Die Geräte überwachen rund um die Uhr, erinnern an Medikamente und bieten kognitive Spiele gegen Einsamkeit.
Auch die Region Chilgok-gun hat ein neues System in 77 Seniorenzentren installiert. Über eine digitale Plattform können ältere Menschen in ländlichen Gebieten an Gesundheitskursen und Sicherheitstrainings teilnehmen. Bürgermeister Kim Jae-wook betont, wie wichtig Technologie sei, um die Kluft zwischen Stadt und Land zu überbrücken.
Brasilien: Digitalführerschein für die Generation 60+
Im brasilianischen Bundesstaat Goiás startet das Programm „Cidadão Tech 60+". 500 Plätze stehen für Senioren ab 60 Jahren in elf Gemeinden bereit. Die Kurse vermitteln praktische Fähigkeiten: sicheres Online-Banking, Nutzung von Gesundheits-Apps und Orientierung in sozialen Medien – direkt auf den eigenen Smartphones der Teilnehmer. Bewerbungen sind noch bis zum 31. August 2026 möglich.
Die größten Hürden: Angst und fehlende Schulung
Trotz aller Smart-City-Initiativen bleiben die Barrieren hoch. In Jamaika sind rund 375.000 Menschen über 60 Jahre alt. Laut Daten der Interamerikanischen Entwicklungsbank fühlen sich 60 Prozent dieser Gruppe im digitalen Raum unsicher. Ministerin Audrey Marks kündigte nun an, die Postämter des Landes zu modernisieren – mit persönlicher Computerhilfe vor Ort. Besonders Probleme mit Passwörtern und fehlende digitale Ausweise bereiten Schwierigkeiten.
In Pretoria, Südafrika, kämpfen Senioren weiterhin mit komplizierten Stadt-Websites und Online-Banking. Zwar bietet die Stadt Apps wie „e-Tshwane" an, doch viele ältere Bewohner verlassen sich lieber auf persönliche Besuche in Behörden oder Hilfe von Verwandten.
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Besonders alarmierend: In Südostasien und Zentralasien – darunter Indien, Vietnam und Kambodscha – haben nur 7,4 Prozent der älteren Menschen eine formelle digitale Schulung erhalten. Der Rest lernt von Familienmitgliedern, wenn überhaupt.
Medellín: Senioren studieren KI und Marketing
Kolumbien zeigt, wie es anders geht. In Medellín haben sich zwischen 2024 und 2026 mehr als 1.300 Menschen im Alter von 50 bis 77 Jahren für weiterführende Studiengänge eingeschrieben. Die Fächer: Künstliche Intelligenz, digitales Marketing und Sprachen. Bewerbungen sind noch bis August 2026 möglich.
In Singapur läuft das Programm „Healthy Precinct", das 2024 als Pilot startete. Mittlerweile ist es auf mehrere Stadtteile ausgeweitet. Unter der Leitung des National University Health Systems nehmen rund 3.000 Senioren an digitalen Schrittwettbewerben und Gesundheitsstationen teil – spielerisch zur besseren Fitness.
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Smarte Städte, zufriedenere Bürger
Der aktuelle BCG Intelligent Cities Index 2026 sieht London, Dubai und New York als Vorreiter beim Einsatz von Technologie für mehr Lebensqualität. Der Index zeigt einen positiven Kreislauf: Mehr KI-Einsatz führt zu höheren Zufriedenheitswerten. Das bestätigt auch eine McKinsey-Studie: Smarte Verwaltung kann die Lebensqualität um 10 bis 30 Prozent steigern – besonders in Entwicklungsländern.
WHO: Einsamkeit ist eine Gesundheitskrise
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft digitale Teilhabe als entscheidend für soziale Verbundenheit ein. Ihre Kommission für soziale Verbindung, gegründet im November 2023, fand heraus: Jeder sechste Mensch weltweit leidet unter Einsamkeit. Fehlende soziale Kontakte erhöhen das Risiko eines vorzeitigen Todes um 30 Prozent – vergleichbar mit den Folgen von Rauchen oder Fettleibigkeit.
Der WHO-Bericht zur sozialen Verbindung vom Juni 2025 veranlasste bereits acht Mitgliedsstaaten, konkrete Maßnahmen gegen Isolation zu ergreifen. Die UN-Dekade für gesundes Altern (2021–2030) fördert zudem eine ganzheitliche, personenzentrierte Versorgung. Bis 2023 hatten 70,6 Prozent der Länder entsprechende Strategien verabschiedet – viele setzen dabei auf digitale Plattformen, um medizinische und soziale Dienste zu vernetzen.
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