Statine und Demenz: DĂ€nische Studie zeigt 15% niedrigeres Risiko
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 08:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Bereich der prĂ€ventiven Medizin wird verstĂ€rkt untersucht, inwieweit Lipidsenker ĂŒber ihre primĂ€re Funktion hinaus positive Auswirkungen auf neurologische Erkrankungen haben könnten.
Aktuelle Forschungsergebnisse, die unter anderem beim europĂ€ischen Kardiologiekongress (ESC) 2026 vorgestellt wurden, befassen sich mit dem Zusammenhang zwischen einer Statintherapie und dem Risiko fĂŒr demenzielle Entwicklungen. Insbesondere Daten aus DĂ€nemark liefern neue Anhaltspunkte fĂŒr Patienten mit Typ-2-Diabetes.
DĂ€nische Registerstudie untersucht Langzeiteffekte bei Diabetikern
Eine umfangreiche Beobachtungsstudie des UniversitĂ€tsklinikums Kopenhagen hat den Einfluss von Statinen auf das Demenzrisiko bei Menschen mit Typ-2-Diabetes analysiert. Wie aus der in der Fachzeitschrift The Lancet Regional Health â Europe veröffentlichten Arbeit hervorgeht, stĂŒtzten sich die Forscher auf Daten von 132.585 Personen aus dĂ€nischen Gesundheitsregistern.
Die Teilnehmer erhielten ihre Diabetes-Diagnose im Zeitraum zwischen 2006 und 2019 und wurden bis zum Jahr 2021 nachbeobachtet. Die durchschnittliche Beobachtungsdauer betrug 7,1 Jahre.
Die Ergebnisse der Untersuchung deuten auf einen zeitabhÀngigen Schutzeffekt hin. Bei Patienten, die bereits im ersten Jahr nach ihrer Diabetes-Diagnose mit einer Statintherapie begannen, lag das Risiko, innerhalb von zehn Jahren eine Demenz zu entwickeln, um 15 Prozent niedriger als bei Vergleichsgruppen.
Erfolgte der Beginn der Therapie erst zu einem spĂ€teren Zeitpunkt â etwa ein bis fĂŒnf Jahre nach der Diagnose â, wurde immer noch eine Reduktion des Risikos um etwa 10 Prozent festgestellt.
WĂ€hrend des gesamten Beobachtungszeitraums erhielten 2,7 Prozent der Studienteilnehmer eine Demenzdiagnose. Der Erstautor der Studie, Tummas Ternhamar, betonte jedoch die methodischen Grenzen der Untersuchung. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, lieferten die Daten keinen direkten KausalitĂ€tsbeweis fĂŒr die Schutzwirkung der Statine.
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Ergebnisse der STAREE-Studie bei Senioren in Australien
ErgĂ€nzend zu den dĂ€nischen Registerdaten wurden Ergebnisse der STAREE-Studie (Statins in Reducing Events in the Elderly) prĂ€sentiert, die Ende August 2026 im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurden. Unter der Leitung von Sophia Zoungas von der Monash University wurden 9.971 Probanden in Australien untersucht, die ĂŒber 70 Jahre alt waren und selbststĂ€ndig lebten.
In dieser randomisierten Untersuchung erhielt eine Gruppe tĂ€glich 40 mg Atorvastatin, wĂ€hrend die Kontrollgruppe ein Placebo einnahm. Ăber einen medianen Nachbeobachtungszeitraum von 5,9 Jahren sank die Rate schwerer kardiovaskulĂ€rer Ereignisse in der Statingruppe signifikant um etwa 30 Prozent â von 8,3 Prozent auf 6,0 Prozent.
Trotz dieses deutlichen Nutzens fĂŒr das Herz-Kreislauf-System zeigten sich beim primĂ€ren Endpunkt der Studie, dem behinderungsfreien Ăberleben (Ăberleben ohne Demenz oder InvaliditĂ€t), keine signifikanten Unterschiede.
Dieser Wert lag in beiden Gruppen bei rund 13 Prozent. Zudem wurde eine Zunahme von Muskelbeschwerden, erhöhten Leberwerten und neuen DiabetesfÀllen unter der Statin-Einnahme beobachtet. Etwa jeder vierzehnte Teilnehmer brach die Behandlung ab.
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Differenzierte Beobachtungen aus französischen Langzeitdaten
Weitere Einblicke liefert eine Studie des UniversitÀtsklinikums Bordeaux, die sich speziell auf Senioren ab 75 Jahren konzentrierte. Hierbei wurden 1.160 Teilnehmer ausgewertet, die bereits seit mindestens einem Jahr Statine zur Vorbeugung einnahmen. In der Nachbeobachtung zwischen Juni 2016 und Januar 2020 konnten keine signifikanten Vorteile hinsichtlich der Sterblichkeit oder schwerer Herz-Kreislauf-Ereignisse festgestellt werden.
Die Sterblichkeitsrate lag bei den Statin-Nutzern bei 7,9 Prozent, verglichen mit 7,2 Prozent in der Kontrollgruppe. Auch bei der LebensqualitĂ€t ergaben sich keine messbaren Differenzen. Die Forscher wiesen darauf hin, dass die ursprĂŒnglich geplante Teilnehmerzahl von 2.430 Personen nicht erreicht wurde, was die statistische Aussagekraft beeinflussen könnte.
Zusammenfassend deuten die aktuellen Daten darauf hin, dass Statine insbesondere bei jĂŒngeren Patienten mit spezifischen Vorerkrankungen wie Typ-2-Diabetes einen prĂ€ventiven Beitrag zur Senkung des Demenzrisikos leisten könnten.
Bei Patienten im fortgeschrittenen Seniorenalter scheinen hingegen die kardiovaskulĂ€ren Vorteile zu ĂŒberwiegen, wĂ€hrend ein direkter Einfluss auf die DemenzprĂ€vention oder das behinderungsfreie Ăberleben in klinischen Studien bisher nicht eindeutig belegt werden konnte.
