Smartphone-Betrug: Banken prĂŒfen tĂ€glich 2,9 Millionen Zahlungen mit KI
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 06:34 Uhr | Redaktion boerse-global.deKreditinstitute verstĂ€rken weltweit den Einsatz von Algorithmen und Verhaltensanalysen, um verdĂ€chtige Transaktionen auf Smartphones frĂŒhzeitig zu erkennen und Nutzer vor finanziellen SchĂ€den zu bewahren. Angesichts verfeinerter TĂ€uschungsmethoden und automatisierter Angriffe greifen Institute und Sicherheitsdienstleister zunehmend auf Systeme zurĂŒck, die mobile Interaktionsmuster und Kontextdaten in Echtzeit auswerten.
Verhaltenssignale und Standortdaten im Fokus
Klassische SicherheitsprĂŒfungen geraten zunehmend unter Druck. Das Technologieunternehmen Tencent demonstrierte, dass ein durch kĂŒnstliche Intelligenz generiertes Gesichtsvideo eine biometrische PrĂŒfung in rund 22 Sekunden umgehen konnte. Nach EinschĂ€tzung des Unternehmens reichen reine Gesichtsabgleiche und LebendigkeitsprĂŒfungen allein nicht mehr aus.
Das Forschungsinstitut BAAI merkte hierzu an, dass Benchmark-Ergebnisse keine ZuverlÀssigkeit im konkreten Bankprozess belegen und allgemeine Weltmodelle weiterhin Gegenstand der Forschung sind. Einsparungen bei Betrugsverlusten oder Fehlalarmen seien bislang nicht quantifiziert.
Spezialisierte Anbieter setzen daher auf zusĂ€tzliche Verhaltens- und Sensordaten. Incognia fĂŒhrte eine Echtzeit-Lösung zur BetrugsprĂ€vention ein, die auf einer patentierten Standorttechnologie mit wohnungsgenauer Innenraum-Ortung basiert. Bei der Analyse von Transaktionen einer GroĂbank identifizierte diese Technologie allein rund 70 Prozent der BetrugsfĂ€lle im untersuchten Datensatz.
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Wie die US-Handelsbehörde FTC fĂŒr das Jahr 2025 meldete, verloren Verbraucher durch sogenannten Impersonation-Betrug, bei dem sich TĂ€ter als vertrauenswĂŒrdige Personen oder Institutionen ausgeben, 3,5 Milliarden US-Dollar. Dieser Wert lag fast dreimal so hoch wie im Jahr 2020.
Das Sicherheitsunternehmen Futurae stellte unterdessen ein System fĂŒr Echtzeit-Signale vor, das Kontext- und Verhaltensdaten auswertet und ĂŒber Schnittstellen bereitstellt. Zum Start umfasst die Technologie sieben Indikatoren, darunter Geostandort, GeschwindigkeitsverĂ€nderungen, verdĂ€chtige GerĂ€teanmeldungen sowie Hinweise auf aktive Telefonate oder Fernzugriffswerkzeuge.
Die Sensoren arbeiten als Software-Entwicklungskits in mobilen Anwendungen, im Webfrontend und im Netzwerk. Die endgĂŒltige Entscheidung ĂŒber eine Transaktionsfreigabe verbleibt bei den jeweiligen Banken.
Direkte Einbindung der Kunden in Bank-Apps
In der Praxis weiten die Institute die automatisierte Ăberwachung spĂŒrbar aus. Die Bank of Ireland prĂŒft nach eigenen Angaben tĂ€glich 2,9 Millionen Kundentransaktionen mithilfe von KI-Systemen auf Betrugsmuster und dehnt diese Technologie auf sĂ€mtliche BetriebsablĂ€ufe aus.
Andere GeldhĂ€user binden Kunden ĂŒber Smartphone-Schnittstellen direkter in den Schutzprozess ein. Die polnische Bank PKO BP fĂŒhrte ein Verfahren ein, bei dem Privatkunden temporĂ€r blockierte Zahlungen mit Debit- oder Kreditkarten unmittelbar per Push-Nachricht in der App bestĂ€tigen können.
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Erkennt der Kontoinhaber die Transaktion nicht an, wird die Karte sofort gesperrt und ein digitaler Ersatz fĂŒr Bezahldienste wie Apple Wallet oder Google Wallet bereitgestellt. Die belgische Bank KBC weitete eine Funktion zur BetrugsprĂ€vention auf mehr als vier Millionen Kunden aus, mit der Nutzer eine Vertrauensperson bestimmen können, die verdĂ€chtige Zahlungen zusĂ€tzlich freigeben muss.
Abwehr nicht autorisierter Zugriffe
Zugleich reagieren Institute auf neue Risiken durch automatisierte Software. FĂŒhrende US-GeldhĂ€user wie Morgan Stanley, JPMorgan Chase, Bank of America und Citi verschĂ€rften die Kontrollen fĂŒr KI-Agenten von Drittanbietern. Aus Sorge vor unkontrollierten Transaktionen blockierten Banken wie Morgan Stanley entsprechende Kontozugriffe oder stuften Operationen mit geteilten Zugangsdaten als verdĂ€chtig ein.
Die Notwendigkeit verbesserter Abwehrmechanismen belegen die Betrugsbilanzen im Zahlungsverkehr. Einem gemeinsamen Bericht der EuropĂ€ischen Bankenaufsichtsbehörde und der EuropĂ€ischen Zentralbank zufolge belief sich der Wert betrĂŒgerischer Ăberweisungen im EuropĂ€ischen Wirtschaftsraum im Jahr 2024 auf 2,5 Milliarden Euro. Bei 74 Prozent des Schadensvolumens wurden die Zahlenden durch TĂ€uschung dazu bewegt, die Transaktionen selbst zu autorisieren.
