USA: Gefahr von Masern steigt durch sinkende Impfquoten
27.04.2025 - 06:00:36 | dpa.deIn den USA könnten sinkende Impfquoten bei Kindern dazu fĂŒhren, dass Krankheiten wie Masern wieder hĂ€ufiger auftreten und sich dauerhaft in der Bevölkerung halten. Das wĂŒrde das Risiko schwerer AusbrĂŒche erhöhen â selbst in Regionen, in denen Masern bislang weitgehend unter Kontrolle waren. Darauf weist eine neue Studie von Forschenden des Stanford Medicine Institute und weiterer UniversitĂ€ten hin, die im Fachblatt «Journal of the American Medical Association» (JAMA) veröffentlicht wurde.
Mit einem Computermodell simulierte das Forschungsteam, wie sich Masern, Röteln, Polio (KinderlĂ€hmung) und Diphtherie unter verschiedenen Impfbedingungen ausbreiten wĂŒrden. DafĂŒr berĂŒcksichtigten sie Daten zur Bevölkerungsentwicklung, zur bestehenden ImmunitĂ€t in der Bevölkerung sowie zum Risiko, dass Infektionskrankheiten eingeschleppt werden. Die aktuellen Impfraten basieren auf Zahlen aus dem Zeitraum 2004 bis 2023.
Folgen bei weiter sinkenden ImpfstÀnden wÀren fatal
Bereits bei den heutigen ImpfstĂ€nden rechnen die Forschenden damit, dass Masern in den kommenden 20 Jahren wieder regelmĂ€Ăig auftreten könnten â mit rund 850.000 Erkrankungen, 170.000 Klinikeinweisungen und 2.500 TodesfĂ€llen in 25 Jahren. «WĂŒrden die Impfungen heute auch nur um zehn Prozent zurĂŒckgehen, wĂŒrden die MasernfĂ€lle in den nĂ€chsten 25 Jahren auf 11,1 Millionen ansteigen», prognostiziert der Hauptautor der Studie Mathew Kiang.
Wenn die Impfraten ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum weiter sinken, könnten Masern und auch andere in den USA als ausgerottet geltende Krankheiten â wie Röteln und KinderlĂ€hmung â wieder auftauchen. «WĂŒrden die Impfraten halbiert, wĂ€ren innerhalb von 25 Jahren 51,2 Millionen Masern-, 9,9 Millionen Röteln-, 4,3 Millionen Polio- und 200 DiphtheriefĂ€lle zu erwarten. Dies wĂŒrde zu 10,3 Millionen Krankenhausaufenthalten und 159.200 TodesfĂ€llen fĂŒhren», warnt Kiang.
Gleichzeitig betont der leitende Autor der Studie Nathan Lo aber auch: «Eine Erhöhung der Impfraten um fĂŒnf?Prozent könnte bereits verhindern, dass Masern wieder dauerhaft zirkulieren.» Das Problem sei, dass spĂ€testens seit der Coronapandemie, aber auch schon davor die Zahl der Routineimpfungen abgenommen habe. Lo beschreibt: «Die Menschen schauen sich um und sagen: "Wir sehen diese Krankheiten nicht. Warum sollten wir uns dagegen impfen lassen?"» Es gebe eine allgemeine ImpfmĂŒdigkeit sowie «Misstrauen und Fehlinformationen ĂŒber die Wirksamkeit und Sicherheit von Impfstoffen».
Zwei tote ungeimpfte Kinder durch Masern in Texas
Das Thema Masern hatte zuletzt in den USA wieder öffentlich fĂŒr Debatten gesorgt, weil kĂŒrzlich erstmals seit zehn Jahren zwei Kinder in Texas an Masern starben - sie waren ungeimpft. Zudem gab es bundesweit mehrere Hundert Infektionen, die meisten davon in Texas. Die meisten Betroffenen waren nicht geimpft.
Der von US-PrĂ€sident Donald Trump ernannte Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. nannte angesichts dieser Entwicklung eine Impfung die wirksamste Methode, um die Verbreitung der Masern zu vermeiden. ZunĂ€chst hatte er in Interviews angesichts der Masernwelle allerdings auf Vitamin A und Lebertran als Heilmittel verwiesen. In frĂŒheren Jahren hatte er zudem Zweifel an der Sinnhaftigkeit von Impfungen geĂ€uĂert. Auch deshalb gab es erhebliche Kritik an seiner Ernennung zum Gesundheitsminister.
TodesfÀlle auch in Europa
In Deutschland schwankt die Zahl der registrierten MasernfĂ€lle laut Robert Koch-Institut (RKI) von Jahr zu Jahr. Von 2012 bis 2023 lag die Zahl im Pandemiejahr 2021 mit nur 8 FĂ€llen auf einem Minimum. Im Jahr 2015 mit den meisten FĂ€llen dieses Zeitraums waren es 2.466.Â
Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC registrierte 2024 zehn TodesfĂ€lle im Zusammenhang mit Masernerkrankungen, neun davon in RumĂ€nien und einen in Irland. Weltweit gab es 2023 laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) schĂ€tzungsweise 107.000 solcher TodesfĂ€lle, die meisten bei nicht oder nicht genĂŒgend geimpften Kindern unter fĂŒnf Jahren.
Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit
Masern werden von Mensch zu Mensch durch Tröpfchen ĂŒbertragen, zum Beispiel beim Husten, Niesen oder Sprechen. Fast jeder Kontakt fĂŒhrt zur Ansteckung, wenn jemand nicht geimpft ist. Sicheren Schutz bietet nur eine doppelte Impfung. Schon fĂŒnf Tage vor dem typischen roten Hautausschlag sind Infizierte ansteckend. Nach grippeĂ€hnlichen Anzeichen wie hohem Fieber, Husten und Schnupfen folgt Tage spĂ€ter der Ausschlag.
Masern schwĂ€chen das Immunsystem. Daher können Bronchitis, Mittelohr- oder LungenentzĂŒndungen die Folge sein, selten auch eine GehirnentzĂŒndung. Daran sterben bis zu 20 Prozent der Betroffenen. Bei fast einem Drittel bleiben schwere FolgeschĂ€den wie geistige Behinderung oder LĂ€hmungen zurĂŒck. Eine spezifische antivirale Therapie gegen Masern gibt es nicht.
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