Signal-Phishing: Hacker greifen Journalisten seit 27. Mai an
02.06.2026 - 09:21:20 | boerse-global.deDie Sicherheitsbehörden in Jammu und Kaschmir haben mehrere Spionageversuche des pakistanischen Geheimdienstes ISI aufgedeckt. Die TĂ€ter nutzten dabei sogenannte âHoneytrapâ-Methoden ĂŒber soziale Netzwerke â eine Taktik, die weltweit auf dem Vormarsch ist.
Festnahmen und Rettungsaktionen
Eine gemeinsame Einsatzgruppe von Polizei und MilitĂ€rgeheimdienst deckte ein pakistanisch gesteuertes Cyber-Spionagenetzwerk auf, das gezielt Einwohner der Jammu-Region ansprach. Am 30. Mai 2026 nahmen die Behörden den 23-jĂ€hrigen Karan Kumar aus Makwal fest. Er soll Fotos von militĂ€rischen Anlagen an eine weibliche ISI-Agentin weitergegeben haben. Kumar lernte die Kontaktperson ĂŒber Snapchat kennen und erhielt fĂŒr seine Dienste unter anderem eine Zahlung von umgerechnet rund 2.000 Rupien (etwa 22 Euro).
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Ein zweiter Fall ereignete sich in Doda: Ein Mann Mitte 30 wurde von einer Agentin kontaktiert, die sich als Kaschmirin ausgab. Die erste Nachricht kam im Dezember 2025 ĂŒber Facebook â nachdem der Mann ein Video von Schneefall gepostet hatte. Im MĂ€rz 2026 forderte die Unbekannte seine WhatsApp-Nummer. Als der Mann die pakistanische LĂ€ndervorwahl +92 erkannte, stellte er die Frau zur Rede. Sie bot ihm Geld fĂŒr Fotos von SicherheitskrĂ€ften. Nachdem er den Kontakt blockierte, erhielt er Dutzende Todesdrohungen von verschiedenen Nummern. Die SicherheitskrĂ€fte griffen ein, verhörten den Mann und kamen zu dem Schluss, dass er dem Anwerbeversuch widerstanden hatte.
Nur einen Tag spĂ€ter, am 1. Juni 2026, griffen Soldaten im Uri-Sektor einen 22-jĂ€hrigen Mann aus Muzaffarabad auf â dem pakistanisch kontrollierten Teil Kaschmirs. Er hatte die Line of Control (LoC) ĂŒberquert, um eine Frau zu treffen, die er in sozialen Medien kennengelernt hatte.
Die globale Dimension emotionaler Erpressung
Die VorfĂ€lle in Indien sind kein Einzelfall. Weltweit setzen Geheimdienste und Kriminelle zunehmend auf emotionale Manipulation als Einfallstor. In GroĂbritannien warnte die Sicherheitsfirma Net-Defence kĂŒrzlich vor einer neuen QualitĂ€t von Liebesbetrug â entwickelt zu regelrechten psychologischen Operationen. Britische Opfer verloren 2025 schĂ€tzungsweise 106 Millionen Pfund (rund 124 Millionen Euro) durch solche Maschen. Das ist ein Anstieg von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Durchschnitt liegt der Schaden pro Opfer bei ĂŒber 11.000 Pfund (knapp 13.000 Euro).
Der britische Inlandsgeheimdienst MI5 identifizierte zudem chinesische Spionageversuche ĂŒber das Karrierenetzwerk LinkedIn. Accounts mit Namen wie âAmanda Qiuâ oder âShirly Shenâ sollen rund 200.000 Briten kontaktiert haben. Zwei MĂ€nner wurden kĂŒrzlich als erste in der britischen Geschichte wegen Spionage fĂŒr China verurteilt.
Phishing und digitale Erpressung: Die neuen Gefahren
Doch nicht nur Geheimdienste setzen auf soziale Manipulation. Auch klassische Kriminelle nutzen immer raffiniertere Methoden:
- Signal-Phishing: Seit dem 27. Mai 2026 attackieren Hacker gezielt Nutzer des verschlĂŒsselten Messengers Signal. Sie geben sich als âSignal Supportâ aus und versuchen, an die 64-stelligen WiederherstellungsschlĂŒssel von Journalisten und Aktivisten zu gelangen. Mit diesen SchlĂŒsseln können sie komplette ChatverlĂ€ufe auslesen.
- Millionenbetrug in Indien: In Gujarat verlor ein 72-jĂ€hriger Mann umgerechnet rund 16 Millionen Euro durch eine sogenannte âDigital Arrestâ-Masche. 28 Tage lang gaben sich die TĂ€ter als Beamte der CBI und anderer Behörden aus und setzten das Opfer massiv unter Druck. In Vijayawada verlor ein Immobilienmakler umgerechnet rund 15 Millionen Euro an ein internationales Netzwerk. Die TĂ€ter bauten ĂŒber Monate Vertrauen auf, bevor sie ihn zu einer gefĂ€lschten KryptowĂ€hrungs-Plattform lockten.
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- Internationale Operationen: Im Mai 2026 lieferte die nigerianische Polizei einen VerdĂ€chtigen in die USA aus. Ihm wird vorgeworfen, an einem Liebesbetrug mit einem Schaden von 1,5 Millionen Dollar (rund 1,4 Millionen Euro) beteiligt gewesen zu sein. In Singapur wurden am 29. Mai 2026 zwei Personen angeklagt â darunter ein Direktor einer WohltĂ€tigkeitsstiftung. Sie sollen sich als Vertreter eines öffentlichen Politikforums ausgegeben und Anleger betrogen haben.
Die Behörden in Jammu und Kaschmir haben ihre Ăberwachung vor der bevorstehenden Amarnath-Wallfahrt, die am 3. Juli 2026 beginnt, deutlich verschĂ€rft. Die Pilgerreise gilt als traditionelles Ziel fĂŒr AnschlĂ€ge und SpionageaktivitĂ€ten.
