Smartphone-Betrug: Quishing und Banking-Trojaner kosten Millionen
Veröffentlicht am: 12.08.2026 um 16:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Berichte zeigen eine besorgniserregende Zunahme von Betrugsfällen im Finanzsektor, bei denen Täter manipulierte Mobiltelefone oder Methoden des Social Engineering einsetzen. Die Opfer verlieren dabei teils hohe Summen bei Banktransaktionen, da Kriminelle zunehmend raffiniertere Techniken nutzen, um Sicherheitsmechanismen zu umgehen oder Nutzer direkt zur Freigabe von Zahlungen zu bewegen.
Neue Betrugsmaschen in Deutschland und Österreich
Die Polizei in Offenbach meldete kürzlich eine neue Form des Phishing, das sogenannte „Quishing“. In einem konkreten Fall in Dreieich verschickten Täter Briefe im Namen einer Bank, die einen QR-Code enthielten. Dieser führte die Empfänger auf eine täuschend echte Online-Banking-Seite. Flankiert wurde die Masche durch Anrufe vermeintlicher Sicherheitsmitarbeiter, die sensible Daten oder Zahlungsfreigaben erfragten. In mehreren Fällen kam es zu Überweisungen an die Betrüger.
Auch in Österreich häufen sich die Vorfälle. Am Montagabend verlor ein 62-jähriger Mann aus dem Tiroler Wipptal einen mittleren fünfstelligen Eurobetrag durch Telefonbetrug. Ein Anrufer mit unterdrückter Nummer hatte behauptet, das Bankkonto des Opfers sei gehackt worden. Der Betroffene gewährte daraufhin Fernzugriff auf seinen PC und tätigte Überweisungen an einem Bankautomaten.
Parallel dazu warnt das Verbraucherschutzforum Berlin vor Phishing-Mails, die den Namen der VR-SecureGo-App missbrauchen. Unter dem Vorwand einer notwendigen Aktualisierung bis zum 11. August 2026 versuchen Täter, an Zugangsdaten zu gelangen. Das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) registriert ebenfalls gefälschte E-Mails, in denen eine Erstattung von exakt 263 Euro versprochen wird, um Empfänger zum Klicken auf schädliche Links zu verleiten.
Technologische Bedrohungen durch Banking-Trojaner
Branchenanalysten von IBM Trusteer untersuchten in diesem Zusammenhang die Malware „GoldDigger“. Dieser Android-Banking-Trojaner, der bereits im Jahr 2023 entdeckt wurde, zielt verstärkt auf Nutzer in Europa und Südafrika ab. Die Software nutzt komplexe Umgehungstechniken wie den Packer „dpt-shell“, RC4-Verschlüsselung und Mechanismen zur Erkennung von Analysewerkzeugen. Die Kampagnen tarnen sich oft als offizielle Apps von Fluggesellschaften oder Shopping-Portalen. Einmal installiert, stiehlt die Malware Zugangsdaten über gefänschte Login-Masken und nutzt Barrierefreiheitsdienste für unbefugte Transaktionen.
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Millionenschäden durch Fernzugriff und Manipulation
Internationale Fälle verdeutlichen das Ausmaß der Schäden. In China verlor eine Frau aus Jiujiang in der Provinz Jiangxi über 520.000 Yuan (etwa 66.000 Euro). Innerhalb weniger Stunden erfolgten zahlreiche unberechtigte Transaktionen, darunter Überweisungen an Air China und via UnionPay. Ermittlungen ergaben, dass das Smartphone der Frau manipuliert worden war, unter anderem durch eine kurzzeitige Anrufumleitung.
In Xi'an wurde eine 18-Jährige Opfer eines Betrugs auf der Handelsplattform Xianyu. Während sie ein Tablet für 1100 Yuan verkaufen wollte, forderten angebliche Käufer eine Kaution und kontrollierten das Handy des Opfers per Videoanruf und Bildschirmfreigabe. Innerhalb einer Stunde wurden acht Transaktionen an Juweliere durchgeführt, bis lediglich ein Restguthaben von 95,65 Yuan auf dem Konto verblieb. Der Gesamtschaden belief sich auf 210.183 Yuan (ca. 27.000 Euro).
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Den Sicherheitsbehörden gelangen jedoch auch Erfolge. In der Provinz Shandong wurde eine Bande zerschlagen, die sich auf den Betrug von Minderjährigen spezialisiert hatte. Die Täter brachten Jugendliche dazu, das Handy ihrer Eltern zu nutzen, und erlangten über Remote-Konferenz-Apps Zugriff auf die Geräte. Dabei wurden über 200 Opfer geschädigt. Die Polizei beschlagnahmte 140.000 Yuan sowie 20.000 Einheiten einer virtuellen Währung.
Empfehlungen der Sicherheitsbehörden
Behörden raten dringend zur Vorsicht bei unaufgeforderten Kontaktaufnahmen. Banken fordern grundsätzlich nie per E-Mail zur Aktualisierung von Apps oder zur Preisgabe von Passwörtern auf. QR-Codes sollten nur aus vertrauenswürdigen Quellen gescannt werden. Bei Verdacht auf eine Datenpreisgabe sollten Betroffene sofort ihr Institut informieren und das Online-Banking sperren lassen. Das chinesische Ministerium für Staatssicherheit warnt zudem vor QR-Code-Fallen an öffentlichen Orten, die zur Installation von Trojanern oder zum Diebstahl sensibler Informationen führen können.
