Stellenabbau, Jobs

Stellenabbau: 100.000 Jobs 2026, 160.000 zur Disposition

30.06.2026 - 21:05:42 | boerse-global.de

Wirtschaftsvertreter und Ökonomen plädieren für längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich. Gewerkschaften kündigen Widerstand an.

Industrie fordert Rückkehr zur 40-Stunden-Woche gegen Kostenkrise
Stellenabbau - Eine Nahaufnahme einer analogen Uhr mit einer 35-Stunden-Markierung, die von einem Schatten einer 40-Stunden-Markierung überlagert wird, auf einem Fabrikboden. 30.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Angesichts sinkender Gewinne, hoher Lohnnebenkosten und wachsendem internationalen Wettbewerbsdruck fordern Industrievertreter und Ökonomen die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche. Die Gewerkschaften laufen dagegen Sturm.

Hohe Arbeitskosten belasten die Bilanzen

Die Zahlen sind deutlich: Die durchschnittlichen Arbeitskosten in Deutschland liegen bei 45 Euro pro Stunde. Zum Vergleich: Der EU-Schnitt beträgt 34,90 Euro. Bereits 2024 lagen die deutschen Lohnstückkosten 22 Prozent über dem Durchschnitt von 27 Vergleichsländern.

Die Folgen zeigen sich in den Bilanzen der Industriegiganten. Die Mercedes-Benz Group musste 2025 einen Gewinneinbruch auf 5,3 Milliarden Euro verkraften – eine Halbierung zum Vorjahr. Auch das erste Quartal 2026 setzte den Negativtrend mit einem Rückgang des operativen Ergebnisses um rund 17 Prozent fort.

Immer mehr Unternehmen verlagern ihre Investitionen ins Ausland. Siemens Energy steckt eine Milliarde Dollar in die US-Produktion. Boehringer Ingelheim kürzt Investitionen in Deutschland und plant stattdessen Milliardenausgaben in den USA.

Management und Ökonomen fordern längere Arbeitszeiten

Die Forderung nach einer Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne vollen Lohnausgleich kommt aus der ersten Reihe der deutschen Wirtschaft. Der Aufsichtsratsvorsitzende von Mercedes-Benz, Brudermüller, brachte das Modell ins Gespräch. Auch Jungheinrich-Chef Brzoska plädiert für längere Arbeitszeiten, um die Produktivität zu steigern.

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Unterstützung kommt von führenden Ökonomen. Clemens Fuest und Marcel Hüther sehen längere Arbeitszeiten als notwendiges Mittel zur Sicherung des Industriestandorts. Politisch bekommt der Kurs Rückenwind aus den Bundesländern: Sachsens Ministerpräsident Kretschmer lobte die Vorschläge und fordert zusätzlich Entlastungen bei den Energiekosten und weniger Bürokratie.

Massiver Stellenabbau bis 2030

Die wirtschaftliche Anspannung trifft den Arbeitsmarkt hart. Eine aktuelle Horváth-Studie zeigt: 60 Prozent der Industrieunternehmen planen bis 2030 Stellenabbau. Für 2026 rechnen Experten mit dem Verlust von rund 100.000 Arbeitsplätzen – nachdem bereits 2025 etwa 120.000 Jobs weggefallen waren. Das ifo-Beschäftigungsbarometer fiel im Juni 2026 auf 92,3 Punkte.

Besonders betroffen: Automobil- und Maschinenbau. Bei den 100 größten deutschen Unternehmen stehen insgesamt 160.000 Stellen zur Disposition. Darunter signifikante Kontingente bei Siemens, der Deutschen Bahn und Bosch. Als Hauptursache nennen 76 Prozent der befragten Firmen die zu hohen Personalkosten.

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Gewerkschaften kündigen Widerstand an

Die Arbeitgeberforderungen stoßen auf harte Gegenwehr. Am 26. Juni 2026 protestierten über 500 Mitarbeiter im Mercedes-Benz-Werk Bremen gegen die geplanten Arbeitszeitverlängerungen und die Streichung von Sonderzahlungen. Die IG Metall kündigte Widerstand gegen jede Aufweichung der Tarifverträge an. Das Management reagierte mit Abmahnungen auf die Protestpausen.

Zusätzliche Brisanz: Die Bundesregierung plant offenbar, den Kündigungsschutz zu lockern. Diskutiert werden Ausnahmen für Betriebe mit weniger als 50 Mitarbeitern sowie Sonderregeln für Start-ups und Spitzenverdiener. Die SPD stellte einen Testlauf bei hohen Einkommensgruppen in Aussicht. Verdi droht bereits mit Massenprotesten.

Der Koalitionsausschuss hat für Anfang Juli Beratungen über diese und weitere Wirtschaftsreformen angesetzt. Es dürfte spannend werden.

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