Sepsis, Procalcitonin-Tests

Sepsis: Procalcitonin-Tests ermöglichen fast zwei Tage früheres Absetzen

Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 07:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei kritisch kranken Sepsispatienten signalisiert PCT ein früheres Therapieende; im Klinikalltag werden diese Empfehlungen jedoch seltener befolgt.
Reagenzgläser mit medizinischen Proben in einem sterilen Laborumfeld. Illustration mit AI erstellt.

Der gezielte Einsatz von Antibiotika gehört zu den schwierigsten Aufgaben in der Intensivmedizin. Ein zu langes Verabreichen der Medikamente begünstigt Resistenzen, während ein verfrühtes Beenden den Therapieerfolg gefährdet.

Eine Untersuchung unter Federführung der University of Manchester und des Northern Care Alliance NHS Foundation Trust analysiert nun, wie laborchemische Verlaufskontrollen diese Behandlungsentscheidungen präzisieren können.

Die im Fachjournal Anaesthesia veröffentlichte ADAPT-Sepsis-Studie zeigt, dass tägliche Bluttests auf den Biomarker Procalcitonin (PCT) bei kritisch kranken Sepsis-Patienten ein sicheres Absetzen der antimikrobiellen Therapie fast zwei Tage früher ermöglichen als die herkömmliche Überwachung mittels C-reaktivem Protein (CRP).

Procalcitonin zeigt früheren Beendigungszeitpunkt an

Für die Untersuchung werteten die Forschungsteams Daten von 2.760 Patientinnen und Patienten auf 41 Intensivstationen im Vereinigten Königreich aus. Im Rahmen des Projekts, das vom National Institute for Health and Care Research (NIHR) über mehrere Zentren und Netzwerke gefördert wurde, flossen mehr als 17.000 Blutproben in die Analyse ein. Ziel war der direkte Vergleich, inwieweit die beiden Entzündungsmarker verlässliche Signale für die Reduzierung von Antibiotikagaben liefern.

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Dabei generierten die Messungen des PCT-Werts Empfehlungen zum Stoppen der Medikamente fast zwei Tage früher als der Standard-CRP-Test. Die Auswertungen der University of Manchester und des Northern Care Alliance NHS Foundation Trust legten zudem offen, dass der CRP-Spiegel tendenziell eher die ohnehin bestehenden Verschreibungsgewohnheiten des medizinischen Personals widerspiegelte, statt neue zeitliche Einsparpotenziale aufzuzeigen.

Diskrepanz zwischen Laborhinweis und klinischem Alltag

Trotz der früheren Entwarnung durch Procalcitonin zeigte sich in der Praxis ein ambivalentes Bild: Das ärztliche Personal folgte den CRP-basierten Hinweisen häufiger als den Empfehlungen, die sich aus den PCT-Messungen ergaben. Die Forschenden identifizierten mehrere Hauptgründe dafür, weshalb automatisierte Empfehlungen zum Absetzen der antimikrobiellen Behandlung auf den Intensivstationen nicht umgesetzt wurden.

Dazu zählten vor allem mikrobiologische Vorgaben, die eine fixe Therapiedauer definierten, sowie das Fortbestehen schwerer Erkrankungszeichen. Auch anhaltendes Fieber oder erhöhte Entzündungswerte führten dazu, dass Mediziner die Behandlung trotz gegenteiliger Testsignale fortsetzten.

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Bedeutung für intensivmedizinische Entscheidungen

Die Ergebnisse verdeutlichen das Potenzial, aber auch die Hürden bei der Integration von Biomarkern in den klinischen Alltag. Prof. Paul Dark von der University of Manchester und dem Northern Care Alliance NHS Foundation Trust hob hervor, dass einfache Biomarker-Tests dem medizinischen Personal zusätzliche Absicherung bei der anspruchsvollen Entscheidung geben, wann Antibiotika abgesetzt werden können.

Die Daten deuten darauf hin, dass eine konsequentere Orientierung an Markern wie Procalcitonin dazu beitragen kann, die Verweildauer auf Antibiotika ohne Sicherheitsverlust für kritisch Kranke zu verkürzen.

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