Signal-Konten, Bundestagsabgeordnete

Signal-Konten gehackt: Bundestagsabgeordnete im Visier von Spionen

Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 22:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Hacker nutzen zunehmend generative KI für gezielte Angriffe auf Regierungen und Diplomaten. Neue Malware und Phishing-Kampagnen bedrohen verschlüsselte Kommunikation.

KI-gestützte Spionage: Neue Cyberangriffe auf Regierungen
Cybersecurity Operations Center mit digitaler Weltkarte und Datenströmen auf Monitoren, die globale Cyber-Spionage darstellen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Hacker greifen gezielt Regierungen, Diplomaten und Geheimdienste an – mit immer raffinierteren Methoden.

Die globale Bedrohungslage im Cyberspace hat eine neue Dimension erreicht. Sicherheitsfirmen und Nachrichtendienste haben eine Reihe koordinierter Spionagekampagnen aufgedeckt, die sich gegen staatliche Einrichtungen, Verteidigungsbeamte und internationale Organisationen richten. Besonders brisant: Die Täter setzen zunehmend auf generative Künstliche Intelligenz und hochspezialisierte Schadsoftware, um diplomatische Geheimnisse zu stehlen und verschlüsselte Kommunikation zu knacken.

KI-gestützte Phishing-Attacken auf dem Vormarsch

Sicherheitsforscher beobachten einen deutlichen Wandel hin zu KI-assistierten Taktiken. Die als APT42 bekannte Gruppe, die dem iranischen Geheimdienst zugerechnet wird, hat generative KI in ihre „SpearSpecter“-Kampagne integriert. Die Hacker recherchieren ihre Opfer minutiös und erschaffen extrem überzeugende Fake-Identitäten und Übersetzungen. Laut Berichten von DarkAtlas und der israelischen Nationalen Digitalagentur hat die Gruppe ihre Aktivitäten nach den Militärschlägen Ende Februar 2026 deutlich verstärkt.

Die Angriffskette ist komplex: Spezielle URI-Handler und PowerShell-Befehle schleusen die Hintertür TAMECAT ein. Diese Malware zielt gezielt auf hochrangige Verteidigungsbeamte und deren Familien ab – und bleibt selbst nach Passwortwechseln auf den Systemen aktiv.

Auch die pro-ukrainische Gruppe Paper Werewolf (auch GOFFEE genannt) setzt auf KI-generierte Köderdokumente, um russische Rüstungsfirmen zu infiltrieren. Die Angreifer interessieren sich besonders für Hersteller von Luftabwehrsystemen und Elektronik – und verschaffen sich so Einblicke in Produktionszyklen und Forschung.

Neue Schadsoftware-Familien unter Druck

Das russische Sicherheitsunternehmen Kaspersky hat die GoSerpent-Kampagne entdeckt, die gezielt Regierungs- und Diplomaten-Netzwerke in Südostasien angreift. Der auf Go basierende Trojaner ist seit 2021 in verschiedenen Varianten aktiv. Die neueste Version tauchte Anfang dieses Jahres auf. Besonders perfide: Die Angreifer bleiben wochenlang in den Systemen verborgen, bevor sie Daten abfließen lassen.

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Im Nahen Osten wurde zwischen dem 7. und 9. Juli 2026 die TELESHIM-Kampagne registriert. Forscher von Zscaler ThreatLabz dokumentierten eine mehrstufige Windows-Malware, die Telegram-Bots zur Steuerung nutzt. Die Ziele liegen im Nahen Osten – die Täter vermutlich in Ostasien.

Auch europäische Institutionen geraten zunehmend unter Beschuss. Infoblox Threat Intel meldete am 22. Juli 2026 eine Adversary-in-the-Middle (AiTM) -Phishing-Kampagne gegen die Vereinten Nationen und EU-Behörden. Die Angreifer verschicken E-Mails mit Beschaffungsthemen, um die Zwei-Faktor-Authentifizierung zu umgehen und Sitzungstoken zu stehlen. Die betrügerischen Seiten hosten sie auf kompromittierten, aber scheinbar harmlosen Websites.

Angriffe auf verschlüsselte Kommunikation

Die deutsche Bundesanwaltschaft ermittelt derzeit gegen eine Serie von Spionageangriffen auf Signal-Konten von Bundestagsabgeordneten. Das Verfahren läuft seit Ende April 2026. Die Hacker verschicken Phishing-Nachrichten, die vorgeben, vom Signal-Support zu stammen, um Zugang zu privaten Chats und Dateien zu erhalten. Zu den prominenten Zielen gehören Bundestagspräsidentin Julia Klöckner sowie mehrere Abgeordnete verschiedener Fraktionen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat mehrfach gewarnt – zuletzt im Juli 2026.

In Polen bestätigte Vize-Premierminister Krzysztof Gawkowski, dass das Land täglich Cyberangriffen auf kritische Infrastruktur ausgesetzt ist. Die Täter geben sich dabei oft als hochrangige Regierungsvertreter auf Plattformen wie Signal und WhatsApp aus, um Spionage zu betreiben und Desinformation zu verbreiten.

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Massive Datenlecks und Überwachung

Ein schwerwiegender Datenabfluss beim südkoreanischen Außenministerium wurde in diesem Monat bekannt. Die Hacker hatten von April 2025 bis Februar 2026 Zugriff auf die E-Learning-Server der Korea National Diplomatic Academy. 10.000 Datensätze mit Namen und E-Mail-Adressen von Diplomaten und Geheimdienstmitarbeitern wurden gestohlen.

Die Nutzung kommerzieller Spyware bleibt ein zentrales Problem. Das Citizen Lab berichtet, dass der ehemalige EU-Abgeordnete Stelios Kouloglou mit der Pegasus-Spyware infiziert wurde – während er selbst über diese Software forschte. Die Infektionen wurden im Oktober 2022 und März 2023 entdeckt. Zudem hat ein Whistleblower Beweise vorgelegt, wonach die marokkanische Regierung Pegasus zur Überwachung von Journalisten einsetzte. Marokko und der Spyware-Hersteller NSO Group haben dies bislang bestritten.

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