SovereignIT in Bayern: 20 Prozent sollen bis MĂ€rz 2027 Alternativen nutzen
Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 00:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie BundeslĂ€nder Schleswig-Holstein und Bayern bauen ihre Anstrengungen fĂŒr herstellerunabhĂ€ngige Verwaltungssoftware gemeinsam aus. Auf Grundlage einer in Berlin geschlossenen Kooperationsvereinbarung zwischen dem bayerischen Digitalministerium und der Staatskanzlei Schleswig-Holstein setzen beide LĂ€nder auf den Austausch praxiserprobter Open-Source-Lösungen.
Schleswig-Holstein bringt dabei umfangreiche Erfahrungen aus der bereits vollzogenen umstellung ein: Bis zum Oktober 2025 wurden in der dortigen Landesverwaltung innerhalb von sechs Monaten mehr als 40.000 PostfÀcher von Microsoft Exchange und Outlook auf Open-Xchange sowie Thunderbird migriert.
Schleswig-Holstein zieht Bilanz bei Open-Source-Migration
Der Wechsel bei den Kommunikationsdiensten ist Teil einer umfassenderen Umstellung der schleswig-holsteinischen Landesverwaltung. Neben den E-Mail-Diensten ersetzt die quelloffene Suite LibreOffice die bisherige BĂŒrosoftware von Microsoft.
Nach Angaben des Landes vom Dezember 2025 fĂŒhrten die MaĂnahmen zu Einsparungen bei den Lizenzkosten von mehr als 15 Millionen Euro. Dem stehen fĂŒr das Jahr 2026 einmalige Investitionen in Höhe von 9 Millionen Euro fĂŒr die Migration und Weiterentwicklung gegenĂŒber.
Nach den E-Mail- und Office-Anwendungen lÀuft die IT in Schleswig-Holstein weitgehend unter dem Betriebssystem Linux. In der Kieler Staatskanzlei arbeiteten im September 2026 bereits mehr als 200 BeschÀftigte mit Linux anstelle von Windows. Laut Digitalisierungsminister Dirk Schrödter arbeiten rund 60.000 BeschÀftigte mit dem entstehenden digital souverÀnen IT-Arbeitsplatz.
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Eine von Univention, Nextcloud, Heinlein und Open-Xchange beauftragte Untersuchung ergab, dass die neue Arbeitsumgebung bei rund drei Vierteln der BeschĂ€ftigten im Alltag angekommen sei und eine Mehrheit die Umstellung positiv bewerte. Schleswig-Holstein schloss neben der Vereinbarung mit Bayern bereits Kooperationen mit Mecklenburg-Vorpommern und ThĂŒringen.
Bayern forciert Projekt SovereignIT
Das bayerische Digitalministerium profitiert nun vom Erfahrungsschatz aus Kiel, um eigene Systeme herstellerunabhĂ€ngig auszurichten. Im Rahmen des bayerischen Projekts SovereignIT sollen bis Ende MĂ€rz 2027 20 Prozent der BeschĂ€ftigten ausschlieĂlich mit alternativer Arbeitsplatzsoftware arbeiten.
FrĂŒhere PlĂ€ne, Lizenzen von Microsoft fĂŒr Landesbehörden und Kommunen zentral zu bĂŒndeln, werden derweil offenbar nicht weiterverfolgt. Zudem beendete das bayerische Finanzministerium die Verhandlungen ĂŒber einen neuen Rahmenvertrag mit dem Softwarekonzern vorerst.
Mit der am 4. November 2026 vereinbarten Kooperation wollen beide BundeslÀnder offene, interoperable IT-Infrastrukturen vorantreiben. Die Vereinbarung setzt einen Beschluss der MinisterprÀsidentenkonferenz um, der vorsieht, bis zum 31. MÀrz 2027 souverÀne Alternativen zu proprietÀrer Arbeitsplatzsoftware bereitzustellen.
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Vermeidung von AbhÀngigkeiten und Sicherheitsrisiken
Bayerns Digitalminister Fabian Mehring und Schleswig-Holsteins Staatskanzleichef Dirk Schrödter begrĂŒndeten den Schritt mit sicherheitspolitischen Notwendigkeiten und dem Schutz vor Risiken durch Rechtsvorschriften wie den US-CLOUD-Act.
Mehring verwies auf das Ziel, eine einseitige Anbieterbindung sowie Zugriffe ĂŒber den US-CLOUD-Act zu verhindern und keinen digitalen Kontrollverlust zu riskieren. Es gehe um Wahlfreiheit statt Abschottung sowie um die StĂ€rkung der heimischen Digitalwirtschaft.
Schrödter hob offene Innovation und quelloffene Programme als entscheidende Instrumente hervor, um die digitale HandlungsfĂ€higkeit des Staates dauerhaft abzusichern. Der vereinbarte Wissens- und Technologietransfer soll sicherstellen, dass kompatible Verwaltungsstrukturen entstehen, die den laufenden Betrieb ohne AbhĂ€ngigkeiten von einzelnen IT-GroĂkonzernen gewĂ€hrleisten.
