Statine bei Senioren: Absetzen erhöht Sterberisiko nicht
Veröffentlicht am: 24.08.2026 um 18:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der geriatrischen Medizin gewinnt die Frage nach der Notwendigkeit einer dauerhaften medikamentösen Prävention zunehmend an Bedeutung. Eine im August 2026 veröffentlichte Untersuchung der Universität Bordeaux liefert nun neue Daten zur Anwendung von Statinen bei Senioren.
Die Studie konzentriert sich auf Personen im Alter von mindestens 75 Jahren, bei denen bisher keine Herz-Kreislauf-Erkrankungen diagnostiziert wurden. Damit adressiert die Forschung eine wachsende Patientengruppe, bei der die Fortführung einer lipidsenkenden Therapie oft zur Debatte steht.
Studiendesign und Auswirkungen auf die Sterblichkeit
Die Untersuchung der Universität Bordeaux umfasste insgesamt 1160 Teilnehmer. Ein zentrales Kriterium für die Probanden war neben dem Alter von mindestens 75 Jahren das Fehlen von Vorerkrankungen im kardiovaskulären Bereich. Ziel der Analyse war es, die Effekte eines Absetzens von Statinen über einen Zeitraum von drei Jahren zu beobachten und mit einer Gruppe zu vergleichen, welche die Medikation beibehielt.
Die Ergebnisse, die in der Fachzeitschrift The Lancet Healthy Longevity publiziert wurden, deuten darauf hin, dass das Beenden der Statineinnahme das Sterberisiko in diesem Zeitraum nicht signifikant beeinflusst. Laut den Daten der Forscher lag die Sterblichkeitsrate in der Gruppe, welche die Statine absetzte, bei 7,2 Prozent.
In der Vergleichsgruppe, die weiterhin Statine einnahm, wurde eine Sterblichkeitsrate von 7,9 Prozent verzeichnet. Dieser geringfügige Unterschied wird statistisch so bewertet, dass kein erhöhtes Sterberisiko durch das Absetzen der Medikamente innerhalb der drei beobachteten Jahre vorliegt.
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Veränderungen der Cholesterinwerte und klinische Ereignisse
Trotz der stabilen Mortalitätsrate stellten die Wissenschaftler der Universität Bordeaux deutliche Veränderungen bei den Blutwerten fest. Nach dem Absetzen der Statine stieg das LDL-Cholesterin bei den betroffenen Teilnehmern um 50 Prozent an. Konkret kletterte der Wert in der Absetz-Gruppe auf durchschnittlich 171 mg/dl, während er in der Gruppe mit fortgeführter Statintherapie bei 115 mg/dl verblieb.
Interessanterweise korrelierte dieser deutliche Anstieg des LDL-Cholesterins im Beobachtungszeitraum nicht mit einer Zunahme klinisch relevanter Vorfälle.
Die Forscher beobachteten keinen signifikanten Unterschied bei kardiovaskulären Ereignissen zwischen der Gruppe, die die Medikation beendete, und jener, die sie fortsetzte. Zudem habe sich laut der Studie auch die Lebensqualität der Teilnehmer durch das Absetzen der Statine nicht messbar verändert.
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Bedeutung für die medizinische Praxis bei Senioren
Die Ergebnisse der Universität Bordeaux liefern wichtige Anhaltspunkte für die Diskussion um das sogenannte Deprescribing, also das gezielte Absetzen von Medikamenten im Alter. Da Statine häufig zur Primärprävention eingesetzt werden, stellt sich bei hochbetagten Patienten oft die Frage nach dem Nutzen-Risiko-Verhältnis einer lebenslangen Einnahme.
Die aktuelle Forschung deutet darauf hin, dass bei über 75-Jährigen ohne Herz-Vorerkrankungen ein Absetzen der Präparate möglich sein könnte, ohne die Lebenserwartung oder die Häufigkeit schwerer Herz-Kreislauf-Ereignisse kurzfristig negativ zu beeinflussen.
Dennoch unterstreichen die Daten zum Anstieg des LDL-Cholesterins, dass die physiologische Wirkung der Medikamente auch im hohen Alter bestehen bleibt. Fachleute könnten diese Erkenntnisse nutzen, um individuelle Therapieentscheidungen bei Senioren fundierter abzuwägen, insbesondere wenn es um die Reduzierung der täglichen Tablettenlast geht.
