Statine, Glaukom

Statine und Glaukom: Studie findet 15 Prozent niedrigeres Erkrankungsrisiko

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 03:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Beobachtungsstudie verbindet Statin-Einnahme mit weniger Glaukomfällen und Behandlungen, belegt jedoch keine ursächliche Wirkung.

Statine und Glaukom: Studie findet geringeres Risiko und weniger Eingriffe
Eine klinische Laborumgebung mit wissenschaftlichem Glasgerät in einer sterilen, hellen Atmosphäre. Illustration mit AI erstellt.

Cholesterinsenkende Medikamente stehen im Fokus einer groß angelegten Untersuchung zu Augenerkrankungen. Eine am 6. Oktober 2026 im Fachjournal British Journal of Ophthalmology veröffentlichte Untersuchung von Forschenden der UC San Diego analysiert den Zusammenhang zwischen der Einnahme von Statinen und dem Auftreten sowie Verlauf des Offenwinkelglaukoms.

Grundlage der Untersuchung ist eine retrospektive Kohortenstudie auf Basis des TriNetX-Netzwerks, das Daten von 165 Millionen Menschen aus 115 Gesundheitseinrichtungen umfasst. Der analysierte Studienzeitraum erstreckte sich vom 8. August 2006 bis zum 8. August 2026 und konzentrierte sich auf Personen ab einem Alter von 40 Jahren.

Geringeres Erkrankungsrisiko bei Statin-Einnahme

In der Analyse zur Glaukom-Inzidenz verglichen die Wissenschaftler 210.701 gematchte Personen, die Statine einnahmen, mit einer Kontrollgruppe von ebenfalls über 210.000 Personen ohne entsprechende Medikation.

Nach fünf Jahren zeigte sich bei den Statin-Nutzenden ein um 15 Prozent niedrigeres relatives Risiko für das Auftreten eines Offenwinkelglaukoms (Hazard Ratio 0,85; 95%-Konfidenzintervall 0,82–0,89). Konkret entwickelten in diesem Zeitraum 2,3 Prozent der Personen mit Statin-Therapie (4.771 Fälle) die Augenerkrankung, während es in der Kontrollgruppe 2,6 Prozent (5.491 Fälle) waren.

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Dieser statistische Zusammenhang blieb auch über einen längeren Beobachtungszeitraum messbar: Nach zehn Jahren lag die Hazard Ratio für das Auftreten eines Offenwinkelglaukoms bei 0,90.

Behandlungsbedarf bei bestehender Erkrankung

Neben der Neuerkrankungsrate untersuchte das Forschungsteam der UC San Diego die Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf bei Personen mit bereits diagnostiziertem Glaukom. Für diese Behandlungsanalyse wurden jeweils 29.598 gematchte Personen herangezogen. Bei den bereits Erkrankten war die Einnahme von Statinen nach fünf Jahren mit einem geringeren Bedarf an therapeutischen und chirurgischen Eingriffen verbunden:

  • Das Risiko für eine selektive Lasertrabekuloplastik (SLT) fiel um 60 Prozent geringer aus (HR 0,40); innerhalb von fünf Jahren erhielten 2,2 Prozent der Statin-Gruppe eine SLT im Vergleich zu 5,6 Prozent in der Kontrollgruppe.
  • Das Risiko für mikroinvasive Glaukomchirurgie (MIGS) lag um 55 Prozent niedriger (HR 0,45).
  • Das Risiko für invasive beziehungsweise größere Glaukomoperationen war um 36 Prozent reduziert (HR 0,64); je nach Eingriff betrug der Anteil rund 2 Prozent gegenüber 3 bis 4 Prozent in der Vergleichsgruppe.
  • Das Risiko für die Verordnung drucksenkender Augentropfen war um 12 Prozent geringer (HR 0,89).
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Die Behandlungseffekte bestanden laut der Untersuchung auch nach zehn Jahren fort. Zu diesem Zeitpunkt verzeichnete die Analyse eine Hazard Ratio von 0,88 für Augentropfen, 0,68 für operative Eingriffe, 0,54 für MIGS sowie 0,49 für SLT.

Einordnung und methodische Grenzen

Trotz der deutlichen statistischen Zusammenhänge betonen die Forschenden die methodischen Grenzen der Untersuchung. Da es sich um eine reine Beobachtungsstudie handelt, liefern die Daten keinen Nachweis für eine ursächliche Wirkung der Cholesterinsenker auf den Verlauf oder das Auftreten des Glaukoms.

Um Kausalitäten festzustellen, seien prospektive beziehungsweise randomisierte kontrollierte Studien erforderlich. Aus den aktuellen Ergebnissen lässt sich derzeit keine medizinische Empfehlung ableiten, Statine gezielt zur Vorbeugung oder Behandlung eines Glaukoms einzusetzen.

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