Speicherchip-Krise: RAM und SSDs verdoppeln sich im Preis
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 22:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die rasante Nachfrage nach KI-Infrastruktur hat eine globale Knappheit bei Speicherchips ausgelöst. Hersteller reagieren mit drastischen Preiserhöhungen und neuen Geschäftsmodellen.
Preisexplosion bei RAM und SSDs
Der Speichermarkt erlebt derzeit extreme Turbulenzen. Grund ist der massive Kapitalzufluss in KI-Rechenzentren. Allein Alphabet hat seine Investitionsprognose für 2026 auf 195 bis 205 Milliarden Euro angehoben – ein Schritt, der das Angebot an DDR5-Arbeitsspeicher und SSDs drastisch verknappt hat.
Die Exportzahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im ersten Halbjahr 2026 erreichten die Ausfuhren von Speicherchips umgerechnet rund 59 Milliarden Euro – ein Anstieg von fast 279 Prozent im Vergleich zu früheren Perioden.
Die Hersteller geben diese Kosten direkt an die Kunden weiter. Der Laptop-Hersteller Framework meldet, dass die Zulieferpreise für LPCAMM2-Speichermodule auf mehr als das Doppelte gestiegen sind. Ein 64-GB-Modul, das zuvor umgerechnet 849 Euro kostete, liegt nun bei 1.600 Euro. 32-GB-Module stiegen von 439 auf 800 Euro.
Branche warnt vor jahrelanger Krise
Branchenkenner erwarten eine weitere Zuspitzung. Der CEO von SK hynix prognostiziert den Höhepunkt der Speicherknappheit für 2027. Dann sollen High-Bandwidth-Memory (HBM) – spezielle KI-Chips – bereits 30 Prozent der gesamten DRAM-Produktion verschlingen. Die Führung von ADATA warnt sogar vor einem möglichen Jahrzehnt der Knappheit.
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Zwar haben einige Hersteller wie Vivo und Oppo die von Samsung geforderten Preiserhöhungen abgelehnt. Der allgemeine Trend zeigt jedoch weiter nach oben.
Apple setzt auf Abo-Modell
Angesichts der steigenden Komponentenpreise bereitet Apple offenbar eine grundlegende Änderung seiner Verkaufsstrategie vor. Nach Preiserhöhungen für MacBook Air und iPad Air Ende Juni 2026 soll am 28. Juli ein neues Leasing-Programm namens „Apple Upgrade" starten.
Das Programm wird vom Finanzdienstleister Klarna unterstützt. Kunden in den USA können iPhones, iPads, Macs und Apple Watches leasen. Mobilgeräte laufen über 24 Monate, Computer und Tablets über 36 Monate. Der Schritt hin zu „Hardware as a Service" bietet eine Alternative zu den hohen Einmalkosten, die durch die Chipkrise noch gestiegen sind.
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Marktanalysten sehen darin eine Möglichkeit, den Upgrade-Zyklus für Kunden aufrechtzuerhalten, die sich neue Hardware sonst nicht mehr leisten könnten. Das Programm soll eine Bonitätsprüfung erfordern und Optionen für vorzeitige Upgrades oder den Kauf des Geräts bieten. Allerdings bleiben bestimmte Einstiegsmodelle und das kommende iPhone 16 vorerst außen vor.
Verbraucher reagieren verärgert
Die rasant steigenden Hardwarekosten zeigen bereits Wirkung. Die Verkaufszahlen des Steam Deck sind nach einer Preiserhöhung um 46 Prozent eingebrochen. Die wöchentlichen Auslieferungen in den USA fielen von bis zu 18.000 auf nur noch 1.400 Einheiten.
Auch Spieleentwickler spüren den Druck. Die Macher des Spiels „Cinder City" senkten am 21. Juli ihre ursprüngliche Anforderung von 64 GB RAM auf 32 GB – nach heftigen Protesten der Spieler. Der Vorfall zeigt den wachsenden Konflikt zwischen den steigenden technischen Anforderungen moderner Software und der finanziellen Realität teurer Hardware.
Parallel dazu gewinnt eine Bewegung für Verbraucherrechte an Fahrt. Die Kampagne „Stop Killing Games" sammelte 1,3 Millionen Unterschriften und führte zu einer Anhörung im EU-Parlament. In Kalifornien wurde das „Protect Our Games Act" verabschiedet. Es verlangt, dass Spiele auch nach der Abschaltung von Online-Servern spielbar bleiben – oder dass Verbraucher ihr Geld zurückbekommen.
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