Sommersonne reicht nicht: Vitamin D bei der HÀlfte der Bevölkerung insuffizient
Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 15:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sommerliche Sonneneinstrahlung reicht bei vielen Menschen nicht aus, um einen bestehenden Vitamin-D-Mangel auszugleichen. Zu diesem Schluss kommt Prof. JĂłdar von der QuirĂłnsalud Madrid in einem Bericht von medscape.com. Demnach greifen die saisonalen Ausgleichsmechanismen ĂŒber die UVB-Exposition im Sommer bei etwa der HĂ€lfte der Bevölkerung nicht ausreichend, um die Vitamin-D-Versorgung zu normalisieren.
Welche Grenzwerte gelten
JĂłdar zufolge liegt der Mindestwert fĂŒr die Allgemeinbevölkerung bei 20 ng/ml 25(OH)D. FĂŒr die Knochengesundheit wĂŒrden hĂ€ufig höhere Werte von 30 ng/ml, teils auch 30 bis 40 ng/ml, angegeben. Ein Zusatznutzen einer Vitamin-D-Gabe zeige sich vor allem bei Patienten mit Werten unter 30 ng/ml. Werde eine Substitution notwendig, dauere die Initialtherapie laut JĂłdar in der Regel sechs bis acht Wochen.
Datenlage in Deutschland und China
Die GröĂenordnung des Problems zeigt sich auch in nationalen Erhebungen. Nach Angaben des Bundesinstituts fĂŒr Risikobewertung (BfR), zitiert in einem Bericht von sanuvita.net, erreichen 44 Prozent der Erwachsenen in Deutschland einen Vitamin-D-Spiegel von mindestens 50 nmol/l, wĂ€hrend 15 Prozent unter 30 nmol/l liegen.
FrĂŒhere Angaben von RKI, BfR und DGE aus dem Jahr 2012 gingen sogar davon aus, dass fast 60 Prozent der Erwachsenen in Deutschland den Wert von 50 nmol/l nicht erreichen. Das BfR weist zudem darauf hin, dass frei verkĂ€ufliche Vitamin-D-PrĂ€parate ohne Ă€rztliche RĂŒcksprache maximal 20 ”g pro Tag enthalten sollten, insgesamt sei eine Tageszufuhr von 100 ”g nicht zu ĂŒberschreiten.
In China zeichnet sich laut Chen Hailing vom Beijing Jishuitan Hospital ein Àhnliches Bild ab: 91,2 Prozent der Bevölkerung weisen dort eine Vitamin-D-Insuffizienz oder einen manifesten Mangel auf.
Die dortigen Referenzwerte aus dem Jahr 2023 sehen fĂŒr die Altersgruppe von 18 bis 64 Jahren eine Zufuhr von 400 bis 800 IE pro Tag vor, fĂŒr Menschen ab 65 Jahren 600 bis 800 IE pro Tag.
Sonnenlicht: Nutzen und Grenzen
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Chen Hailing erlĂ€utert, dass rund 80 Prozent des Vitamin D ĂŒber die Hautsynthese und nur etwa 20 Prozent ĂŒber die Nahrung gewonnen werden. Empfohlen wird demnach eine Sonnenexposition zwischen 11 und 14 Uhr ĂŒber 15 bis 30 Minuten mit unbedeckter Haut, ohne Sonnencreme und nicht durch Glas hindurch â Glas blockiere mehr als 90 Prozent der UVB-Strahlung, ein Lichtschutzfaktor von 15 oder höher bis zu 95 Prozent.
Dermatologen weisen allerdings darauf hin, dass intensive UV-Strahlung bereits nach kurzer Zeit Sonnenbrand verursachen kann und wiederholte Belastung die Hautalterung beschleunigt sowie das Hautkrebsrisiko langfristig erhöht.
Direkte Sonne zwischen 11 und 16 Uhr sollte deshalb gemieden werden â eine Empfehlung, die im Widerspruch zum empfohlenen Zeitfenster fĂŒr die Vitamin-D-Synthese steht und die AbwĂ€gung zwischen Nutzen und Risiko erschwert.
Mögliche Folgen fĂŒr Schlaf und weitere Gesundheitsaspekte
Untersuchungen deuten darauf hin, dass ein unzureichender Vitamin-D-Spiegel mit einer signifikant kĂŒrzeren Schlafdauer ein hergeht; bei manifestem Mangel bestehe eine rund 50 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit fĂŒr eine schlechte SchlafqualitĂ€t.
Als möglicher Mechanismus gelten Vitamin-D-Rezeptoren in Hirnarealen, die fĂŒr den Tiefschlaf relevant sind. ZusĂ€tzlich könne ein Mangel an Vitamin B6 oder B12 den Schlaf-Wach-Rhythmus stören, weshalb Fachleute empfehlen, B-Vitamine morgens einzunehmen.
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Empfehlungen fĂŒr besondere Gruppen
Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE) gibt fĂŒr die Vitamin-D-Zufuhr einen SchĂ€tzwert von 20 ”g pro Tag an. FĂŒr Frauen in den Wechseljahren empfiehlt die British Menopause Society dagegen lediglich 10 ”g (400 IE) pro Tag.
Eine Untersuchung des University College London (UCL) an mehr als 200 Wechseljahres-PrÀparaten aus neun EinzelhÀndlern ergab, dass etwa die HÀlfte der Produkte kein Vitamin D und weniger als ein Viertel Kalzium enthielt.
Die Studie warnt zudem, dass hohe Dosen Erbrechen, Verwirrtheit und OrganschĂ€den verursachen können â ein Hinweis darauf, dass sowohl Unter- als auch Ăberdosierung relevante Risiken bergen.
Insgesamt zeigen die verschiedenen Erhebungen aus Deutschland, China und GroĂbritannien ein konsistentes Bild: Vitamin-D-Mangel ist in vielen Bevölkerungsgruppen verbreitet, saisonale Sonneneinstrahlung allein löst das Problem nicht, und eine gezielte, an individuelle Werte angepasste Substitution bleibt nach EinschĂ€tzung der zitierten Fachleute fĂŒr einen erheblichen Teil der Betroffenen notwendig.
