Shamonda-Virus, Rinderkrankheiten

Shamonda-Virus breitet sich in Deutschland aus – Folgen für trächtige Rinder offen

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Das Shamonda-Virus hat sich bei Rindern in Deutschland weit verbreitet. Für Menschen besteht nach Einschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts derzeit keine direkte Gefahr – offen ist vor allem, welche Folgen die Infektionen für trächtige Tiere und Pferde haben.

Das Shamonda-Virus, das unter anderem Rinder infiziert, ist neu in Deutschland und hat sich rasch verbreitet. Auch andere Tiere sind betroffen. (Archivbild) - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Das Shamonda-Virus, das unter anderem Rinder infiziert, ist neu in Deutschland und hat sich rasch verbreitet. Auch andere Tiere sind betroffen. (Archivbild) - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Das erstmals in diesem Sommer bei Rindern in Deutschland nachgewiesene Shamonda-Virus ist inzwischen in fast allen Bundesländern festgestellt worden und betrifft nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) Tausende Betriebe.

Virus in fast ganz Deutschland

Keine Nachweise gibt es bislang aus Mecklenburg-Vorpommern sowie den drei Stadtstaaten. Die Infektion ist nicht meldepflichtig, deshalb dürfte die Zahl der tatsächlich infizierten Tiere höher liegen als die Zahl der bekannten Nachweise.

FLI-Vizepräsident Martin Beer sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Nachgewiesen wird nur die Spitze des Eisbergs.» Die meisten Tiere zeigten keine oder nur milde Symptome. Möglich seien Fieber, ein vorübergehender Rückgang der Milchleistung und Durchfall.

Folgen für trächtige Rinder offen

Bei infizierten Rindern seien bereits wenige Aborte registriert worden. Erst in den kommenden Monaten bis Anfang nächsten Jahres werde sich zeigen, ob Totgeburten und Missbildungen häufig oder selten auftreten.

Beer verwies auf Erfahrungen mit dem verwandten Schmallenberg-Virus. Wurden Schafe in einer bestimmten Phase der Trächtigkeit infiziert, seien bei bis zu 30 Prozent der Föten Missbildungen festgestellt worden.

Zwei Varianten in Europa

Die ersten Nachweise der neuen Shamonda-Varianten stammen aus Juli und August aus Süddeutschland, Frankreich und der Schweiz. Das Virus ist seit den 1960er-Jahren zunächst aus Afrika und später auch aus Teilen Asiens bekannt.

Das FLI unterscheidet inzwischen zwei Varianten: Shamonda-Virus Europe 1 (SHAV-EU1) und Shamonda-Virus Europe 2 (SHAV-EU2). SHAV-EU1 wurde neben Rindern auch bei Schafen, Ziegen, Pferden und einem Alpaka nachgewiesen; SHAV-EU2 bislang nur bei Rindern.

Ăśbertragung durch Gnitzen

Übertragen wird das Virus durch Gnitzen, sehr kleine Stechmücken. Beer hält es für möglich, dass der Erreger in einem solchen Insekt per Luftfracht nach Europa gelangte. Hohe Sommertemperaturen begünstigten anschließend die Vermehrung des Virus in den Gnitzen.

Pferde mit GehirnentzĂĽndungen

Neu für Shamonda sind Nachweise bei Pferden. In Deutschland starben nach Angaben Beers bislang drei Tiere; bei ihnen wurden Gehirnentzündungen und hohe Viruslasten im Gehirn festgestellt. Auch aus der Schweiz wurden neurologische Schäden gemeldet.

Das FLI entwickelt Antikörpertests, um die Verbreitung besser zu erfassen. Eine überstandene Infektion führe zu einer guten Immunität. Einen Impfstoff gegen das Shamonda-Virus gibt es bislang nicht.

Keine Hinweise auf Gefahr fĂĽr Menschen

FĂĽr Menschen und Verbraucher sieht Beer derzeit keine direkten Auswirkungen. Es gebe keinerlei Hinweise auf ein zoonotisches Potenzial; auch von Milch und anderen Erzeugnissen gehe keine Gefahr aus.

Der Name des Virus geht laut Beer auf den Stadtteil Samonda in der nigerianischen Stadt Ibadan zurĂĽck, aus dem die Probe eines Rindes stammte, anhand derer der Erreger 1965 erstmals beschrieben wurde.

Ausbreitung ĂĽber Vektoren

Das Shamonda-Virus gehört zu den durch Gnitzen übertragenen Tierseuchen. Diese winzigen Stechmücken können das Virus zwischen empfänglichen Tieren weitergeben. Für die Entwicklung und Vermehrung des Erregers in den Insekten sind warme Bedingungen besonders günstig.

Die in Deutschland festgestellten Varianten SHAV-EU1 und SHAV-EU2 weisen auf mindestens zwei voneinander unabhängige Einträge nach Europa hin. Dass Nachweise in mehreren Tierarten vorliegen, erweitert die veterinärmedizinische Bedeutung des Geschehens über Rinderbestände hinaus. Zugleich bleibt entscheidend, wie viele Infektionen tatsächlich unentdeckt bleiben, weil die Krankheit oft mild oder ohne erkennbare Symptome verläuft.

Entscheidende Monate fĂĽr die Landwirtschaft

Die größte Unsicherheit betrifft trächtige Tiere. Da Rinder rund neun Monate trächtig sind, wird sich erst im weiteren Verlauf zeigen, welchen Anteil Fehlgeburten, Totgeburten oder Fehlbildungen an den Folgen der aktuellen Infektionswelle haben. Für betroffene Betriebe kann das wirtschaftliche Auswirkungen auf Nachwuchs, Milchleistung und Bestandsplanung haben.

Bei Pferden erhält das Geschehen eine zusätzliche Dimension, weil neurologische Erkrankungen und Todesfälle dokumentiert wurden. Antikörpertests sollen helfen, die tatsächliche Verbreitung besser zu erfassen. Für Verbraucher ergibt sich nach der vorliegenden fachlichen Einschätzung weder durch Rinder noch durch Milch eine unmittelbare Gefahr; die Beobachtung konzentriert sich auf Tiergesundheit und mögliche Folgeschäden in den Beständen.

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