Spam-Anrufe: 626.555 FĂ€lle im Juni, KI-Stimmen betrĂŒgen 77%
Veröffentlicht: 11.07.2026 um 00:23 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Im Juni 2026 registrierten Behörden 626.555 FĂ€lle â ein Plus von 19,5 Prozent gegenĂŒber dem Vormonat. Noch alarmierender: Im Jahresvergleich schnellten gezielte Vishing-Angriffe um 442 Prozent nach oben. Experten machen vor allem KI-gestĂŒtztes Voice-Cloning fĂŒr den Boom verantwortlich.
TĂ€uschend echte Stimmen aus dem Computer
Moderne Betrugsszenarien setzen auf psychologischen Druck und technische Tricks. Beim sogenannten Caller-ID-Spoofing erscheinen auf dem Display seriöse Nummern von Behörden, Banken oder der eigenen Firma. In ĂŒber 95 Prozent der FĂ€lle nutzen Angreifer eine kĂŒnstliche AutoritĂ€tsposition aus.
Besonders perfide: KI-generierte Stimmen imitieren Bekannte oder Vorgesetzte tÀuschend echt. Kam Voice-Cloning zum Einsatz, erlitten 77 Prozent der Betroffenen einen finanziellen Schaden. Die TÀter zielen nicht nur auf Bargeld ab, sondern zunehmend auf digitale Zugangsdaten und die Umgehung von Multi-Faktor-Authentifizierungen (MFA).
Neue Malware bedroht Smartphones
Parallel zu den Anrufen verbreiten sich spezialisierte Schadprogramme. Der Banking-Trojaner RedWing wird als âMalware-as-a-Service" auf verschlĂŒsselten Plattformen angeboten â fĂŒr monatlich rund 280 Euro. Die Software attackiert ĂŒber 80 Finanzinstitute, fĂ€ngt SMS-Codes ab und ermöglicht Fernzugriff auf infizierte Android-GerĂ€te.
Mit PromptSpy wurde zudem eine mobile Spyware identifiziert, die Google Gemini zur automatisierten Datenanalyse auf Smartphones nutzt. Dass die Gefahr real ist, zeigt ein Vorfall vom 9. Juli: Ein Nutzer verlor durch sogenanntes Approval-Phishing Kryptowerte im Wert von fast einer Million USDT.
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Angriffe auf Unternehmen nehmen zu
Neben Privatpersonen geraten Firmen ins Visier. Die Gruppe Helix kombiniert Vishing mit Device-Code-Phishing, um an SharePoint-Daten zu gelangen. Die Angreifer geben sich als FĂŒhrungskrĂ€fte aus und fordern Mitarbeiter zur Preisgabe von Authentifizierungscodes auf.
Seit dem FrĂŒhjahr lĂ€uft zudem eine Kampagne gegen Microsoft-365-Nutzer, hinter der die Gruppe O-UNC-066 (auch bekannt als Pink) vermutet wird. Die TĂ€ter missbrauchen administrative Funktionen, registrieren gefĂ€lschte Passkeys und stehlen Daten aus Cloud-Speichern wie OneDrive. Betroffen sind Branchen vom Gesundheitswesen ĂŒber die Automobilindustrie bis zur Luftfahrt.
Klassische Maschen bleiben aktuell
Auch traditionelle Betrugsmethoden funktionieren noch. Am 10. Juli gaben sich TĂ€ter in Bramsche als Bankmitarbeiter und Polizisten aus â sie erbeuteten Bargeld und Schmuck von einem Ă€lteren Ehepaar. Die Polizei OsnabrĂŒck ermittelt und sucht Zeugen.
VerbraucherschĂŒtzer warnen zudem vor gefĂ€lschten Zahlungsaufforderungen zu Reisebuchungen. In der Hauptreisesaison hĂ€ufen sich Nachrichten per E-Mail und WhatsApp, die korrekte Buchungsdaten enthalten â vermutlich aus frĂŒheren Datenpannen bei groĂen Buchungsportalen.
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SchutzmaĂnahmen: Passkeys und Schulungen
Als wirksamen Schutz empfehlen Experten die Umstellung auf Passkeys. Ein Praxisbeispiel aus dem britischen Gesundheitswesen (NHS) zeigt: Mit Passkeys stieg nicht nur die Sicherheit gegen Phishing, auch die Anmeldezeit verkĂŒrzte sich deutlich.
Sicherheitsexperten raten Unternehmen zudem, die Device-Code-Authentifizierung zu deaktivieren, wenn sie nicht zwingend benötigt wird. Und: Mitarbeiter mĂŒssen fortlaufend ĂŒber die Gefahren von Social Engineering am Telefon aufgeklĂ€rt werden.
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