SGLT2-Hemmer, Ketoazidose-Risiko

SGLT2-Hemmer: Ketoazidose-Risiko bleibt dauerhaft erhöht

Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 11:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine skandinavische Analyse mit 280.000 Betroffenen zeigt ein anhaltend erhöhtes Ketoazidose-Risiko unter SGLT2-Hemmern, besonders zu Therapiebeginn.

SGLT2-Hemmer: Studie zeigt dauerhaft erhöhtes Ketoazidose-Risiko
Ein steriler Labortisch mit medizinischen Instrumenten und Glasgeräten in einer neutralen klinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

In der medikamentösen Behandlung des Typ-2-Diabetes nehmen SGLT2-Inhibitoren einen zentralen Stellenwert ein. Eine im September 2026 in der Fachzeitschrift Lancet Diabetes & Endocrinology veröffentlichte skandinavische Kohortenstudie liefert nun neue Erkenntnisse zur Sicherheit dieser Wirkstoffgruppe, insbesondere im Hinblick auf das Risiko einer diabetischen Ketoazidose.

Langzeitbeobachtung skandinavischer Patientendaten

Die groß angelegte Studie stützt sich auf Daten von insgesamt 280.000 Personen mit Typ-2-Diabetes aus Schweden, Dänemark und Norwegen. Über einen Beobachtungszeitraum von median 1,3 Jahren dokumentierten die Forscher 1.452 Fälle von Ketoazidose. Die Analyse zeigt einen deutlichen zeitlichen Zusammenhang: Das Risiko für diese schwerwiegende Stoffwechselentgleisung ist unmittelbar nach Beginn der Therapie am höchsten.

Den Ergebnissen zufolge bleibt das Risiko jedoch über den gesamten Behandlungsverlauf hinweg dauerhaft auf einem erhöhten Niveau. Als häufigster Auslöser für eine Ketoazidose unter der Anwendung von SGLT2-Hemmern wurden Infektionen identifiziert.

Identifizierte Risikofaktoren und Patientengruppen

Die Studienautoren benennen konkrete Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit einer Ketoazidose unter SGLT2-Hemmern steigern. Dazu gehören insbesondere hohe HbA1c-Werte sowie ein niedriger Body-Mass-Index (BMI). Auch Mangelernährung und vorangegangene Episoden von Ketoazidosen oder Hypoglykämien erhöhen das Risiko für die betroffenen Patienten deutlich.

Flankiert werden diese medizinischen Erkenntnisse durch administrative Anpassungen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat Anfang September 2026 eine Aktualisierung der Arzneimittelliste veröffentlicht.

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In diesem Zusammenhang endeten im Sommer 2026 die Wirkstoff-Benennungen für bestimmte Präparate, darunter die Kombination aus Dapagliflozin und Saxagliptin. Solche Maßnahmen werden als reine Verwaltungsakte ohne Auswirkungen auf die generelle Zulassung oder Verfügbarkeit der Wirkstoffe gewertet.

Entwicklungen im Bereich der Diabetes-Therapie

Während die Sicherheit bestehender Wirkstoffe weiter erforscht wird, erweitert sich das Spektrum der Diabetes-Behandlung durch neue Therapieoptionen und Forschungsergebnisse.

So deuten Untersuchungen der Universität Kopenhagen, die im Spätsommer 2026 präsentiert wurden, darauf hin, dass Statine das Demenzrisiko bei Typ-2-Diabetes um 10 bis 15 Prozent senken können. Die Beobachtungsstudie an 132.000 dänischen Patienten betont dabei den Nutzen einer frühzeitigen Einnahme.

Gleichzeitig kommen neue Darreichungsformen auf den Markt. Seit September 2026 ist orales Semaglutid in Tablettenform in Deutschland zur Adipositastherapie verfügbar. Die zugrunde liegende OASIS-4-Studie zeigte dabei eine Gewichtsabnahme von circa 17 Prozent.

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Auch in der pädiatrischen Versorgung gibt es Fortschritte: Bei Kindern im Alter von 6 bis 11 Jahren führte eine Therapie mit Semaglutid dazu, dass nach 68 Wochen 40,4 Prozent der Probanden nicht mehr als fettleibig eingestuft wurden.

Investitionen in die Versorgungssicherheit

Um die langfristige Verfügbarkeit von Basismedikamenten wie Insulin sicherzustellen, werden zudem industrielle Kapazitäten ausgebaut. Die EU-Kommission genehmigte im September 2026 staatliche Unterstützungen in Höhe von 400 Millionen Euro für den Bau einer neuen Insulinfabrik in Frankfurt-Höchst.

Sanofi plant dort bis Ende 2032 eine Anlage, die ab Ende 2042 jährlich mindestens 1,1 Tonnen Insulin produzieren soll. Bis 2029 investiert das Unternehmen insgesamt 1,3 Milliarden Euro in den Standort, um die Versorgung im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) zu stabilisieren.

Technologisch ergänzt wird die medikamentöse Therapie durch eine zunehmende Vernetzung. In Deutschland sind mittlerweile moderne AID-Systeme verfügbar, die Insulinpumpen mit kontinuierlicher Glukosemessung (CGM) kombinieren. Branchenangaben zufolge nutzen bereits über 30 Prozent der Typ-1-Diabetiker in Deutschland solche automatisierten Systeme.

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de | wissenschaft | 70074476 |