Shingrix, Demenz

Shingrix und Demenz: Studie sieht 24 Prozent geringeres Risiko über vier Jahre

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 04:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Beobachtungsdaten verbinden Shingrix mit weniger Demenzdiagnosen, belegen aber keine ursächliche Schutzwirkung.

Shingrix-Impfung: Studien finden Zusammenhang mit späterer Demenz
Ein sonnendurchfluteter, ruhiger Raum in einer modernen Pflegeeinrichtung mit Blick in einen grünen Garten. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Untersuchungen liefern zunehmend Hinweise darauf, dass der Gürtelrose-Impfstoff Shingrix den Ausbruch von Demenzerkrankungen bei älteren Erwachsenen hinauszögern könnte. Verschiedene Beobachtungsdaten aus den USA und Großbritannien belegen eine statistische Verbindung zwischen der Impfung und einer geringeren oder verzögerten Demenzinzidenz. Fachleute betonen jedoch, dass die Daten bislang keine ursächliche Wirkung belegen.

Daten der Brown University zu Pflegeeinrichtungen

Eine Untersuchung der Brown University School of Public Health unter Leitung von Kaleen Hayes analysierte die Daten von 509.926 Bewohnern von Pflegeeinrichtungen ab einem Alter von 66 Jahren im Rahmen des Medicare-Programms zwischen 2017 und 2022. Zu Beginn der Beobachtung lag bei den Teilnehmern keine Demenzdiagnose vor.

Die Auswertung ergab, dass eine Impfung mit Shingrix das Demenzrisiko über einen Zeitraum von vier Jahren um 24 Prozent senkte (relatives Risiko 0,76; 95%-Konfidenzintervall 0,69–0,84).

Das kumulative Vier-Jahres-Risiko betrug 18,8 Prozent bei geimpften Personen gegenüber 24,6 Prozent bei ungeimpften, was einer Differenz von 5,81 Prozentpunkten entspricht. Hayes ordnete diesen Unterschied so ein, dass in dieser Gruppe rechnerisch einer von 17 Demenzfällen vermieden worden sei.

Insgesamt hatten 8.843 Personen in der Kohorte Shingrix erhalten; das mittlere Alter lag bei 79 Jahren. Lediglich 1,73 Prozent der Bewohner erhielten innerhalb von zwölf Monaten nach Aufnahme mindestens eine Dosis, wovon 87 Prozent nach der Entlassung geimpft wurden.

Der beobachtete Effekt fiel bei Männern mit einem relativen Risiko von 0,82 schwächer aus als bei Frauen mit 0,75. Bei Personen mit einer früheren Zostavax-Impfung lag der Wert bei 0,86 im Vergleich zu 0,75 bei zuvor Ungeimpften.

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Eine parallele Analyse von über 500.000 beziehungsweise 501.258 Personen ab 66 Jahren in ambulanten oder langen stationären Settings zeigte mittels eines simulierten randomisierten Designs ebenfalls eine statistisch signifikant geringere Demenzinzidenz.

Die Autoren verweisen jedoch auf Limitationen: Die Registerdaten könnten Diagnose- und Kodierungsfehler enthalten, viele Datensätze seien unvollständig gewesen, und Verzerrungseffekte wie der Healthy-Vaccinee-Bias ließen sich nicht ausschließen. Die Studie wurde von GSK finanziert; der Hersteller hatte keinen Einfluss auf Studiendesign, Datenerhebung, Analyse oder Veröffentlichung.

Frühere Studien und vergleichende Analysen

Die Ergebnisse reihen sich in frühere Auswertungen ein. Eine Studie der Universität Oxford aus dem Jahr 2024 unter Beteiligung von Taquet, Todd und Harrison verglich rund 200.000 US-Bürger und nutzte den Übergang von Zostavax auf Shingrix, um methodische Verzerrungen zu reduzieren.

Shingrix verlängerte die diagnosefreie Zeit im Vergleich zu Zostavax um 17 Prozent beziehungsweise im Schnitt um 164 zusätzliche Tage über sechs Jahre hinweg. Der Effekt lag bei Frauen bei 22 Prozent und bei Männern bei 13 Prozent.

Taquet betonte, dass der Schutz in den ersten Jahren am stärksten war und danach nachließ; es handele sich um eine kontrollierte Assoziation ohne Kausalitätsnachweis. Eine Studie aus Bristol vom Juli 2024 fand hingegen in englischen Krankenhausdaten keine Evidenz für einen Schutzeffekt durch Zostavax.

Ein Naturexperiment aus Wales aus dem Jahr 2025 zeigte über sieben Jahre hinweg um 8,5 Prozent niedrigere Demenzraten in der impfberechtigten Gruppe bei Frauen, nach statistischer Bereinigung um fast 20 Prozent. Eine Stanford-Veröffentlichung im Fachjournal Cell aus dem Jahr 2025 dokumentierte zudem einen Rückgang leichter kognitiver Störungen.

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Biologische Hypothesen und globale Einordnung

Der Neurologe Augusto Penalva de Oliveira vom Einstein Hospital Israelita führt als möglichen Wirkmechanismus an, dass chronische Entzündungen zusammen mit Alterungsprozessen körpereigene Reparaturmechanismen schwächen und das Virus mit Demenz sowie vaskulären Ereignissen wie Schlaganfällen verknüpft sei.

Forschende mahnen zugleich zur Vorsicht: Eine längere diagnosefreie Zeit bedeute nicht zwangsläufig eine längere Zeitspanne ohne eigentliche Erkrankung.

Shingrix senkt das Gürtelrose-Risiko ab einem Alter von 50 Jahren laut klinischen Studien um 97,2 Prozent und ab 70 Jahren um rund 90 Prozent bei einem Schutz von mindestens zehn Jahren; die US-Arzneimittelbehörde FDA erteilte im Oktober 2017 die Zulassung.

Zostavax, 2006 zugelassen, wies bei über 70-Jährigen eine Schutzwirkung von unter 40 Prozent auf. Behörden wie die CDC empfehlen Shingrix mit zwei Dosen für Gesunde ab 50 Jahren sowie für Immungeschwächte ab 19 Jahren. In Brasilien empfiehlt die SBIm die Vakzine ab 50 Jahren im Privatsektor.

In der Türkei ist das Vakzin laut EKMUD-Leitlinie 2024 ab 50 Jahren beziehungsweise ab 18 Jahren für Immungeschwächte empfohlen, jedoch nicht im staatlichen Impfplan und ohne Demenz-Präventionszulassung. In Indonesien belaufen sich die Kosten im Privaterwerb auf etwa 2 bis 3 Millionen Rupiah pro Dosis.

In Großbritannien verdoppelten sich die privaten Shingrix-Buchungen beim Anbieter Boots im Vorjahr, während Superdrug ein Plus von 41 Prozent im Jahresvergleich verzeichnete.

Alzheimer's Research UK empfiehlt die Impfung derzeit nicht speziell zur Demenzvorbeugung; zwei groß angelegte Studien in Finnland und Dänemark untersuchen den Zusammenhang derzeit weiter. Weltweit leben fast 60 Millionen Menschen mit Demenz; bis 2040 wird ein Anstieg auf über 100 Millionen prognostiziert.

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