Shein-Textilien, PFAS

Shein-Textilien: PFAS bis 12.000-fach über EU-Grenzwert

29.06.2026 - 17:42:40 | boerse-global.de

Shein-Produkte überschreiten Chemiegrenzwerte massiv, während Secondhand-Modelle und Premium-Labels auf Nachhaltigkeit setzen.

Modebranche im Wandel: Gesundheitsrisiken bei Shein und Secondhand-Boom
Shein-Textilien - Nahaufnahme von Secondhand-Kleidung, die ordentlich gefaltet oder aufgehängt ist, mit Fokus auf Texturen und Farben. 29.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Während Behörden die Risiken von Ultra-Fast-Fashion stärker in den Blick nehmen, wachsen alternative Konsummodelle und wertebasierte Markenstrategien.

Gesundheitsgefahr aus dem Niedrigpreissegment

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat gemeinsam mit dem Bremer Umweltinstitut Billigtextilien unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist alarmierend: Von 18 untersuchten Shein-Kleidungsstücken überschritten sieben die EU-Grenzwerte für Chemikalien deutlich.

Besonders krass fiel der Befund bei einer Kinderjacke aus. Die Belastung mit per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) lag um das 1.100-fache über dem erlaubten Maß. Bei einer Teenager-Jacke war der Wert sogar 12.000-fach erhöht. Auch der Weichmacher DEHP tauchte auf – in Damenstiefeln erreichte die Konzentration das 179-fache des Grenzwerts.

Shein nahm die betroffenen Produkte aus dem Sortiment. Die EU-Kommission leitete Ermittlungen auf Basis des Digital Services Act (DSA) ein.

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Secondhand-Mode im Aufwind

Parallel zur Kritik an Neuware wächst das Interesse an Kreislaufwirtschaft. Ein Problem: Viele Verbraucher halten gebrauchte Kleidung für unhygienisch. Die Initiative „FREE FASHION“ will das ändern. Anfang Februar 2026 startete sie eine Kampagne, die die Sauberkeit von Secondhand-Ware mit Alltagsprodukten vergleicht.

Auch der niederländische Betrieb 2Switch setzt auf neue Konsummodelle. Bereits im November 2025 veranstaltete er einen „Green Friday“ – eine Alternative zum klassischen Rabattwahnsinn. Ziel: den Fokus von Neukonsum auf Wiederverwendung lenken.

Premium-Label setzen auf Langlebigkeit

Im gehobenen Segment setzen Unternehmen verstärkt auf klare Werte und Qualität. Das Berliner Label Ivy Oak feierte kürzlich sein zehnjähriges Bestehen. Gründerin Caroline Gentz startete 2015 mit Anlassmode – heute vertreibt das Label seine Produkte über namhafte Handelshäuser und Online-Plattformen.

Die wirtschaftliche Struktur verändert sich ebenfalls. Im Oktober 2025 übernahm die dänische DK Company die Mehrheit an Ivy Oak. Der Firmensitz wanderte nach Kopenhagen, das Kreativstudio blieb in Berlin. Die Entwicklung zeigt: Auch Premium-Mode braucht die Verbindung von gestalterischer Identität und effizienten Vertriebsstrukturen.

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Ressourceneffizienz als gesellschaftlicher Trend

Die Bestrebungen zur Abfallvermeidung gehen über die Textilbranche hinaus. Ein Dialogforum in der Gastronomie erarbeitete zwischen 2019 und 2021 Maßnahmen zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen. Angesichts von jährlich 1,9 Millionen Tonnen Abfall (Stand 2020) wurden klare Ziele vereinbart: 30 Prozent weniger bis 2025, 50 Prozent weniger bis 2030.

Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung untermauert die Dringlichkeit. Eine im Jahr 2026 veröffentlichte Studie warnt: Bereits eine globale Erwärmung von 1,5 bis 1,9 Grad könnte in Kombination mit fortschreitender Entwaldung das Ökosystem des Amazonas gefährden. Für alle Konsumgüterbranchen heißt das: Der Druck auf nachhaltigere Lieferketten und Produktionsweisen steigt weiter.

de | wissenschaft | 69654106 |