Shengong-Huatuo: 27 Patente für TCM-Reha-System mit Roboterarm angemeldet
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 06:01 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie wissenschaftliche Überprüfung der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) nach modernen Standards der evidenzbasierten Medizin gewinnt an Dynamik.
Ein maßgeblicher Meilenstein war die Erstveröffentlichung der multizentrischen CHAIN-Studie in der Fachzeitschrift The Lancet am 12. November 2024. Es handelte sich um die erste multizentrische klinische Studie zu Verfahren der traditionellen chinesischen Heilkunde in der seit dem Jahr 1823 bestehenden, mehr als 200-jährigen Geschichte des renommierten Journals. Die Veröffentlichung markierte eine Zäsur für die internationale Wahrnehmung klinischer Prüfungen aus diesem Fachgebiet.
Klinische Studien zwischen Placebo-Effekt und Dosiswirkung
Die Ergebnisse methodisch anspruchsvoller Studien zeigen ein differenziertes Bild therapeutischer Effekte. Eine im Jahr 2025 unter Leitung des Peking Union Medical College Hospital mit 14 chinesischen Krankenhäusern durchgeführte Untersuchung an 120 Patienten mit akutem Hirninfarkt überprüfte das Präparat An Gong Niu Huang Wan.
Die Patienten wurden in zwei Gruppen aufgeteilt, von denen eine zusätzlich die Arznei erhielt. Das Resultat wies für das Mittel keine spezifische Wirksamkeit über einen Placebo-Effekt hinaus nach.
Li Hongzheng kommentierte dazu, dass es sich um eine bitter-kalte Arznei für Hitze-Syndrome handle, die Mehrheit der Akutpatienten jedoch Kälte-Syndrome aufweise; bei einer größeren Stichprobe über die 60 Patienten der Verum-Gruppe hinaus könnten sich zudem Risiken zeigen.
Demgegenüber belegen andere Untersuchungen messbare physiologische Effekte. Eine randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Studie des Teams um Tong Xiaolin vom Guang'anmen-Krankenhaus und Zhao Liping von der Peking Jiaotong-Universität, publiziert im The ISME Journal, untersuchte Gegen Qinlian Tang an 187 Patienten mit Typ-2-Diabetes über zwölf Wochen.
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Das Präparat senkte den Nüchtern blutzucker sowie den HbA1c-Wert dosisabhängig, während in der Placebo- und der Niedrigdosisgruppe keine signifikanten Veränderungen der Darmflora oder Symptome auftraten.
Mittels Hochdurchsatz-Sequenzierung von Bakterien-DNA aus Stuhlproben identifizierten die Forscher aus über 4000 Bakterienarten eine Art, die nach der Medikamentengabe signifikant anstieg und negativ mit dem Nüchternblutzucker sowie dem HbA1c korrelierte.
Pharmakologische Mechanismen und technologische Verknüpfungen
Auf zellulärer Ebene analysierte ein Team der Gansu University of Chinese Medicine im Journal of Ethnopharmacology (Impact Factor 5,4) das Kräuterpaar Danggui-Baishao gegen CCl4-induzierte Leberfibrose bei Ratten. Die Kombination senkte erhöhte Serumwerte von ALP, AST, ALT, Col-IV, PCIII, HA und LN sowie hepatische Zytokine wie IL-6, IL-1? und TNF-?. Im Blut wurden 19 Bestandteile nachgewiesen.
Analysen zur Netzwerkpharmakologie identifizierten 453 Schnittstellen zwischen 608 Zielstrukturen der Arznei und 6711 krankheitsrelevanten Zielstrukturen, darunter AKT1, IL6, HSP90AA1 und TLR4. Molekulardockings belegten die Bindung von fünf Kern-Targets an aktive Substanzen wie Kaempferol, Benzoyl-Paeoniflorin, Albiflorin, Paeoniflorin und Ligustilid A. Mittels Western Blot wurde nachgewiesen, dass die Arznei über den PI3K/Akt/NF-?B-Signalweg wirkt, indem sie unter anderem TLR4, p-PI3K und p-AKT senkte und I?B? wieder ansteigen ließ.
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Parallel treiben Forschungseinrichtungen die Verknüpfung mit Medizintechnik voran. Das von der Tianjin-Universität gemeinsam mit der Chinesischen Akademie der Chinesischen Medizin entwickelte System „Shengong-Huatuo" schloss jüngst Prototypentests ab. Es nutzt eine Gehirn-Computer-Schnittstelle zur Dekodierung von Bewegungsabsichten, um bionische Elektroakupunktur und einen Roboterarm zu steuern.
In einer Vorstudie an 30 Patienten mit Schlaganfall-Hemiplegie zeigte sich nach vier Wochen eine Verbesserung der motorischen Funktion der oberen Extremitäten um durchschnittlich 42 Prozent.
Für das modulare System wurden 27 Patente angemeldet; die Markteinführung in Rehabilitationseinrichtungen ist für das Jahr 2027 geplant. Zugleich verschärft die Staatliche Arzneimittelaufsicht Chinas die Vorgaben zur Nachregistrierung und zu Sicherheitsdaten, was Anpassungen im Produktangebot der Hersteller zur Folge hat.
