Sextortion-Betrug: Bundesministerium warnt vor Erpressungs-Explosion
27.06.2026 - 23:29:50 | boerse-global.de
Das Bundesministerium für Cyber-Angelegenheiten schlägt Alarm: Eine neue Welle von Sextortion-Mails überschwemmt die Postfächer deutscher Nutzer. Die Täter setzen dabei auf eine perfide Masche – sie nutzen alte, gestohlene Passwörter, um ihre Opfer einzuschüchtern.
Bluff mit System: So funktioniert der Betrug
Die Masche ist simpel, aber wirkungsvoll. Kriminelle greifen auf Passwörter aus früheren Datenlecks zurück und präsentieren sie ihren Opfern als angeblichen Beweis für einen Hackerangriff. Die Botschaft ist immer dieselbe: Man habe den Rechner des Empfängers geknackt und kompromittierendes Videomaterial aufgezeichnet.
Doch das Ministerium stellt klar: Diese Mails sind reine Bluffs. Die Absender haben weder Zugriff auf die Geräte noch belastendes Material. Ihr Ziel ist es schlicht, Angst zu verbreiten und Lösegeld zu erpressen.
Die Behörde rät dringend davon ab, auf die Forderungen einzugehen oder gar mit den Absendern zu kommunizieren. Stattdessen sollten Betroffene prüfen, ob ihre Zugangsdaten tatsächlich in bekannten Datenlecks aufgetaucht sind – etwa über Dienste wie haveibeenpwned.com.
Aktuelle Fälle: Hohe Lösegeldforderungen
Die Warnung kommt nicht von ungefähr. Erst am gestrigen Freitag meldete der Wissenschaftler Dr. John G. Keogh den Erhalt einer solchen Erpressungsmail. Die Täter forderten umgerechnet rund 1.300 Euro in Kryptowährung.
Noch brisanter: Am heutigen Samstag erreichte das US-Klatschportal TMZ eine anonyme Mail mit einer noch dreisteren Forderung. Der Absender behauptete, Videomaterial zum Verschwinden der 84-jährigen Nancy Guthrie – Mutter der bekannten TV-Moderatorin Savannah Guthrie – zu besitzen. Auch hier: Lösegeld in Bitcoin. Der Fall wurde inzwischen an das FBI übergeben.
Erschreckende Zahlen: Explosion der Erpressungsfälle
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Die Statistik spricht eine deutliche Sprache. Das Internet Crime Complaint Center (IC3) des FBI verzeichnete 2024 bereits 54.936 Beschwerden im Zusammenhang mit Sextortion. Der finanzielle Schaden: umgerechnet rund 31 Millionen Euro – ein Anstieg um 59 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Der Trend setzt sich fort: 2025 gingen über 75.000 Meldungen ein. Besonders alarmierend: Mehr als 5.700 Fälle betrafen Minderjährige. Diese wurden an das National Center for Missing & Exploited Children (NCMEC) weitergeleitet.
So schützen Sie sich – und so reagieren Sie richtig
Cybersicherheitsexperten empfehlen einen dreistufigen Schutz:
- Bestandsaufnahme: Führen Sie eine Liste aller aktiven Geräte und Online-Konten.
- Starke Passwörter: Nutzen Sie für jeden Dienst ein eigenes, komplexes Passwort.
- Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA): Aktivieren Sie diese Sicherheitsfunktion überall, wo es möglich ist.
Wer dennoch eine Erpressungsmail erhält, sollte folgende Schritte befolgen:
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- Nicht antworten und auf keine Links klicken
- Kein Geld überweisen – auch nicht in Kryptowährung
- Anzeige erstatten – bei offiziellen Stellen wie der Polizei oder dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)
- Mail löschen – aber erst nach der Meldung bei den Behörden
Die Botschaft der Ermittler ist eindeutig: Wer zahlt, macht sich nicht nur zum Opfer, sondern finanziert auch die nächste Betrugswelle.
