Smartphone-Betrug: Kriminelle leeren Konten via Rufumleitungen
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 00:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
VerbraucherschĂŒtzer und Sicherheitsbehörden warnen aktuell vor einer verschĂ€rften Betrugsmasche, bei der Kriminelle unbefugte Rufumleitungen auf Smartphones einrichten, um Bankkonten leerzurĂ€umen.
Durch die Manipulation der Telefonrelevanz gelingt es den TĂ€tern, Sicherheitsbarrieren im Online-Banking zu umgehen und Transaktionen zu autorisieren. Nutzer werden dazu aufgerufen, ihre GerĂ€teeinstellungen mittels spezifischer Tastenkombinationen auf verdĂ€chtige Umleitungen zu prĂŒfen.
Hohe SchÀden durch manipulierte Kommunikation
Die Tragweite dieser KriminalitĂ€tsform verdeutlicht ein Vorfall aus Stuttgart-MĂŒhlhausen von Mitte August. Ein 85-jĂ€hriger Anwohner verlor dabei mehrere Zehntausend Euro an Unbekannte. Die TĂ€ter gaben sich am Telefon als Bankmitarbeiter aus und erlangten unter einem Vorwand Fernzugriff auf das Online-Banking des Opfers. In der Folge fĂŒhrten sie EchtzeitĂŒberweisungen durch, wĂ€hrend das Opfer den Zugriff auf seine KontostĂ€nde verlor.
Dieses Muster ist Teil eines breiteren Trends. Laut dem Bericht âState of Scams Germany 2026â gaben 66 Prozent der 2.550 Befragten an, bereits mit Betrugsversuchen konfrontiert worden zu sein.
Im Durchschnitt registrierten Betroffene 130 Versuche, wobei der mittlere finanzielle Verlust bei 2.619 Euro lag. Besonders effektiv erweist sich dabei KI-gestĂŒtztes Phishing, das eine Klickrate von 10 Prozent erzielt, verglichen mit 3,9 Prozent bei generischen Nachrichten.
International agierende Netzwerke und rechtliche Konsequenzen
Die Strafverfolgungsbehörden konnten in den vergangenen Tagen Erfolge gegen internationale Netzwerke vermelden. Das Bundeskriminalamt (BKA) und die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt identifizierten drei TatverdÀchtige in Spanien und Bulgarien.
Parallel dazu erfolgten in Brasilien vier Verhaftungen und die Durchsuchung von 21 Objekten. Hintergrund war eine Schwachstelle bei einem Zahlungsdienstleister, die nach einem fehlerhaften Software-Update im November 2023 unbefugte Abbuchungen in Millionenhöhe ermöglichte.
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Auch in Frankreich gingen Ermittler gegen das PhĂ€nomen vor. In Aix-en-Provence wurde ein Netzwerk zerschlagen, das mit der Methode des âfalschen Bankkuriersâ operierte. Die TĂ€ter erbeuteten von 17 Opfern insgesamt 41.000 Euro, indem sie nach einem tĂ€uschend echten Anruf Komplizen zur Abholung der Bankkarten schickten.
In Deutschland befasste sich das Landgericht Halle bereits mit der Haftungsfrage bei Phishing-Opfern. Laut einem Urteil (Az. 4 O 43/23) musste eine Bank einem Kunden 49.855,25 Euro von einer Gesamtsumme von 59.855,25 Euro erstatten.
Das Gericht begrĂŒndete dies damit, dass trotz der Weitergabe einer TAN kein tatsĂ€chlicher Ăberweisungswille des Kunden vorlag. Die Haftung des Kunden wurde wegen grober FahrlĂ€ssigkeit auf das vereinbarte Tageslimit von 10.000 Euro begrenzt.
Technologische Abwehrmassnahmen und Sicherheitsrisiken
Um die steigende Zahl der Angriffe einzudĂ€mmen, arbeiten Technologiekonzerne an neuen Schutzmechanismen. Google weitet derzeit eine KI-basierte Betrugserkennung, bekannt unter dem Codenamen âSharpieâ, auf GerĂ€te des Herstellers vivo aus.
Die Funktion analysiert GesprĂ€che lokal auf dem GerĂ€t und soll kĂŒnftig auch ausgehende Anrufe ĂŒberwachen, um Nutzer vor Betrug zu warnen. Auch WhatsApp testet eine lokale KI-Analyse, die Nachrichten von unbekannten Absendern auf betrĂŒgerische Inhalte prĂŒft.
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Gleichzeitig bleiben technische Schwachstellen ein Risikofaktor. Experten von SSD Secure Disclosure veröffentlichten Details zu einer kritischen LĂŒcke in Modems des Herstellers Unisoc (Modelle T606, T612 und T7250). Diese ermöglicht Angreifern ĂŒber VoLTE-Videoanrufe den Zugriff auf den Systemkern betroffener Smartphones, darunter Modelle wie das Motorola E13 oder das Xiaomi Redmi A5. Ein Patch fĂŒr diese SicherheitslĂŒcke steht bislang nicht zur VerfĂŒgung.
Die Polizei Stuttgart und weitere internationale Behörden raten dringend dazu, niemals sensible Daten am Telefon preiszugeben. Bei verdĂ€chtigen Anrufen solle das GesprĂ€ch sofort beendet und die Bank ĂŒber offizielle KanĂ€le kontaktiert werden.
Zudem sollten Kunden der Sparkasse beachten, dass die App âS-ID-Checkâ bis Ende 2026 eingestellt und durch die âS-pushTAN-Appâ ersetzt wird, was aktuell vermehrt fĂŒr Phishing-Versuche mit gefĂ€lschten Update-Aufforderungen genutzt wird.
