Statine, Alltag

Statine im Alltag: Nur 35,9 Prozent nehmen ihre Medikamente konsequent ein

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 22:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Genetik prÀgt den Cholesterinspiegel; eine Studie zeigt zugleich, dass nach zwölf Monaten nur 35,9 Prozent Statine vollstÀndig einnahmen.
Eine Schale mit WalnĂŒssen und frischem GrĂŒnkohl auf einem Holztisch bei natĂŒrlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Erhöhte Cholesterinwerte gelten als zentraler Risikofaktor fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bei der Ursachenforschung und der Wahl der richtigen Gegenmaßnahmen existieren jedoch nach wie vor verbreitete FehleinschĂ€tzungen.

Wie Kardiologin Christiane Tiefenbacher von der Deutschen Herzstiftung und dem Marien-Hospital Wesel darlegt, ist der Cholesterinspiegel im Wesentlichen genetisch determiniert. Eine gezielte Umstellung der ErnÀhrung könne das sogenannte LDL-Cholesterin maximal um etwa 10 Prozent senken.

Individuelle Zielwerte und körpereigene Produktion

Die EinschĂ€tzung der Blutwerte hĂ€ngt maßgeblich vom individuellen Risikoprofil ab. Tiefenbacher stuft bei gesunden Menschen ohne zusĂ€tzliche Risikofaktoren einen LDL-Wert von 120 bis 130 mg/dl als akzeptabel ein.

Liegen mehrere Risiken wie Bluthochdruck, Diabetes oder Rauchen vor, sollte der Wert bei etwa 70 mg/dl liegen; nach einem Herzinfarkt gilt eine Zielmarke von 55 mg/dl. FachÀrztin Juliane Willecke vom Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen betont ergÀnzend, dass der menschliche Körper 80 bis 90 Prozent des Cholesterins selbst herstelle.

Ein Wert von mehr als 190 mg/dl bedeute ein deutlich erhöhtes Risiko fĂŒr atherosklerotische Erkrankungen. WĂ€hrend fĂŒr Gesunde hĂ€ufig Zielwerte von unter 116 mg/dl angesetzt werden, liege die Vorgabe bei Vorerkrankungen wie Diabetes oder Herzkrankheiten ebenfalls bei unter 55 mg/dl.

Gesetzlich Versicherte in Deutschland haben ab dem Alter von 35 Jahren alle drei Jahre Anspruch auf eine Kontrolluntersuchung samt Bestimmung der Blutfettwerte. Zudem sollte laut Willecke der Wert fĂŒr Lipoprotein(a) mindestens einmal im Leben erfasst werden.

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Überholte Regeln und der Einfluss von Nahrungsmitteln

Lange Zeit stand der Verzehr cholesterinreicher Speisen wie HĂŒhnereiern im Zentrum prĂ€ventiver Empfehlungen. Diese frĂŒhere Eier-Regel gilt laut Tiefenbacher und Willecke inzwischen als ĂŒberholt. Nahrungscholesterin beeinflusse die Blutwerte nur gering, da der Organismus die eigene Synthese anpasse.

Weitaus entscheidender seien gesĂ€ttigte FettsĂ€uren, welche das LDL-Cholesterin steigern. Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE) empfiehlt zwar weiterhin einen Richtwert von einem Ei pro Woche, begrĂŒndet dies jedoch primĂ€r mit den Treibhausgasemissionen der Eierproduktion und nicht mit gesundheitlichen Risiken.

Bei den Lebensmitteln gibt es dennoch messbare Effekte: Nach Angaben von Willecke können Haferflocken durch das enthaltene Beta-Glucan das Cholesterin um rund 5 bis 7 Prozent senken.

Silke Restemeyer von der DGE verweist darauf, maximal 30 Prozent der tĂ€glichen Gesamtenergie aus Fett zu beziehen, wovon höchstens 10 Prozent auf gesĂ€ttigte Fette entfallen sollten. TĂ€glich werden 10 Gramm wertvolle pflanzliche Öle empfohlen, wobei Rapsöl mit einem Anteil von 92 Prozent ungesĂ€ttigten FettsĂ€uren besonders gĂŒnstig zusammengesetzt sei.

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Grenzen des Lebensstils und Stellenwert von Medikamenten

Da Lebensstilinterventionen die Blutfettwerte nur begrenzt absenken, ist bei relevanten Vorerkrankungen hÀufig eine medikamentöse Therapie notwendig. Tiefenbacher hebt hervor, dass Statine hierbei die erste Wahl bleiben.

Die BefĂŒrchtung vor statinbedingten Muskelschmerzen bezeichnete sie unter Verweis auf Placebovergleiche als widerlegt. Neuere PCSK9-Hemmer zeigten sich zwar als sehr wirksam, verursachen jedoch Kosten von rund 1000 Euro pro Monat und kommen daher erst nach dem Einsatz gĂŒnstigerer PrĂ€parate infrage.

Dass die konsequente Medikamenteneinnahme im Alltag eine HĂŒrde darstellt, verdeutlicht eine 2026 in der Fachzeitschrift Diabetes Therapy publizierte Untersuchung von Strollo et al. an 1.959 Personen mit Typ-2-Diabetes, metabolischem Syndrom und moderater DyslipidĂ€mie.

Nach zwölf Monaten nahmen lediglich 35,9 Prozent der Betroffenen verordnete Statine wie Simvastatin (20 mg/Tag) oder Atorvastatin beziehungsweise Rosuvastatin (jeweils 10 mg/Tag) vollstÀndig adhÀrent ein.

Bei vollstĂ€ndiger AdhĂ€renz sank das LDL-Cholesterin im Beobachtungszeitraum um 35,7 Prozent, wĂ€hrend das Gesamtcholesterin um 23,5 Prozent und die Triglyzeride um 37,1 Prozent sanken. Mangelnde Therapietreue war unter anderem mit der gleichzeitigen Einnahme vieler Medikamente, furcht vor Nebenwirkungen und Zweifeln infolge von BeitrĂ€gen in sozialen Netzwerken verknĂŒpft.

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