Smartwatch-EKG, Trefferquote

Smartwatch-EKG: Über 90 Prozent Trefferquote bei Vorhofflimmern-Warnungen

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 17:36 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wearables können Vorhofflimmern früh erkennen, ersetzen aber keine ärztliche Diagnose; Studien zeigen unterschiedliche Ergebnisse je nach Messsystem.
Ein heller, minimalistischer Untersuchungsraum in einer kardiologischen Praxis mit medizinischen Geräten im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt.

Die Deutsche Herzstiftung und Kardiologen haben über den medizinischen Stellenwert von Vorhofflimmern-Warnmeldungen durch Smartwatches aufgeklärt. Nach Angaben der Organisation erkennen moderne Wearables Vorhofflimmern mit einer Trefferquote von über 90 Prozent. Die Erfassung erfolgt dabei über Infrarot-Photoplethysmographie (PPG) sowie integrierte Einkanal-Elektrokardiogramme (EKG).

Chancen und Grenzen digitaler Herzüberwachung

Der Kardiologe Prof. Peter Radke hob hervor, dass Rhythmusstörungen häufig nachts sowie in Ruhephasen auftreten, in denen keine ärztliche EKG-Aufzeichnung läuft. Entsprechende Wearables liefern eine wichtige Warnung, können jedoch keine ärztliche Diagnose ersetzen. Bei auftretenden Brustschmerzen sei zudem unmittelbar der Notruf 112 zu wählen.

Für verlässliche Messungen rät die Deutsche Herzstiftung Verbrauchern dazu, auf eine CE-Kennzeichnung des Geräts als Medizinprodukt zu achten. Zudem sollte die Uhr einen Fingerbreit über dem Handgelenkknochen sitzen und das EKG zwingend im Ruhezustand aufgezeichnet werden.

Smartwatch-Hersteller verweisen darauf, dass es sich bei den Uhren um ein einkanaliges EKG handelt und nicht um ein klinisches 12-Kanal-EKG, wie es in Krankenhäusern zum Einsatz kommt. Die Technik diene primär dem Screening und stelle keinen Ersatz für eine umfassende medizinische Diagnostik dar, wobei der Haupteinsatzzweck in der Erkennung von Vorhofflimmern liege.

Das Smartwatch-EKG stößt an klare Grenzen: Es erkennt weder einen Herzinfarkt noch Gefäßverschlüsse und bleibt anfällig für Messfehler durch Körperbewegung oder unzureichenden Kontakt der Elektroden. Die finale Diagnose verbleibt daher bei Fachärzten, während Hersteller entsprechende FDA- und CE-Zulassungen für ihre Erkennungsalgorithmen anstreben.

Studienlage zu Screening-Verfahren

Der Nutzen digitaler Erfassungsmethoden wird durch klinische Untersuchungen gestützt, zeigt jedoch auch deutliche Unterschiede zwischen den Gerätetypen. Eine Studie des Amsterdam UMC untersuchte 437 Teilnehmer ab 65 Jahren mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko über einen Zeitraum von sechs Monaten.

In der Gruppe mit einer Apple Watch, die 219 Personen umfasste und eine täglicher Tragezeit von rund 12 Stunden aufwies, wurden 21 Fälle von Vorhofflimmern diagnostiziert. Davon verliefen 57 Prozent ohne vorherige Symptome.

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In der Kontrollgruppe mit 218 Personen unter Standardversorgung gab es hingegen fünf Diagnosen, die ausnahmslos mit Symptomen einhergingen. Der Kardiologe Michiel Winter betonte, dass Smartwatches mit PPG und EKG die Diagnose beschleunigen und damit das Schlaganfallrisiko sowie die Behandlungskosten senken könnten.

Gleichzeitig mahnen andere Untersuchungen zur Vorsicht bei alternativen Sensorsystemen. Die in Finnland durchgeführte CARE-DETECT-Studie untersuchte 150 Hochrisikopatienten nach kardialen Eingriffen.

Bei jenen Teilnehmern, die mit dem Bettsensor EMFIT QS und der App CardioSignal ausgestattet wurden, gab es sechs neue Vorhofflimmern-Fälle, was 7,7 Prozent entsprach, während in der Kontrollgruppe kein Fall registriert wurde.

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Der positive Vorhersagewert des Gesamtsystems lag jedoch bei lediglich 15,4 Prozent, womit nur etwa einer von sieben Alarmen zutraf. Der Bettsensor allein löste zudem keine einzige Erstentdeckung aus. Die Studienautoren stuften das System als derzeit nicht klinisch praxistauglich ein.

Verbreitung und Information während der Herzwochen

In Deutschland sind laut der Deutschen Herzstiftung rund zwei Prozent der Bevölkerung von Vorhofflimmern betroffen, wobei der Puls auf bis zu 160 Schläge pro Minute ansteigen kann. Schätzungen zufolge bleibt die Erkrankung bei bis zu jedem zweiten Betroffenen ohne spürbare Beschwerden.

Im Rahmen der jährlichen Herzwochen, die vom 1. bis zum 30. November stattfinden, informieren bundesweit zahlreiche Kliniken über Symptome, Ablationsverfahren und Maßnahmen zur Schlaganfallprävention.

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