Spermienqualität, Körperfettanteil

Spermienqualität: Körperfettanteil 20–24% reduziert Spermienzahl um 23%

Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 22:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Analysen zeigen: Übergewicht reduziert Testosteron und Spermienzahl erheblich. Gewichtsverlust kann die männliche Fruchtbarkeit jedoch wiederherstellen.

Studien belegen: Körperfett senkt Testosteron und Spermienqualität
Ein modernes medizinisches Labor mit Mikroskop und Datenvisualisierungen zum Thema Hormongesundheit und Körperfett. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen einen engen Zusammenhang zwischen dem Körperfettanteil und der hormonellen Verfassung des Mannes. Im Rahmen des ESHRE-Jahrestreffens in London wurden Daten präsentiert, die eine signifikante Korrelation zwischen steigenden Adipositasraten und einem Rückgang des Testosteronspiegels belegen. Eine umfassende Analyse von zwölf Längsschnittstudien, die 102.000 Männer aus sieben Ländern umfasste, zeigt eine deutliche Tendenz auf.

Der langfristige Rückgang des Testosteronspiegels

Die Auswertungen der gepoolten Daten verdeutlichen, dass der Testosteronspiegel im Zeitraum von 1972 bis 2019 um insgesamt 54 Prozent gesunken ist. Besonders auffällig sei eine Beschleunigung dieses Trends nach dem Jahr 2000. Prof. Hagai Levine erläuterte in diesem Zusammenhang, dass Adipositas und das metabolische Syndrom für etwa 25 bis 50 Prozent dieses Rückgangs verantwortlich gemacht werden können. Angesichts dieser Entwicklung warnten Experten auf dem Treffen ausdrücklich vor der Selbstmedikation mit sogenannten Testosteron-Boostern.

Parallel dazu wird die zunehmende Kommerzialisierung von Hormontests beobachtet. Laut Berichten von SVT Nyheter werden Testosterontests verstärkt online vermarktet, was das Interesse der Verbraucher an einer eigenständigen Überprüfung ihrer Werte widerspiegelt.

Auswirkungen auf die Spermienqualität

Neben dem Hormonhaushalt ist auch die Spermienqualität von der körperlichen Verfassung betroffen. Eine Studie der Universität Aarhus aus dem Jahr 2026, an der 1058 Männer mit einem Durchschnittsalter von 19 Jahren teilnahmen, liefert hierzu konkrete Zahlen. Männer mit einem Körperfettanteil zwischen 20 und 24 Prozent wiesen demnach 23 Prozent weniger Spermien auf als die Vergleichsgruppe mit einem Fettanteil von 8 bis 19 Prozent.

Die Forscher stellten fest, dass der Körperfettanteil ein präziserer Prädiktor für die Spermienzahl sei als der Body-Mass-Index (BMI). Statistisch sank die Spermienzahl pro 5,7 Prozent zusätzlichem Körperfett um 8 Prozent. Unterstützt werden diese Ergebnisse durch eine Meta-Analyse der Guangzhou-Universität aus dem Jahr 2024. Diese wertete 50 Studien mit insgesamt 71.337 Teilnehmern aus und bestätigte, dass Adipositas (BMI über 25) mit einer geringeren Spermienzahl und einem reduzierten Samenvolumen einhergeht.

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Trotz dieser Befunde wies Stefan Arver vom Karolinska Institutet darauf hin, dass bisher keine generelle Abnahme der Fertilität in der Bevölkerung festgestellt worden sei. Ein möglicher Grund hierfür könne die zunehmende Verbreitung von Fettleibigkeit in der Gesamtgesellschaft sein.

Reversibilität durch Gewichtsreduktion

Wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass negative Effekte auf die männliche Fertilität durch Gewichtsverlust umkehrbar sind. Eine randomisierte Studie der Universität Kopenhagen zeigte, dass 56 Männer nach einer achtwöchigen Diät mit 800 Kilokalorien pro Tag durchschnittlich 16,5 Kilogramm an Gewicht verloren. In der Folge stieg die Spermienkonzentration um das 1,5-fache und die Gesamtzahl der Spermien um das 1,4-fache an. Dieser Effekt blieb stabil, sofern das Gewicht durch Sport oder die Anwendung von GLP-1-Präparaten gehalten wurde.

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Weitere Meta-Analysen stützen den positiven Einfluss von Gewichtsverlust auf den Hormonspiegel. Eine Auswertung von 44 Studien mit 1774 Männern ergab, dass eine diätbedingte Gewichtsreduktion das Testosteron um durchschnittlich 4,8 nmol/l steigerte. Auch der Einsatz von GLP-1-Rezeptor-Agonisten korreliere signifikant mit einem Anstieg des Testosteronspiegels. In einer Studie von 2019 wurde die Wirkung von Liraglutid mit einer direkten Testosterontherapie verglichen: Während die Liraglutid-Gruppe 7,9 Kilogramm verlor und einen Anstieg von 2,6 nmol/l verzeichnete, stieg der Wert in der Testosteron-Gruppe um 5,9 nmol/l, bei einem Gewichtsverlust von lediglich 0,9 Kilogramm. Eine Analyse von 3532 Männern unter Semaglutid-Therapie zeigte jedoch häufiger Diagnosen von Hypogonadismus (3,1 % gegenüber 1,5 %), wobei hier Einschränkungen in der Datenlage bestünden.

Sicherheit von Hormontherapien

Hinsichtlich der Sicherheit von medizinisch indizierten Testosterontherapien liegen neue Erkenntnisse vor. Die TRAVERSE-Studie aus dem Jahr 2023 sowie ein Review im Journal of Urology von 2026, der vier randomisierte kontrollierte Studien und fünf Meta-Analysen umfasste, fanden kein erhöhtes Risiko für Prostatakrebs durch eine solche Therapie. Infolge dieser Datenlage schlugen die FDA und das HHS vor, die entsprechenden Warnhinweise für Testosterontherapien zu lockern.

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