Statine, Typ-2-Diabetes

Statine bei Typ-2-Diabetes: Früher Beginn mit 15 Prozent geringerem Demenzrisiko

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 15:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien untersuchen Statine und Impfstoffe im Demenzkontext; KI unterstützt zugleich die Entwicklung pflanzlicher und pharmazeutischer Wirkstoffe.

Demenzforschung und KI: Neue Ansätze bei Prävention und Wirkstoffen
Ein modernes, steriles Labor mit Glasgefäßen auf einer Edelstahlarbeitsfläche bei natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Medienberichte thematisieren derzeit unerwartete Zusammenhänge zwischen gängigen Cholesterinsenkern und dem Demenzrisiko sowie grundlegende Fortschritte beim Einsatz von Biotechnologie und künstlicher Intelligenz zur Gewinnung medizinischer Wirkstoffe aus Pflanzen. Neue Analysen liefern dabei differenzierte Einblicke in präventive Potenziale und technologische Verfahren.

Beobachtungsdaten zu Statinen und kognitiver Gesundheit

Im Fokus stehen unter anderem Untersuchungen dänischer Forscher um Dr. Shoaib Afzal vom Universitätsklinikum Kopenhagen. In einer im Fachjournal The Lancet Regional Health – Europe veröffentlichten Untersuchung zeigte sich, dass Menschen mit Typ-2-Diabetes, die frühzeitig innerhalb des ersten Jahres nach ihrer Diagnose Statine erhielten, über einen Zeitraum von zehn Jahren ein um 15 Prozent geringeres Demenzrisiko aufwiesen als Personen ohne entsprechende Medikation. Begann die Statin-Therapie zu einem späteren Zeitpunkt, lag das Risiko um 10 Prozent niedriger.

Die Datenbasis der Untersuchung umfasste 132.585 Personen mit einer zwischen 2006 und 2019 diagnostizierten Diabetes-Erkrankung und einer Nachbeobachtung bis 2021. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, liefert sie keinen Kausalitätsnachweis.

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Frühere randomisierte Studien hatten keinen entsprechenden Nutzen von Statinen nachweisen können. Experten verweisen zudem darauf, dass die Wirkstoffe das menschliche Gehirn kaum erreichen. Dennoch besitzt das Thema eine hohe Relevanz für die öffentliche Gesundheit: Allein in den USA nehmen über 92 Millionen Erwachsene Statine ein.

Parallel dazu untersucht NewAmsterdam Pharma neuere cholesterinsenkende Ansätze. In einer Phase-3-Studie mit 1.727 Teilnehmern, die Träger des Risikogens ApoE4 sind, senkte der CETP-Hemmer Obicetrapib den Alzheimer-Biomarker pTau-217 im Blut. Eine Phase-2b-Studie zu Alzheimer wird derzeit durchgeführt.

Zusätzliche Schutzfaktoren und therapeutische Ansätze

Neben Lipidsenkern rücken auch andere medizinische Maßnahmen in den Blickpunkt der Demenzforschung. Britische Forscher berichteten im Oktober 2026 im Fachjournal Nature Medicine über den Gürtelrose-Impfstoff Shingrix. Der Impfstoff verzögerte den Beginn einer Demenz um 17 Prozent im Vergleich zum Vorgängerpräparat Zostavax, was im Schnitt 164 zusätzlichen Tagen ohne Demenzdiagnose entsprach.

Die Analyse stützte sich auf jeweils 103.837 Personen, die zwischen Oktober 2014 und September 2017 mit Zostavax oder zwischen November 2017 und Oktober 2020 mit Shingrix geimpft wurden, bei einer Nachbeobachtung von bis zu sechs Jahren. Der Effekt trat bei Frauen besonders deutlich hervor.

Hinsichtlich therapeutischer Perspektiven betont Prof. Dr. Emrah Düzel vom Universitätsklinikum Magdeburg, dass Gedächtnisverluste bei Alzheimer teilweise reversibel sein können.

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Ursächlich sei oft eine Störung der Gehirnnetzwerke im Hippocampus sowie in den Vorder- und Temporallappen und nicht ausschließlich der Nervenzellverlust selbst. Als Ansätze gelten gezieltes Gedächtnistraining, Hirnstimulation und Medikamente zur Nervenzellregulation, wobei frühe Interventionen entscheidend seien.

Biotechnologie und künstliche Intelligenz in der Wirkstoffforschung

Gleichzeitig verzeichnet die Gewinnung pharmazeutischer Wirkstoffe technologische Fortschritte. Der Pharmazeut Mohamed Nagia von der Universität Halle-Wittenberg erforscht die Extraktion sekundärer Pflanzenstoffe, wie des im Hopfen vorkommenden Xanthohumols, aus Agrarreststoffen wie Apfeltrester und Lignin.

In Deutschland fallen jährlich 400 bis 500 Millionen Liter Apfelsaft und bis zu 250.000 Tonnen Apfeltrester an. Mehdi Davari vom Leibniz-Institut setzt dabei auf KI-Algorithmen, um passende Enzyme zu identifizieren, die künftig in Hefezellen als molekulare Fabriken produziert werden sollen. Die Bundesregierung unterstützt Bioökonomie-Projekte in der Region mit 100 Millionen Euro aus Mitteln des Kohleausstiegs.

Auch bei der Synthese komplexer Moleküle beschleunigt künstliche Intelligenz die Entwicklung. Ein Team um Jörg Schrittwieser an der Universität Graz untersuchte 175 Imin-Reduktasen zur Herstellung chiraler Amine, wie eine Publikation in Nature Communications zusammen mit F. Hoffmann-La Roche und Innophore darlegt.

Da über 90 Prozent der meistverkauften Medikamente Stickstoff und fast die Hälfte chirale Amin-Strukturen enthalten, besitzt das Verfahren breite Anwendungsmöglichkeiten. Mithilfe von KI-Vorhersagen gelang es den Forschern, vier Zielmoleküle in vier Wochen herzustellen. Statt aller 175 Enzyme mussten lediglich 15 getestet werden, wobei die Trefferquote bei 77 Prozent lag.

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